Duisburg: "Salto Globale": Von Poesie bis Gassenhauer
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 21.05.2010 - 14:12„Salto Globale“ heißt das neue Programm der „Höhner Rockin’ Roncalli Show“. Bei der Premiere lief nicht alles rund, doch mehr als 1300 Zirkusfans im Zelt am Innenhafen waren trotzdem hellauf begeistert.
Henning Krautmacher liebt den Duisburger Innenhafen. Der Frontmann der Kult-Band Höhner, die zurzeit an der Stresemannstraße mit dem neuen Programm „ Salto Globale“ der „ Höhner Rockin’ Roncalli Show“ gastieren, findet die Vielfalt an Lokalen und Clubs einfach toll.
Locker und afgeräumt
Der Sänger mit dem charakteristisch hochgezwirbelten Schnauzbart gab sich nach der Premiere am Donnerstagabend locker und aufgeräumt – ungeachtet der Tatsache, dass gerade auch bei Premieren schon mal was schief geht. „ Gleich am Anfang hatte ich bei einem Lied zwischendurch den Text vergessen, und dann haben wir die Strophe gleich zweimal gesungen“, so Krautmacher. Ansonsten habe es aber nur kleinere Pannen gegeben. Das dürften allerdings die wenigsten der begeisterten Zuschauer im nicht ganz ausverkauften Zirkuszelt bemerkt haben. „ Das Duisburger Publikum ist schon etwas ganz Besonderes. Viele haben nicht nur bei Viva Colonia mitgesungen. Ich war begeistert, dass so viele offensichtlich auch unsere neueren Songs kannten“, so der Höhner-Frontmann.
Außer montags und dienstags ist „ Salto Globale“ im Zeltpalast am Innenhafen täglich bis zum 30. Mai um 19.30 Uhr zu erleben, samstags und sonntags auch um 14 Uhr. Karten gibt’s bei der RP-Ticket-Hotline unter % 0180 3303330.
Vom 5. bis 20. Juni gastiert der etwas andere Zirkus dann in Aachen.
Die Musiker um Krautmacher boten reichlich Abwechslung, vom poetischen Song bis zu altbekannten Gassenhauern. Spätestens bei „ Wenn nicht jetzt, wann dann?“ als Begleitung zu der zauberhaften Carole Demers als „ white crow“, die dreifache Salti auf dem russischen Barren bombensicher stand, war der Funke endgültig übergesprungen.
Tierisch
„I’m a part of it – ich bin Teil dieser Welt“, so die Botschaft des Abends. Der Umgang mit der Welt und ihren Ressourcen bildete so etwas wie den roten Faden des „Salto Globale“-Programms. Einfach tierisch: Oleksandr Yenivatov als „ Sasha the frog“, der sich als ebenso komischer wie atemberaubend gelenkiger Frosch verbog – auch weit über die scheinbar nicht vorhandene Schmerzgrenze hinaus.
Die Akrobatin Aurélie verzückte als Meisterin der Handstandequilibristik, bei der eine weiße Taube als „ Partnerin“ fungierte. Der Clown Jigalov belebt die Szene schon seit Jahren als Möchtegern-Rock’n’Roller, während Lara Jacobs mit ihren Derwischtänzen, die Fantasiefiguren „ Anima Planet“ und Mädir Eugster als „ Rigolo“ mit einer Palmäste-Jonglagenummer für die eher poetischen Momente sorgten.
Petra und Roland Duss boten mit ihren vier Seelöwen und einem kleinen Jack Russel-Terrier eine hinreißende Vorstellung – und selbst Höhner-Schlagzeuger Janus Fröhlich verleitete einen Seelöwen zu netten Kunststückchen. Roncalli-Chef Bernhard Paul hatte nicht zu viel versprochen, als er von einem „ circensisch-musikalischen Gesamtkunstwerk“ sprach. Logisch, dass Artisten und Musiker nach einem fulminanten Finale nicht ohne Zugaben die Manege verlassen durften. Henning Krautmacher freut sich schon auf die nächsten Auftritte. „ Am liebsten würde ich mit den Seelöwen im Innenhafen schwimmen gehen“, frotzelte er nach der Premiere.
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