Duisburg: Sinnkrisen und Intrigen
VON SONJA BROWATZKI - zuletzt aktualisiert: 03.04.2007Duisburg (RPO). „Auf Enthüllungen!“, stießen die drei Darsteller des Stückes „EGO-Drei auf der Couch“ in der Glückauf-Halle mehrmals an. Getreu diesem Vorsatz wurde mit unangenehmen Wahrheiten, welche immer wieder neue Wendungen in die Handlung brachten, im Verlauf der Veranstaltung nicht gespart.
Das Stück von Carl Djerassi beschreibt die Sinnkrise des Bestseller-Autors Stephen Marx (Uwe Friedrichsen), der sich nach der Art Ruhm sehnt, den man erst nach dem eigenen Ableben erlangt. Das Problem ist nur, dass er natürlich erfahren will, was in seinen Nachrufen steht und wie Kritiker seine Werke nun, vor dem Hintergrund seines Todes, bewerten. Der einzige Mensch dem er seinen Plan – einen fingierten Unfalltod zu erleiden – mitteilt, ist der Therapeut Dr. Theodore Hofmann (Ralf Weikinger). Als Stephen trotz Abraten von Dr. Hofmann sein Ableben vortäuscht und plötzlich Stephens Witwe Miriam Marx (Claudia Buser) in der Praxis des Therapeuten auftaucht, um von ihm Informationen zum Tod ihres Mannes zu erschmeicheln, gerät das gut durchdachte Lügengerüst allerdings ins Wanken. Aus Rache für sein Verschwinden veröffentlicht Miriam ein versehentlich im heimischen Computer vergessenes Manuskript, welches eigentlich für Stephens Neuanfang unter einem anderen Namen gedacht gewesen war. Eine Rückkehr als Schriftsteller scheint durch die Intrige unmöglich.
Die komplette Inszenierung spielt ausschließlich in den Praxisräumen von Dr. Hofmann, und doch wird durch die starken Charaktere der Darsteller jedes Mal ein anderes Bild geboten. Die Art wie die Schauspieler untereinander agierten und die innere Unsicherheit der verschiedenen Personen zeigten, regte zum Nachdenken an. Wie stark sind wir selbst von den Urteilen unserer Kritiker abhängig, positiv wie negativ? Woran messen wir persönlichen Erfolg oder Versagen? Der Zwiespalt, der in Stephen Marx Persönlichkeit zerreißt, ist allgegenwärtig. Kritisiert wird oft, viel und gerne. Der von Stephen gewählte Weg ist umstritten, aber wie Regisseurin Petra Dannenhöfer sagt: „Djerassi hat ein kritisches Buch geschrieben über ‘Egomanen‘, die wir alle sind. Ja, wer wäre nicht gerne mal ein anderer, wer ließe nicht gerne mal alles hinter sich?“
Nach der Veranstaltung wurde die starke Leistung der drei Darsteller gewürdigt und beim anschließenden Künstlerempfang gemeinsam mit Uwe Friedrichsen der Abend beendet.
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