Duisburg: SPD mit Taschenspielertricks
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 20.09.2008Duisburg (RPO). Von heftigen innerparteilichen Turbulenzen war der SPD-Unterbezirksparteitag im Steinhof in Huckingen geprägt. Stein des Anstoßes war die Kampfkandidatur für das Bundestagsmandat im Süden. Bärbel Bas setzte sich durch.
Am Anfang hatte Parteichef Ralf Jäger noch das Ziel ausgegeben: Nach dem Parteitag sollte die Duisburger SPD geschlossen den Saal verlassen und den Wahlkampf aufnehmen. Dieses Ansinnen ging gründlich daneben. Petra Weis, Duisburger Bundestagsabgeordnete für den Duisburger Süden, nutzte ihre Vorstellung zu Kandidatur zu einer Abrechnung mit dem Vorstand. Sie monierte „offene und versteckte Angriffe“ gegen ihre Person. „Ich habe das Gefühl, dass man mich im Vorfeld mürbe machen wollte. Ich bin eine bürger- und volksnahe Abgeordnete – und das möchte ich gerne bleiben“, erklärte sie.
Ausdrücklich bescheinigte sie ihrer Gegenkandidat Bärbel Bas, stets fair aufgetreten zu sein. Die überraschende Konsequenz: Petra Weis zog ihre Kandidatur zunächst zurück. Bei der entscheidenden Wahlkreiskonferenz am 26. Februar wolle sie aber wieder antreten, sagte sie. Damit hatte sie sowohl den Vorstand als auch OB-Kandidat Jürgen C. Brandt sichtlich überrascht. Brandt warf ihr „Taschenspielertricks“ vor und sagte: „Damit legt sie die Axt an meine Kandidatur.“ Hagen Sattler (Rumeln-Kaldenhausen konterte am Rednerpult: „Der Unterbezirksvorstand ist selbst Meister der Taschenspielertricks.“ Ein Antrag auf Absetzung der Nominierung für die Kandidatur fand keine Mehrheit der Delegierten.
Kampfabstimmungen
Bei den Kandidaten für die Wahlkreise gab es vier Kampfabstimmungen. Dabei zog Jürgen Fritz (71 Stimmen) gegen Rainer Schütten (164) in Friemersheim deutlich den Kürzeren. Gegen ihre Gegenkandidaten setzten sich Stefanie Osthof (Ruhrort), Reiner Friedrich (Bergeheim-Ost / Rumeln) und Dieter Lieske (Wedau / Bissingheim) durch.
Warnung vor der Spaltung
Erst Alt-Ob Josef Krings schaffte es, Petra Weis zum Einlenken zu bewegen. „Das, was wir hier betreiben, ist das endgültige Versenken des SPD-Schiffs in Duisburg“, so Krings. Er warnte eindringlich vor einer „Spaltung des Parteitages“. Am Ende votierten 137 Delegierte für Bärbel Bas, 132 für Petra Weis. Es gab vier ungültige Stimmen.
Ralf Jäger und Jürgen C. Brandt hatten zuvor mehr den politischen Gegner aufs Korn genommen. Jäger bezeichnete OB Sauerland als „Frühstücksdirektor“. Die SPD habe die besseren Argumente und das bessere Personal, aber der Wahlsieg werde der Partei nicht in den Schoß fallen. Brandt erklärte, die Stadtspitze habe „eine Unmenge Fehler gemacht und die Arbeit eingestellt“. Dabei habe sie „fünf Todsünden“ begangen: Verschwendungssucht, Demokratieferne und Bürgerfeindlichkeit, soziale Kälte, „Ankündigungssucht“ sowie menschliche Rücksichtslosigkeit.
Als Bundestagskandidat für den Nordkreis wurde Hans Pflug bestätigt. Er war ohne Gegenkandidaten angetreten und erhielt 218 von 272 Stimmen. 41 Delegierte votierten mit Nein, 13 enthielten sich. Darüber hinaus wurden die Kandidaten für die Wahlkreise und die Reserveliste festgelegt. Das beste Ergebnis aller 37 Wahlkreis bekam Brandt mit 177 Ja- und drei Nein-Stimmen bei einer Enthaltung.
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