Duisburg: Sprache ist Schlüssel zu allem
VON HILDEGARD CHUDOBBA - zuletzt aktualisiert: 29.01.2009Duisburg (RPO). Seit gestern ist das Integrationsprogramm der Stadt öffentlich. Auf fast 100 Seiten werden Maßnahmen aufgelistet, die dazu beitragen sollen, dass die Migranten nicht isoliert sind.
Das schlechte Abschneiden Duisburgs beim Thema Integration hat die Verantwortlichen in der Stadt wenig erfreut. Auch wegen des letzten Platzes im NRW-Vergleich, vielmehr aber, weil die Erkenntnisse auf Datenmaterial aus 2005 beruhen und damit genau aus dem Jahr, in dem die Duisburger Integrationsarbeit komplett neu aufgestellt wurde. Äußerlich erkennbar ist dies an der Tatsache, dass Duisburgs Integrationsbeauftragte Leyla Özmal direkt zum Dezernat des Oberbürgermeisters gehört, inhaltlich spiegelt sich die gestiegene Bedeutung in dem gestern vorgestellten Integrationsprogramm wider.
Auf fast 100 Seiten werden Probleme beschrieben und Handlungsempfehlungen gegeben. Fast drei Jahre hat das Zusammentragen und Auswerten der Informationen gedauert. Zentraler Ansatzpunkt ist fast durchgehend die Sprachförderung. 1,5 Millionen Euro gibt die Stadt hierfür jährlich aus. "Und das werden wir so lange machen, bis wir die freiwilligen Leistungen verboten bekommen oder aber keine Notwendigkeit mehr besteht", so Oberbürgermeister Sauerland.
Wie wichtig die Sprachförderung ist, lässt sich an Zahlen ablesen. Ein Drittel der Duisburger Bevölkerung (gut 160 000) hat einen Migrationshintergrund. Und jedes zweite (!) Vorschulkind auch. Im Kindergarten und in der Primarstufe (Grundschule) ist die Förderung besonders intensiv. Denn von der Deutschfähigkeit hängt fast alles ab: die weitere Schullaufbahn, die berufliche Qualifikation, der Arbeitsplatz, die Fähigkeit, sich im Krankheitsfall mit dem Arzt zu verständigen oder im Alter sich als zu pflegender Mensch verständlich zu machen. Und auch bei der Wohnungssuche kann es nicht von Schaden sein, deutsch sprechen zu können.
Musikalische Integration
Weil die Arbeitslosigkeit unter Migranten besonders hoch ist, plant die ARGE für dieses Jahr spezielle Integrationsmaßnahmen für Jugendliche und alleinerziehende Frauen. Im Bereich Kultur wird nachgedacht über ein Projekt "Polyphonie – Reife Stimmen der kulturellen Vielfalt". Beim gemeinschaftlichen Musizieren und Singen sollen ältere Migranten sich und das Duisburger Kulturleben kennenlernen. Niederschwellige Beratungsangebote sind für den als problematisch geltenden Stadtteil Homberg-Hochheide vorgesehen. Mit zehntägigen Sprachcamps im Herbst sollen vor allem Migrantenkinder aus Marxloh, Hamborn, Meiderich, Bruchkhausen, Hochfeld und Kaßlerfeld (Osterferien) angesprochen werden. Und auf Mitarbeit der Sportvereine hoffen die Integrationsverantwortlichen bei der Stadt, um junge Migrantinnen stärker einzubinden.
Dies sind nur einige Projekte aus dem umfangreichen Handlungskatalog, der nach den Worten von Leyla Özmal vor allem ein großes Ziel verfolgt: "Integration kann und darf kein Zufallsprodukt sein".
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






