Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland: Schneider: "Gott ist bei all denen, die Trauer tragen"
VON PRÄSES NIKOLAUS SCHNEIDER - zuletzt aktualisiert: 27.07.2010 - 13:19Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (RPO). Für die Todesopfer und Verletzten, für die Besucher, Helfer, Polizisten, Feuerwehrleute und auch die anderen von der Loveparade Betroffenen wird es am Samstag in Duisburg eine zentrale Gedenkfeier geben. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nicolaus Schneider, wird ebenfalls an der Trauerfeier teilnehmen. Im Vorfeld äußert er sein tiefes Mitgefühl mit allen Betroffenen.
"Das Wirken Gottes in meinem Leben konkret zu erkennen und zu deuten, das ist nicht leicht. Gottes Wirken bei der Loveparade am vergangenen Samstag in meiner Heimatstadt Duisburg in einzelnen Ereignissen zu entdecken und theologisch zu deuten, das ist mir unmöglich.
20 junge Menschen sind tot, mehr als 500 verletzt. Ungezählt sind die seelischen Verletzungen bei Teilnehmenden, bei Angehörigen, bei Einsatzkräften und bei den Verantwortlichen. Mein Glaube und meine theologische Überzeugung verbieten es mir, in diesem Unglück einen Fingerzeig Gottes gegen die Loveparade zu sehen, gegen die Stadt als Ort der Großveranstaltung und gegen die Organisatoren. Und schon gar nicht kann ich die Todesfälle als göttliche Bestrafung für Teilnehmer verstehen.
'Meint ihr, dass die 18, auf die der Turm in Siloah fiel und erschlug sie, schuldiger gewesen sind als alle anderen Menschen, die in Jerusalem wohnen? Ich sage euch: nein!", spricht Jesus (Lukas 13,4 f.) und fordert alle Menschen auf, ihr Leben neu zu überdenken und auszurichten an Gottes lebendigem Wort.
Wo aber war Gott in Duisburg? War es Gott-verlassen, dieses Gelände des alten Güterbahnhofs? Bei allem Erschrecken und Fragen bin ich ganz gewiss: Gott hatte die Menschen nicht verlassen, die in der Massenpanik um ihr Leben gefürchtet und gekämpft haben. Er war auch bei denen, die ihr Leben verloren haben. Und Gott ist jetzt bei all denen, die Trauer tragen um geliebte Menschen. Er wird auch die nicht verlassen, die Fehler gemacht haben bei ihrem Planen und Entscheiden; und auch die lässt er nicht allein, die in ihrer Panik kopflos wurden, weil sie nur noch ihr Leben retten wollten.
Und Gott wird auch uns festhalten, deren Herzen jetzt so voll sind von Fragen und Zweifeln gegenüber Gottes Wirken am letzten Samstag in Duisburg. Ist er doch "nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben' (Psalm 34,19)."
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