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Duisburg: Salz-Strategie aufgegangen

zuletzt aktualisiert: 11.01.2011 - 09:35

Duisburg (RPO). Thomas Patermann, Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe, zieht eine positive Bilanz der ersten harten Winterwochen. Seiner Meinung nach sei ausreichend gestreut worden.

Die erste Winterwelle liegt hinter uns. Bei der Vorstellung, dass erneut Eis und Schnee über uns hereinbrechen, vergeht sicherlich vielen von uns die gute Laune, zumal in den vergangenen Wochen der Eindruck entstanden ist, dass die Wirtschaftsbetriebe mit ihrem Winterdienst kaum hinterher kommen. Die RP befragte Thomas Patermann, Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe.

Auch wenn der Winter laut Kalender noch lange nicht vorbei ist, hat er Ihr Unternehmen ja bereits mächtig in Atem gehalten. Sind Sie bislang mit den Leistungen ihrer Mitarbeiter zufrieden?

Patermann: Eindeutig ja. Ich bin mit der Einsatzbereitschaft und der Leistung meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr zufrieden. Fast den ganzen Dezember, an allen Weihnachtstagen, in der Silvesternacht und Neujahr waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Schichten rund um die Uhr im Einsatz. Es gibt eine hohe Motivation in der Mannschaft, und alle sehen es als ihre selbstverständliche Aufgabe an, für die Duisburgerinnen und Duisburger einen möglichst optimalen Winterdienst zu leisten. Alle Hauptverkehrsstraßen wurden immer wieder sehr zügig von Schnee und Eis befreit.

Thomas Patermann lobt seine Mitarbeiter. RP-Archivfoto Foto: RPO

Nach dem Salzmangel 2009/2010 war die Öffentlichkeit davon ausgegangen, dass sich die Unternehmen besser ausrüsten. Obwohl Sie reichlich Salz haben einlagern lassen, reichte die Menge schon wieder nicht aus und es gab erneut einen Lieferengpass. Wie kann das? Sind die Lagerkapazitäten vielleicht viel zu knapp bemessen?

Patermann: Um es direkt klar zu sagen: Unser Salzlager war bis zum heutigen Tag in dieser gesamten Winterperiode kein einziges Mal leer gefahren. Unsere Lagerkapazitäten verbunden mit den Nachlieferungen waren also ausreichend; unsere Strategie ist bisher aufgegangen. Wir haben nach dem Winter 2009/2010 analysiert, was verändert werden musste. Eine Konsequenz war, dass wir unsere eingelagerte Salzmenge deutlich vergrößert haben. Wir verfügen damit über mehr Lagerkapazitäten als andere Städte an Rhein und Ruhr. Gemessen an den Hinweisen der Länderverkehrsminister, die wir übrigens bis heute nicht vom Verkehrsministerium erhalten haben, überschreiten wir mit unseren Salzlagerkapazitäten sogar diese Empfehlung.

Aber Sie haben doch wieder auf Nachlieferung warten müssen, oder?

Patermann Es ist richtig, dass der Hauptlieferant, der eines seiner Salzbergwerke direkt in unserer Nachbarschaft am Niederrhein betreibt, wieder einmal kaum Mengen an uns nachgeliefert hat. Wie im Vorjahr wurden die Autobahnmeistereien bevorzugt und alle Kommunen im Dezember in die zweite Reihe gestellt. Auch darauf haben wir uns aber eingestellt und zusätzliche Lieferanten ausgewählt. Von diesen Lieferanten haben wir im Dezember und Anfang Januar immer wieder Mengen erhalten. Richtig ist, dass die Salzmengen Ende Dezember fast aufgebraucht waren und es uns lieber gewesen wäre, wenn die Salznachlieferungen schneller erfolgt wären. Hätte es noch länger Frost und Schnee gegeben, hätten auch wir Problem bekommen. Aber Duisburg hat zu jeder Zeit bei allen Einsätzen Salz gehabt und wir mussten nicht – wie andere Städte in NRW und Deutschland insgesamt – erklären, dass kein Salz mehr da ist.

Das Problem würde sich doch gar nicht stellen, wenn Sie von vornherein mehr Streumittel einlagern würden.

Patermann Ob wir im nächsten Winter ein noch größeres Salzlager bereithalten, werden wir im Frühjahr entscheiden. Wir haben im Dezember über 5000 Tonnen Salz auf den Fahrbahnen in Duisburg aufgebracht. Das ist bereits jetzt mehr als in der vergangenen gesamten Wintersaison – und das, obwohl bereits der letzte Winter ein intensiver Winter war.

Die Anwohner sind gehalten, die Bürgersteige vor ihren Häusern von Schnee und Eis freizuhalten. Auf öffentlichen Wegen und Plätzen hingegen war in den vergangenen Wochen auffallend schlecht geräumt und gestreut worden. Fehlt Ihnen Personal, um diese Arbeiten erledigen zu können?

