Duisburg: SPD verlor 52.370 Wählerstimmen
VON HILDEGARD CHUDOBBA - zuletzt aktualisiert: 29.09.2009Duisburg (RPO). Die Bundestagswahl war für die SPD ein Desaster. Die Gründe für den Absturz legen die Vermutung nahe, dass die Sozialdemokraten bei ihrem jetzigen politischen Kurs weitere Niederlagen befürchten müssen.
Gäbe es in Duisburg nicht noch treue alte Sozis, es sähe schlecht aus für die hiesige größte Partei. Denn lediglich in der Gruppe der über 60-Jährigen scheinen die Sozialdemokraten am Sonntag noch eine wirklich verlässliche Wählerschaft gehabt zu haben. Gestern legte das Duisburger Amt für Statistik seine Wahlanalyse vor, und da steht es schwarz auf weiß: Die SPD verbuchte in ihren eigenen Hochburgen mit einem Minus von fast 14 Prozent die deutlichsten Verluste.
Sie verlor im Vergleich bei den Jungwählern überdurchschnittlich. Sie musste herbe Einbußen in den Stadtteilen verkraften, in denen sie früher bei Bundestagswahlen besonders weit vorne lag, nämlich in Wohngebieten mit großen sozialen Problemen und hohem Migrantenanteil.
Unverkennbar habe die SPD ein Mobilisierungsproblem, das in Verbindung mit der sehr niedrigen Wahlbeteiligung zu einem desaströsen Ergebnis führte – fassen die Fachleute des Amtes für Statistik und Wahlen zusammen. Das Ergebnis bei den Zweitstimmen von 38,3 Prozent bedeutet für die Sozialdemokraten, dass sie 50 000 Stimmen verloren haben, bei den Erststimmen 52.370 (Vergleich 2005).
Dass der Einbruch unter anderem Folge der Agenda 2010-Politik ist, zeigt der hohe Stimmengewinn der Linken. Sie haben in Duisburg im Wahlkampf ganz deutlich auf eine Politik für sozial Benachteiligte gesetzt – und hatten Erfolg. In Marxloh beispielsweise holten sie in einem Wahllokal 30,9 Prozent und lagen damit hinter der SPD (43,6 Prozent) auf dem zweiten Platz (CDU: 14,5 Prozent). So, wie die Sozialdemokraten im Vergleich mit dem Landesergebnis überdurchschnittlich verloren, legten die Linken in Duisburg mit einem Plus von fast fünf Prozentpunkten deutlicher zu als ihre Partei im Land und im Bund (plus 3,2).
In sozialschwachen Stadtteilen bekam sie fast doppelt so viele Stimmen wie in Wohngebieten mit guten und sehr guten Strukturen. Und selbst ein Blick auf die Altersverteilung macht deutlich, dass die Sozialisten überall abgesahnt haben. Wären am Sonntag nicht Bundestags-, sondern Kommunalwahlen gewesen, die Linken wären mit ihrem Ergebnis drittstärkste Kraft im Stadtrat geworden.
Dass es dazu in Duisburg tatsächlich kommen könnte, würde Grüne und FDP wenig erfreuen. Denn die Linken haben nicht nur in ihren eigenen Hochburgen, sondern vor allem in denen der SPD erfolgreich gewildert und mehr Prozente eingefahren als bei der Bundestagswahl vor vier Jahren. Sie kommen auf eine Mobilisierungsquote von 153 Prozent, die FDP auf 114 Prozent (Wähler der CDU), die Grünen hingegen nur auf 78 Prozent.
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