Duisburg: Scholl-Latour: "Schweiz bekommt Ärger"
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 03.12.2009 - 18:38Der renommierte und weltweit anerkannte Nahost- und Islamexperte Peter Scholl-Latour hat am Donnerstag am Campus Duisburg der Universität Duisburg-Essen vor rund 1000 Interessierten seinen Antrittsvortrag gehalten zum Thema Krieg in Afghanistan. Der 85-Jährige, der in Bochum geboren wurde, ist davon überzeugt, dass der „Westen” den Krieg am Hindukusch nicht gewinnen kann.
Er wirkt gelassen. Sein Gesicht ist leicht gerötet, die Augen sind ein wenig unterlaufen, der Blick ist immer noch entschlossen. Mit mittlerweile 85 Jahren hat der scheinbar nimmermüde Tausendsassa Peter Scholl-Latour nichts von seiner Bissigkeit verloren. Noch immer reist der ausgewiesene und von allen Seiten hochgeschätzte Islam-Experte von einem Krisenherd der Welt zum nächsten, schreibt ein Buch nach dem anderen.
Nicht eine Sekunde habe er gezögert, als Ulrich Radtke, Direktor der Universität Duisburg-Essen, ihn fragte, ob er in diesem Jahr die Mercator-Professur annehmen würde. „Das ist eine große Ehre für mich”, meinte Scholl-Latour am Nachmittag im Pressegespräch anlässlich seines Antrittsvortrages „Siegen in Afghanistan?” am Campus Duisburg. Der Andrang war so groß, dass viele Besucher draußen bleiben mussten. Der gefragte Nahostexperte, der in Bochum geboren wurde und deswegen eine enge Beziehung zum Ruhrgebiet hat, ist überzeugt, dass der Krieg am Hindukusch vom „Westen” nicht gewonnen werden kann.
Aber das sei auch nicht weiter wichtig. „Afghanistan ist eh nur ein Nebenkriegsschauplatz.” Mit großer Sorge verfolgt er die Entwicklung im afghanischen Nachbarstaat Pakistan, wo sich zurzeit die Armee mit den Terroristen heftige Schlachten liefern. „Die Pakistaner sind unberechenbarer und gefährlicher als die Afghanen.”
Zum Schweizer Verbot vom Neubau von Minaretten hat der 85-Jährige eine zweigeteilte Meinung. „Ich bin mir sicher, dass die Schweiz deswegen heftigen Ärger mit der arabischen Welt bekommen wird.” Dennoch müsse auch gesagt werden, dass viele islamische Staaten bis heute Christen und Andersgläubige diskriminieren und verfolgen würden.
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