Duisburg: Selbstbewusste Melancholie
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 09.02.2010Duisburg (RPO). Im jüngsten, dritten Duisburger Kammerkonzert in der Mercatorhalle begeisterten wieder einmal die deutsch-griechische Sängerin Stella Doufexis (Mezzosopran), Pauline Sachse (Viola) und Markus Hadulla (Klavier) mit einem exquisiten Programm.
Stella Doufexis war wieder in der Stadt. Die deutsch-griechische Ausnahme-Mezzosopranistin hatte zum jüngsten, dritten Duisburger Kammerkonzert dieser Saison in die leider kaum gefüllte Philharmonie Mercatorhalle wieder ihre bewährten Mitstreiter Pauline Sachse (Viola) und Markus Hadulla (Klavier) mitgebracht, wie schon vor gut zwei Jahren zum Musikpreisträgerkonzert für ihren Lehrer Dietrich Fischer-Dieskau (die RP berichtete). Und ein exquisites Programm für diese erlesene Besetzung.
Sechs sanfte Lieder
Den Rahmen des Abends bildeten insgesamt sechs sanfte Lieder für Mezzosopran, Viola und Klavier von dem zu Unrecht fast vergessenen deutsch-französisch-amerikanischen Komponisten Charles Martin Loeffler (1861-1935). Die Texte stammten von Charles Baudelaire und Paul Verlaine, darunter waren Baudelaires bekannte "Harmonie du soir" ("Harmonie des Abends") und Verlaines sarkastische "Sérénade". Loefflers Musik lässt sich mit der seines prominenten Kollegen und guten Freundes Gabriel Fauré vergleichen.
Nächstes Konzert
Im nächsten, vierten Kammerkonzert am Sonntag, 25. April, um 19 Uhr, in der Philharmonie Mercatorhalle spielen "Artist in Residence" Susanna Yoko Henkel (Violine) und Itamar Golan (Klavier) Werke von Igor Strawinsky (Suite italienne), Sergej Prokofjew (Sonate Nr. 2 D-Dur op. 94a) und Ludwig van Beethoven (Sonate A-Dur op. 47 "Kreutzer-Sonate"). Kartenvorbestellung unter Tel. 0203 / 3009-100.
Gestillte Sehnsucht von Brahms
Ein zweiter, englischer Werkblock rahmte klug das Meisterwerk "Lachrymae" op. 48 (1950) für Viola und Klavier von Benjamin Britten ein: Zuvor gab es "If my complaints could passions move" von John Dowland, also jenes Lied des Renaissancemeisters, über das (oder genauer gesagt zu dem hin) Benjamin Britten seine "Reflections" komponiert hatte (außerdem zitierte er darin Dowlands noch bekannteres "Flow my tears"). Danach drei sehnsüchtige Trio-Lieder von Brittens verehrtem Lehrer Frank Bridge.
Schließlich war auch Franz Liszt vertreten, mit zwei relativ geläufigen seiner etwa 60 Klavier-Lieder, nämlich den Victor-Hugo-Vertonungen "S'il est un charmant gazon" (der Dichter-Komponist Peter Cornelius aus dem engsten Liszt-Kreis lieferte dazu die singbare Übersetzung "Gibt es wo einen Rasen grün") und "Oh! Quand je dors" (Cornelius: "Komm im Traum") sowie die "Romance oubliée" für Viola und Klavier. Als Zugabe durfte die Mutter aller Lieder für Mezzosopran, Viola und Klavier nicht fehlen: "Gestillte Sehnsucht" op. 91 Nr. 1 von Johannes Brahms.
Stella Doufexis ist ein Wellness-Mezzo, zum Glück nicht ohne künstlerische Ecken und Kanten. Ihre still leuchtende Perfektion passte zusammen mit der leidenschaftlichen Klarheit der jungen, aber schon ganz oben angekommen Bratschistin und der unauffälligen Kammermusik des Pianisten perfekt zu jener selbstbewussten Melancholie, die als der stimmungsmäßige rote Faden dieses Kammerkonzerts erschien. Kulturhauptstadt-Niveau.
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