Duisburg: Sexualstraftäter soll Zehnjährige gewürgt haben
VON CLEMENS HENLE UND MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 29.11.2010 - 20:00Duisburg (RPO). Bei den Bürgern ist die Empörung groß und es herrscht Unverständnis, wie es zu dem Überfall auf ein zehnjähriges Mädchen in Homberg kommen konnte.
Sabrina von der Heide, Betreuerin der Grundschule Kirchstraße, die selbst Kinder hat, ist fassungslos. „Das können sie doch nicht machen, genau gegenüber einer Schule einen Sexualstraftäter wohnen zu lassen. Ich wusste nur aus der Zeitung, dass der hier her ziehen soll. Ich wusste aber nicht, dass er schon hier war.“ Sie sei zuvor nicht informiert worden.
Am 18. November war Ricardo K. aus der Justizvollzugsanstalt in Werl entlassen worden. Seitdem lebte er in der Wohnung von Verwandten an der Kirchstraße in Homberg. Am späten Sonntagnachmittag hatte der 47-Jährige ein zehnjähriges Mädchen auf der Kirchstraße in Homberg angesprochen und festgehalten. Als er das Kind zu würgen begann, konnte sich die Zehnjährige losreißen und entkommen.
Die Stadt Duisburg will nach dem Vorfall in Homberg auf ein Gespräch mit den Justizbehörden drängen. Denn im Vorfeld war sie weder von Polizei, noch Gericht oder Staatsanwaltschaft über die Freilassung und den neuen Wohnort des Täters informiert worden, weil dies auch aus Gründen der Resozialisierung nicht vorgesehen ist.
Das Mädchen blieb unverletzt. Sie offenbarte sich ihren Eltern, die die Polizei verständigten. Die nahm den 47-jährigen Mann am Sonntag gegen 18 Uhr in der Nähe des Tatortes fest. Montag erließ die zuständige Richterin des Amtsgerichts Duisburg einen Haftbefehl. Der Vorwurf: versuchte Freiheitsentziehung und versuchter sexueller Missbrauch von Kindern.
Für die Koordinierung der Überwachung sind Beamte des Duisburger Polizeipräsidiums zuständig. Bis zu 24 Polizeibeamte waren zunächst eingesetzt, um den 47-Jährigen permanent zu überwachen. Untersuchungen zufolge sind Rückfälle bei Sexualstraftätern in den ersten acht bis zehn Tagen am häufigsten.
Vielleicht wurde die Observation deshalb so schnell wieder aufgegeben. Zuvor hatte der Sexualtäter der Polizei signalisiert, dass er sich kooperativ verhalten werde. Er musste sich daraufhin lediglich täglich bei der Polizei und seinem Bewährungshelfer melden. Der Fall hat die Menschen in Homberg schockiert.
Angela Kluge (26) hat selbst eine fünfjährige Tochter und sagt: „Ich habe in der Zeitung gelesen, dass ein Sexualstraftäter nach Homberg ziehen soll. Das war heftig, davon zu erfahren. Gut, dass es jetzt ausgestanden ist. Hier sind eine Schule und ein Kindergarten in der Nähe, das ist eine sehr kinderreiche Gegend.“
„Tickende Zeitbomben“
„Auch wenn Politiker es nicht glauben können, die Zeit drängt. Die Polizei kann diese tickenden Zeitbomben unmöglich rund um die Uhr bewachen, deshalb müssen jetzt dringend die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die sogenannten Altfälle wieder in staatliche Verwahrung kommen“, erklärte gestern der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Der Homberger Sexualtäter ist wieder hinter Schloss und Riegel.
Doch in Rheinhausen soll inzwischen bereits der nächste freigelassene Sexualtäter wohnen. Und ein weiterer soll bereits den Wunsch geäußert haben, nach seiner Freilassung nach Duisburg zu ziehen.
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