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Loveparade Unglück Tragödie PANORANA 100725
  Foto: dapd, APN
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Loveparade-Katastrophe: Sauerland lehnt Rücktritt weiter ab

zuletzt aktualisiert: 15.08.2010 - 20:43

Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland hat in einem Interview am Sonntagabend erneut die Frage nach einem Rücktritt zurückgewiesen. Zunächst wolle er an der Aufklärung der Tragödie mitwirken. Zuvor hatte Sauerland zugegeben, falsche Besucherzahlen im Vorfeld der Techno-Party genannt zu haben.

Sauerland sprach leise und ruhig im Interview mit dem WDR, seine Stimme wirkte leicht belegt. Es war das erste Fernseh-Interview, das Duisburgs Oberbürgermeister seit dem Unglück gab. Bei der Loveparade am 24. Juli waren 21 Menschen im Gedränge zu Tode gekommen. Die Frage nach seiner persönlichen Schuld am Tod von 21 Menschen wies der CDU-Politiker zunächst von sich: "Es muss geklärt werden, wer der Verursacher war. Soweit sind wir noch nicht." Sauerland gab sich gewohnt vorsichtig und zurückhaltend.

Auch einen Rücktritt lehnte er weiter ab. Zunächst müsse die Tragödie aufgeklärt werden. "Meine erste Aufgabe ist es, und die kann ich nur als Oberbürgermeister im Amt erfüllen, aufzuklären", so Sauerland im WDR-Interview. "Natürlich stelle ich mir die Frage, ob man das Amt nach so einem tragischen Ereignis weiter ausüben kann. Aber diese Antwort werde ich erst dann geben, wenn ich die Antworten auf die uns alle bedrückenden Fragen habe", sagte der Kommunalpolitiker. Erst nach der Aufklärung wolle er sich der politischen Verantwortung stellen.

Im Gespräch machte Sauerland deutlich, dass lange nicht feststand, ob Duisburg die Loveparade wirklich ausrichten könne. Bis 2009 sei die Frage nach einer Loveparade in Duisburg noch mit einem Nein beantwortet worden. Doch dann sei das Gelände am Bahnhof als Ort für die Abschlusskundgebung gewählt worden. Auf die Frage, ob das nicht ein Fehler gewesen sei, sagte der CDU-Politiker: "Im Nachhinein ist man immer schlauer." Damals seien jedoch alle Beteiligten zu der Überzeugung gelangt, ein geeignetes Areal gefunden zu haben.

Der CDU-Politiker wehrte sich im WDR gegen den Vorwurf, er habe im Vorfeld der Loveparade persönlich darauf hingewirkt, die Veranstaltung unter allen Umständen durchzuführen. Bei der entscheidenden Sitzung habe es weder von Seiten des Veranstalters noch von den beteiligten städtischen Behörden Bedenken gegen das Sicherheitskonzept gegeben.

Falsche Besucherzahlen genannt

Zuvor hatte Sauerland eingeräumt, nicht die richtigen Besucherzahlen im Vorfeld der Veransatltung veröffentlicht zu haben. "Wir sind vom Veranstalter aufgefordert worden, die realen Zahlen nicht zu veröffentlichen", sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Während offiziell von einer Besucherzahl im Millionenbereich die Rede war, gab es nur eine Genehmigung für 250.000 Technofans. "Mehr ging gar nicht", wurde Sauerland zitiert. Mit den hohen Zahlen habe man nur Marketing betrieben.

Mit dem Interview brach Sauerland sein langes Schweigen. Der Oberbürgermeister hatte sich nach den Ereignissen im Rahmen der Loveparade für mehrere Wochen abgeschottet. Drohungen - auch gegen seine Familie - hatten ihn zu dem Schritt gezwungen.

Sauerland verteidigte in dem Interview mit dem "Spiegel"erneut die Genehmigungsprozesse für die Großveranstaltung. Polizei, Bundespolizei, Feuerwehr und Ordnungsamt seien an den Vorbereitungen beteiligt gewesen. "Und am Ende steht die Frage: Ist dieses Konzept sicher? Das haben alle bejaht. Also wird genehmigt."

Auch bei der letzten großen Sitzung habe es keine Bedenken gegeben. Er sehe keine Punkte, die man intensiver hätte prüfen müssen. "Was wir gemacht haben, war plausibel und stimmig", sagte der Oberbürgermeister.

Bauaufsicht drohte Veranstalter mit Absage

Unterdessen wurde auch bekannt, dass das Bauaufsichtsamt der Stadt noch zehn Tage vor der Loveparade dem Veranstalter Rainer Schaller und seiner Firma Lopavent mit der gebührenpflichtigen Absage des Techno-Events gedroht habe. Grund seien falsche Prüfberichte zu "mobilen Zaunelementen" gewesen, berichtete das Nachrichtenmagazin "Focus" am Samstag.

In einem Schreiben an Lopavent hieß es demnach, die Zäune könnten "zu Stolperfallen" werden. Ferner monierten die Bauaufseher das Fehlen eines Sachverständigenreports über die Sicherheit der gesamten Veranstaltungsfläche.

Das Papier ging "Focus" zufolge als Kopie an Sauerlands Büro. Dieser habe nach der Katastrophe behauptet, nichts von diesen Problemen gewusst zu haben.

Der Oberbürgermeister wies am Samstag die Darstellung des Magazins scharf zurück. Nach seinen Angaben ist das von "Focus" zitierte Schreiben in den Zwischenbericht eingeflossen, den die Stadt am 3. August dem Innenausschuss des Landtages und der Staatsanwaltschaft vorgelegt hat. Daher stelle es kein neues Dokument dar.

In dem Zwischenbericht heißt es auf Seite 20 dazu: "14. Juli 2010, Die Bauaufsicht aktualisiert die Nachforderungsliste für die fehlenden Unterlagen zum Bauantrag. Nach wie vor fehlen Personenstromanalyse, Brandschutzkonzept und weitere Unterlagen, die in dem insgesamt 6-seitigen Schreiben aufgeführt werden."

Im Zwischenbericht wird auf Seite 21 mit dem Datum 19. Juli 2010 vermerkt: "Der Veranstalter legt die nachgeforderten und fehlenden Bauantragsunterlagen vor..." Diese Unterlagen seien sowohl dem Innenausschuss als auch der Staatsanwaltschaft bekannt. Nach Angaben von Sauerland dokumentiert der Schriftverkehr den von ihm mehrfach erwähnten Arbeitsprozess in der Verwaltung zur Genehmigungserteilung. Dabei habe die Verwaltung immer nachdrücklich auf die Einhaltung der von ihr formulierten Auflagen bestanden.

Quelle: top/apd/ddp/born

 
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