Duisburg: Sensation im Rio Negro
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 15.05.2008Duisburg (RPO). Der Tierpark am Kaiserberg ist in zwölf Reviere unterteilt. Auch das Aquarium mit seiner Tropenanlage „Rio Negro“ bildet ein Revier, für dessen Funktionieren besonders ausgebildete Tierpfleger und eine Maschinenhalle sorgen.
Ulrich Kluckner besitzt einen Tauchschein. Mit allem drum und dran. Den braucht er für seinen Beruf als Tierpfleger. Ulrich Kluckner ist nämlich fürs Aquarium im Duisburger Zoo zuständig. Und da heißt es immer wieder: Rein ins Wasserbecken, um sauber zu machen, Reparaturen durchzuführen oder auch mal einen verstorbenen Fisch einzusammeln.
Das Aquarium ist im Duisburger Zoo eine Art Traditonseinrichtung. Von Anfang an, also seit fast 75 Jahren, stand ein solches Gebäude am Kaiserberg. Natürlich ist heute im Aquarium alles viel schöner als vor Jahrzehnten.
Jetzt kann man Fische in Korallenriffen schwimmen sehen, man kann Anemonenfische, die mit einem Giftstachel ausgestatteten Rotfeuerfische, Muränen, Putzerfische oder auch den Igelfisch beobachten, der sich aufblasen kann und dann wie ein stacheliger Igel aussieht.
Viel Technik
Spezielle Filteranlagen sorgen in einer Halle, die groß genug ist, um ein Turnier an vier Tischtennisplatten auszutragen, für beste Süßwasserqualität bei konstanten 28 Grad Celsius. Anders als bei Schwimmbädern für Menschen kann man hier natürlich nicht mit Chemikalien wie Chlor arbeiten, sondern muss das Wasser mit Delfin-verträglichen biologischen Mitteln sauber halten. Auch in der Maschinenhalle muss sich Tierpfleger Ulrich Kluckner auskennen.
Ulrich Kluckner kennt so manchen Fisch von seinem ersten Arbeitstag an. Und der war vor 33 Jahren! Dazu gehören beispielsweise größere Welse oder südamerikanische Pacu, die 50 Jahre alt werden können, oder auch der australische Lungenfisch, der unter Umständen 70 Lenze erreicht. Kluckner mag auch die etwa zwei Meter langen Stumpfkrokodile, die durchaus nicht immer so „stumpf“ im Wasser liegen.
Schließlich sind diese Reptilien von Natur aus „Lauerer“, die blitzschnell beim Beutefang zuschnappen können. Spaß macht Kluckner der – respektvolle – Umgang mit den Krokodilen, weil er davon ausgehen kann, dass diese ihn als Pfleger erkennen und von anderen Zoobesuchern unterscheiden können. Zoologen glauben heute, dass Krokodile intelligenter sind, als man vor Jahrzehnten dachte.
Schon 34 Jahre alt
Zum Aquarium gehört die im September 2005 eröffnete Tropenanlage Rio Negro, ein spektakulärer Bau, in dem man entlang einer 18 Meter breiten und zweieinhalb Meter hohen Acrylscheibe eine Sensation besichtigen kann: einen Amazonas-Delfin. Dieser Süßwasserdelfin ist vermutlich der einzige, der außerhalb Südamerikas lebt.
Bis zum Oktober 2006 besaß der Duisburger Zoo sogar zwei dieser Säugetiere. Der andere, mit Namen „Vater“ starb im Alter von schätzungsweise 50 Jahren. Auch das Exemplar, das jetzt munter durch 680 000 Liter Wasser schwimmt, ist schon 34 Jahre alt. In zoologischen Fachbüchern geht man von einem Höchstalter von 30 Jahren in freier Wildbahn aus.
Es macht Spaß, dem Duisburger Flussdelfin, dessen rosa Färbung nur beim Auftauchen sichtbar wird (durch die Scheibe sieht er im Wasser gräulich aus), zuzusehen. „Baby“, so sein Name, nimmt mit seiner spitzen Schnauze kleine Zweige vom Beckenboden auf, spielt auch mal mit anderen Gegenständen und „flirtet“ ein wenig mit Tierpfleger Ulrich Kluckner. Entweder passiert das per behutsamen Körperkontakt bei dessen Tauchgängen oder auch mal per Blick- und Klopfkontakt durch die dicke Scheibe.
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