Patermann Auch die Wirtschaftsbetriebe kommen sicherlich irgendwann an die Grenzen ihrer personellen Ressourcen. Wir haben aber aufgrund unserer Größe die Möglichkeit, zusätzliches Personal aus anderen Aufgabenbereichen heranzuziehen. Darüber hinaus nutzen wir auch gerade für den Winterdienst die Instrumentarien der befristet Beschäftigten und der Arbeitnehmerüberlassung. So haben wir sowohl im Winterdienst als auch bei der Abfallsammlung im Dezember eine größere Zahl zusätzlicher Mitarbeiter eingesetzt. Fahrer für Spezialfahrzeuge, wie die großen Streu- und Räumfahrzeuge, können allerdings nicht unbegrenzt bereitgestellt werden. Überkapazitäten haben und werden wir uns nicht schaffen. Dies wäre aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu vertreten.

In der Öffentlichkeit ist der Eindruck entstanden, dass die Wirtschaftsbetriebe mit dem Winterdienst überfordert sind. Auch wenn Sie dies sicherlich bestreiten, wieso kann so ein Eindruck entstehen?

Patermann Ich will gar nicht bestreiten, dass bei manchen Duisburgerinnen und Duisburgern ein solcher Eindruck entstanden ist. Jeder subjektive Eindruck ist auch zunächst einmal zu akzeptieren und die Gründe dafür zu analysieren. Es gibt immer noch eine "Vielzahl" von Winterdienstverantwortlichen in der Stadt, und da ist sicherlich nicht immer transparent und direkt zu erkennen, wofür wir als Unternehmen die Verantwortung tragen. Auch wir sind selbstverständlich nicht fehlerfrei. Das, was wir bei uns direkt verbessern können, werden wir verbessern. Wir sind in der Analyse und Optimierung sehr schnell – erste Maßnahmen wurden bereits eingeleitet und haben schon Wirkung für den restlichen Winter. Es gibt aber auch Themen, bei denen wir mit anderen reden müssen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Weihnachtsmarkt. Es gab Beschwerden über die Flächen auf dem Weihnachtsmarkt. Wir haben uns mit der DMG, die ja als Veranstalter für den Winterdienst auf dem Weihnachtsmarkt verantwortlich ist, zusammengesetzt und vereinbart, dass wir für den nächsten Weihnachtsmarkt von der DMG beauftragt werden, alle Flächen des Weihnachtsmarktes schnee- und eisfrei zu halten.

Probleme gab es doch auch auf anderen öffentlichen Flächen, so auf dem Burgplatz.

Patermann Wir werden auch klären, bei welchen öffentlichen Parkplätzen, die bisher nicht in der Winterwartung sind, wir zukünftig zusätzlich tätig werden können. Darüber hinaus muss aus meiner Sicht über das Thema "Winterdienst auf Wohnstraßen" gesprochen werden. Mehr als die Hälfte der Duisburger Straßen werden bisher von uns praktisch nicht geräumt, da die Straßen keiner Dringlichkeitsstufe angehören. Die Anlieger dieser Straßen zahlen natürlich auch nicht für den Winterdienst. Die Straßenreinigungsgebühren, die diese Anlieger zahlen, werden ausschließlich für die Fahrbahn- und Gehwegreinigung verwendet. Die Anlieger der anderen Straßen entrichten Winterdienstgebühren und erhalten ihn selbstverständlich auch. Ich möchte sehr zeitnah mit allen Bezirksvertretungen in die Diskussion eintreten, welche Straßen zusätzlich über das bisherige Maß hinaus in den Winterdienst aufgenommen werden sollen. Wenn es gewünscht ist, nehmen wir jede Straße, die beschlossen wird, in den Winterwartungsplan 2011/2012 auf. Ich bin in der Hinsicht völlig offen für zusätzliche Wünsche der Bezirke – wir benötigen nur etwas Vorlaufzeit. Daher möchte ich die Diskussion in den Bezirken für den Winter 2011/2012 bereits im nächsten Monat beginnen.

Der Winterdienst ist personal- und materialintensiv. Die Wirtschaftsbetriebe aber müssen wie alle städtischen Unternehmen sparen und jeden Cent mehrmals umdrehen. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, den Winterdienst auszulagern und an private Unternehmen zu vergeben?

Patermann Auch hier gilt für uns – wie bei allen anderen Fragestellungen – den wirtschaftlich günstigsten Weg zu gehen. Bis auf die älteren Fahrzeuge sind fast alle unsere Winterdienstfahrzeuge inzwischen Multifunktionsgeräte. D.h. wir nutzen sie außerhalb des Winterdienstes beispielsweise als Containerfahrzeuge. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Unternehmens können innerhalb kürzester Zeit aus ihren Tätigkeiten, die sie außerhalb des Winterdienstes ableisten, im Winterdienst zusammengezogen werden. In den Fällen, in denen es wirtschaftlich sinnvoll ist, mit Dritten zusammenzuarbeiten, machen wir das. Wir arbeiten bereits jetzt mit Partnern zusammen. So haben wir ein eigenes Tochterunternehmen, das auch im Winterdienst tätig ist. Wir arbeiten – gerade beim manuellen Winterdienst auf Gehwegen und Flächen für Dritte – erfolgreich mit anderen Partnern wie Garten- und Landschaftsbauunternehmen zusammen.

Das Interview führte RP-Redaktionsleiterin Hildegard Chudobba.

Quelle: RP

 
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