Duisburg: Sparen bei Kindern und Jugend
VON HILDEGARD CHUDOBBA - zuletzt aktualisiert: 29.01.2010Duisburg (RPO). Experten fürchten, dass der Sparkurs der Stadt für jedes dritte Jugendzentrum das Aus bedeutet. Bei der Kindergärten steht den Eltern wieder eine Beitragserhöhung ins Haus.
Zu welchen gewalttätigen Ausfällen gelangweilte Jugendliche fähig sind, zeigt am Mittwochabend ein Film mit Götz George in der ARD. Noch gibt es eine derartige Milieubeschreibung wie aus Berlin in Duisburg nicht. Noch nicht. Aber die anstehenden Sparmaßnahmen im städischen Haushalt im Bereich Jugendhilfe könnten die Lage durchaus verändern.
Während die Kulturszene bereits mächtig gegen die Kürzungen und Streichungen wettert, hat sich bislang in Duisburg lediglich der BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) ausführlich geäußert und besorgt darauf hingeweisen, welche Konsequenzen drohen, wenn es aus dem Geldhahn der Verbände allenfalls nur noch tröpfelt.
Pauschale Festschreibung
Vielleicht ist die scheinbare Ruhe an der Front auch nur darauf zurückzuführen, dass in dem Sparprogramm der Stadt lediglich die pauschale Feststellung formuliert ist, die städtische Kinder- und Jugendarbeit sowie die der freien Träger in diesem Jahr etwa um zehn, im nächsten und den folgenden um etwa 30 Prozent billiger zu machen. Heraus kommen soll eine Sparsumme von rund drei Millionen Euro.
Bei dieser Größenordnung stellt sich weniger die Frage, wie gespart werden soll als die, was noch bleibt. Experten in der Stadt gehen davon aus, dass mindestens jedes dritte Jugendzentrum wohl wird schließen, Freizeit- und Ferienangebote für Kinder und Heranwachsende bis gegen Null zurückgefahren werden müssen. Gibt es heute in nahezu allen städtischen Jugendzentren und auch in den Treffs der privaten Angebote, die Aggressionen bei Jugendlichen abbauen helfen und vorbeugend eingesetzt werden, könnte dieses Angebot auf der Strecke bleiben. Was tatsächlich passieren wird, das entscheiden die Ratsfraktionen, die den Sparkurs beschließen.
Sparen bei Erziehungshilfe
Fast fünf MIllionen Einsparung sind vorsichtig kalkuliert im Bereich der Erziehungshilfe vorgesehen. Unter anderem ist davon der so genannte Allgemeine soziale Dienste (AsD) betroffen, in dem derzeit 114 Mitarbetier tätig sind. Geänderte Arbeitsstrukturen sollen zu Einsparungen führen. Die Mitarbeiter dort gehen in die Problem-Familien, schauen genau hin, wo möglicherweise Kinder misshandelt oder vernachlässigt werden. Sie gehen Anrufen nach, wenn sich jemand um die Nachbarkinder sorgt, weil er deren Eltern oft betrunken sieht oder Weinen aus der Wohnung hört. Sie helfen überforderten Eltern, ihren Familienalltag zu strukturieren und mit oft nur kleinem Haushaltsbudget auszukommen.
Obwohl der Bedarf im strukturschwachen Duisburg sehr hoch ist, erwartet die Bezirksregierung, dass die Fallzahlen um ein Viertel gesenkt werden sollen, fast so, als handele es sich dabei um eine Ware, die man abbestellen kann.
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