Duisburg: Schelte und Lob
VON CHRISTIAN STEINBRINK - zuletzt aktualisiert: 11.01.2010Duisburg (RPO). Neujahrsempfänge: Beim CDU-Ortsverband Duisburg-Zentrum übte Stadtkämmerer Dr. Peter Langer Kritik an Bund, Land und Bankmanagern, beim "Neudorfer Empfang 2010" wurden engagierte Bürger geehrt.
Unter einem ernsten Thema lud der CDU-Ortsverband Duisburg-Zentrum am Freitagabend zum Neujahrsempfang in die Cubus Kunsthalle ein. Stadtkämmerer Dr. Peter Langner hielt einen Vortrag über die nach wie vor bedenkliche finanzielle Situation des Kommune und sparte nicht mit Kritik an Parteifreunden in Land und Bund.
Dieser Tage finden alles andere als wenige Neujahrsempfänge in Duisburg statt. Vielleicht war das ein Grund für den CDU-Ortsverband Duisburg-Zentrum um seinen Vorsitzenden Gerd Suchi, seine Veranstaltung zum Jahreswechsel nicht rein unter das Motto der Geselligkeit zu stellen. Neben einem Imbiss und einer Elvis Presley-Imitation anlässlich des 75. Geburtstages des "King of Rock'n'Roll" war nämlich Kämmerer Dr. Peter Langner geladen, um einen Einblick in die tatsächliche finanzielle Situation der Stadt zu geben. Langner nahm bei seinen Ausführungen kein Blatt vor den Mund. Einleitend erinnerte er an die durchaus dramatische Demonstration der Oberbürgermeister und Kämmerer des Ruhrgebiets im Dezember vor dem Düsseldorfer Landtag, die deutlich machte, dass die finanzielle Not mittlerweile wirklich alle Städte im Ruhrgebiet betrifft. Nicht zuletzt durch die seit Herbst 2008 anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise sind die Gewerbesteuereinnahmen Duisburgs auf bedenkliche 100 Millionen Euro gefallen, auf ein Niveau von 1984, bei ungleich gestiegenen Kosten. Langner nannte die daraus resultierende Verschuldung rechts- und sittenwidrig, sie hat in dieser Stadt mittlerweile ein Volumen von anderthalb Milliarden Euro erreicht. Gleichzeitig nannte er Kostenposten, die von Bund und Land auf die Kommunen abgewälzt worden waren. Als besonders ärgerlich bezeichnete er die bis 2018 verlängerten kommunalen Beitrag für die Finanzierung der deutschen Einheit. Mit scharfer Kritik bedachte Langner auch die Banken und ihr Finanzgebaren, das Rettungspakete in Milliardenhöhe nötig machte. Abschließend verdeutlichte er die Bedeutung des kommunalen Kampfes um solide Stadtfinanzen. Es ginge darum, handlungsfähig zu bleiben und sich einen Gestaltungsspielraum zu bewahren. Die finanziellen Rahmenbedingungen dafür seien in Duisburg nach wie vor unsicher.
"Neudorfer Ehrentafeln"
Im Rahmen seines "Neudorfer Empfangs 2010" ehrte der Bürgerverein Duisburg-Neudorf gestern engagierte Bewohner des Stadtteils mit seiner "Neudorfer Ehrentafel". Der ebenfalls bedachte Journalist und Schriftsteller Günter Wallraff konnte seinen Preis nicht persönlich entgegennehmen.
Der Bürgerverein Duisburg-Neudorf hat es sich zur Aufgabe gemacht, ehrenamtliche Hilfe für Kinder und Jugendliche, aber auch behinderte und alte Menschen zu unterstützen. Im Rahmen ihres Neujahrsempfangs im Seehaus Wedau am Bertasee ehrte der Verein zum wiederholten Male Bürger, die sich mit besonderen Projekten und langjähriger Arbeit um das soziale Leben im Stadtteil verdient gemacht haben. Darunter war, für viele überraschend, der Journalist Günter Wallraff, der, inspiriert durch die Recherche für seinen Bestseller "Ganz unten", Ende der 1980er Jahre ein Wohnprojekt an der Flurstraße initiiert und begleitet hatte. Wallraff wurde durch den Chefredakteur von "Studio 47", Sascha Devigne, geehrt und wird den Preis im Rahmen einer Lesung Ende Februar nachträglich erhalten. Für ihre soziale Tätigkeit als Geschäftsführerin des Vereins Regenbogen und den CAP-Markt, in dem seelisch kranke Menschen und Menschen mit anderen Handicaps integrativ Beschäftigung finden, bekam Elisabeth Hofmann ebenfalls die Ehrentafel und zwar aus den Händen der SPD-Bundestagsabgeordneten Bärbel Bas.
Als dritte Person wurde Erwin Eichholz, langjähriger Vorsitzender des Verbandes der Duisburger Kleingartenvereine, vom Umweltdezernenten und Stadtdirektor Dr. Peter Greulich geehrt.
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