Duisburg: Schimi im Pantheon
zuletzt aktualisiert: 17.07.2008 - 09:12Wenn Schauspieler Götz George am 23. Juli 70 Jahre alt wird, dann ist "sein" Fernseh-Ermittler Horst Schimanski am Sonntag noch einmal im Einsatz: "Schicht im Schacht" heißt der 44. Fall des ruppigen Polizisten, mit dem Duisburg mittlerweile ihren Frieden gemacht hat.
Auf seine alten Tage hin hat es die Kult-Figur "Schimmi" in Duisburg zu ungewöhnlichen Ehren gebracht: Auf der Internetseite der Stadt ist Horst Schimanski inzwischen unter den wichtigsten Persönlichkeiten der Stadt aufgeführt - und damit geadelt in direkter Nachbarschaft unter anderem mit dem Industriellen August Thyssen, der Fußballtorwart-Legende Toni Turek und dem Kartographen Gerhard Mercator.
"Als vielleicht letzte Filmfigur durchlebte Schimanski/George vor Ort das Ende der ehemaligen Industriestadt, mit ihren Schloten, Kränen und heruntergekommenen Ecken", heißt es da lobend über den Ermittler, mit dem die Stadt gleichwohl nicht immer rundum glücklich war. Deshalb wird die Huldigung auch mit Hinweis auf die "breite Empörung über die Darstellung des verzerrten Stadt-Images" zugleich eingeschränkt. Vor allem die Filme der eigenständigen "Schimanski"-Reihe, die 1997 sechs Jahre nach dem letzten "Tatort" mit "Schimmi" aufgelegt wurde, sorgten immer wieder für Kritik.
Insbesondere über die 1999 gezeigte Folge "Rattennest" waren die Stadtoberen so empört, dass daraus fast eine Provinzposse wurde. Die Geschichte um Junkies und Prostitution, garniert mit Bildern von Ratten und brennenden Mülltonnen, ließ die Duisburger CDU im Stadtrat fordern, dass im Abspann der Filme nicht länger der Stadt Duisburg für ihre "freundliche Unterstützung" gedankt werde. "Wir sind doch nicht der Arsch der Nation", polterte Bürgermeister Heinz Pletziger. Auch die SPD-Fraktion sprach von einem "schlimmen Film".
Doch schon bei der Premiere der ersten "Tatort"-Folge mit Schimanski, 1981, gab es helle Aufregung über den Mann, der mit Sätzen wie "Du Idiot, hör auf mit der Scheiße" und einem sichtbar unsteten Lebenswandel keinen größeren Kontrast zu seinem bedächtigen Essener Vorgänger Heinz Haferkamp (Hansjörg Felmy) bilden konnte. "Der Ruhrpott kocht: Sind wir alle Mörder oder Trinker?" fragte die "Bild am Sonntag", während die "Neue Ruhr Zeitung" forderte: "Werft den Prügel-Kommissar aus dem Programm!"
"Schimanski war immer ein Proll mit Hang zur Spießigkeit und Romantik", hat George die Figur selbst einmal beschrieben. Doch die Duisburger merkten bald, wie ihre Stadt durch den polarisierenden, weil unkonventionellen Ermittler bundesweit Profil bekam. So wurde der Rüpelpolizist schließlich ein so starker Sympathieträger, dass die Duisburger Juso-Hochschulgruppe 1992 sogar vorschlug, die damals noch namenlose Gesamthochschule nach Horst Schimanski zu benennen - woraus dann aber doch nichts wurde.
Bei der Duisburger Polizei dagegen hielt sich die Aufregung über den unkonventionellen Kommissar stets in Grenzen. "Schimanski hat nicht am Image der Polizei gerüttelt und zu keinem Ansehensverlust geführt", zeigt sich Sprecher Reinhard Pape überzeugt. Die Figur Schimanski sei zwar vor allem in den "Tatort"-Folgen "sehr nah" an der Bevölkerung dran gewesen, aber als Polizist "völlig irreal", was den Zuschauern auch immer klar gewesen sei.
Ein Kommissar, der mit beschuldigten Frauen schlafe, wäre "für den Dienst nicht tragbar", erinnert Pape an ein besonders ausgefallenes Beispiel für Schimanskis Ermittlerarbeit. Und selbst wenn sich ein realer "Schimmi" in den Polizeidienst eingeschlichen hätte, wäre dessen Karriere wohl nur von kurzer Dauer gewesen, versichert Pape: "Die vielen beamten- und strafrechtlichen Verstöße hätten schnell zu einer Entlassung geführt."
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