Loveparade: Schatten gegen das Vergessen
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 25.01.2011 - 09:58Ein halbes Jahr nach der Katastrophe bei der Loveparade erinnern seit gestern graue Schatten im Karl-Lehr-Tunnel an die Tragödie. Der Duisburger Künstler Lukas Loss hat sie entworfen und bringt sie in Kleinarbeit auf die Wände auf.
Kerzen brennen nicht mehr im düsteren Karl-Lehr-Tunnel. Die Blumen sind verwelkt. Ein halbes Jahr ist es her, als auf der Zugangsrampe zum Festivalgelände eine Massenpanik ausbrach. 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt. Graue Schatten erinnern seit gestern in der Unterführung an die Toten und Verletzten. „Es sind Silhouetten gegen das Vergessen“, sagt Künstler Lukas Loss (in der Pressemitteilung wird der Name Lukas Loll angegeben), der das Projekt initiiert. „Die Umrisse sollen den Eindruck erwecken, als würde sich die Menschenmasse, die sich am 24. Juli durch den Tunnel zwängte, noch immer dort befinden.“
Keine Kreide, keine Farbe
Gemeinsam mit den nach der Loveparade gegründeten Bündnissen „Never Forget“ und „Duisburg 21 – suchet der Stadt bestes“ hat der 24-jährige Duisburger Künstler Schatten auf die Tunnelwände aufgetragen. Mehr als 1500 Abbilder sollen es am Ende sein. Pro Schatten benötigen die etwa 60 freiwilligen Helfer, die sich an der Aktion beteiligen, rund zehn Minuten. Dabei wird keine Farbe oder Kreide verwendet beziehungsweise auf die Steinwände aufgetragen. „Wir beschädigen nichts mit unserer Aktion. Keine Fuge. Keine Bausubstanz“, erklärt Georg Berner (54). „Stattdessen reinigen wir die Wände.“ Stadt und Polizei seien informiert.
Tatsächlich sind die grauen Umrisse sind nicht mehr als mit Hilfe von Drahtbürsten gereinigte Stellen an den ansonsten von Autoabgasen und Ruß völlig verschmutzten Tunnelwänden. Dafür haben die Akteure eigens angefertigte Schablonen aus Holz für die Schatten angefertigt. „Die haben wir an die Mauer gehalten und dann einfach den Dreck abgekratzt“, sagt Loss. Herausgekommen sind die beklemmend wirkenden hellen Schatten. Wegen der giftigen Dämpfe, die beim Abkratzen entstehen, tragen alle Mundschutz.
Die Idee für das Mahnmal ist dem 24-Jährigen drei Tage nach der Katastrophe gekommen, als er den Unglücksort besuchte. In der Erde fand er noch Fuß- und Schleifspuren. „Diese Spuren habe ich jetzt an die Wände geworfen – nur als ganze Körper eben.“ Angst, dass Vandalen die Schatten beschmieren, hat Loss nicht. „Sie sollen möglichst lange an das unvorstellbare Grauen erinnern, das sich an diesem verdammten Julitag dort abspielte“, wünscht er sich.
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