Duisburg: Sprechende Steine in Salvator
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 05.03.2011Duisburg (RPO). 25 Skulpturen aus dem Künstlerdorf Tengenenge (Zimbabwe), die der Krefelder Musiker Roger Roever dort gekauft hat, stehen bis zum 27. März in der Salvatorkirche.
Im Sonntagsgottesdienst am 6. März, 10 Uhr, wird Pfarrer Peter Krogull über das "Haus der lebendigen Steine" predigen. Sie geben ein eindrucksvolles Bild ab, die 25 Skulpturen, die – auf Sockeln platziert – zurzeit im Chorraum der Salvatorkirche stehen. Die Werke wurde ausnahmslos im mittlerweile berühmten Künstlerdorf Tengenenge (Zimbabwe) gestaltet. Ausgesucht und gekauft hat die Skulpturen der Krefelder Berufsmusiker (Klarinette und Saxofon) Roger Roever. Bis zum 27. März bleiben die Arbeiten in der Salvatorkirche.
Entdeckt im Sabbatjahr
Roever hatte sich zusammen mit seiner Ehefrau, einer Waldorf-Pädagogin, vor 13 Jahren eine einjährige Auszeit gegönnt, bei der das Paar Afrika bereiste. Am Ende dieses "Sabbatjahres" kamen die beiden nach Zimbabwe, wo sie auch die Künstlerkolonie Tengenenge besuchten. Dieses Dorf, in dem etwa 300 Bildhauer leben und arbeiten, sei ihm damals "wie ein Paradies" erschienen. Die Menschen lebten in einfachen Lehmhütten, Neuankömmlinge nur in "besseren Verschlägen". Tengenenge sei von einer ansteckenden Harmonie geprägt gewesen. A
Sonntagsgottesdienst
Die Ausstellung "Talking Stones" (erzählende Steine) wird Pfarrer Peter Krogull im Gottesdienst am Sonntag, 6. März, 10 Uhr, auch in seine Predigt einbeziehen, bei der aus dem ersten Petrus-Brief zitiert wird: "Ihr seid das Haus der lebendigen Steine." Die Ausstellung kann nach den Gottesdiensten sowie dienstags bis samstags, jeweils von 9 bis 17 Uhr, besichtigt werden (bis einschließ 27. März).
m Morgen sei man von den Klängen geweckt worden, die bei bildhauerischen Arbeiten eben entstehen. Roger Roever berichtete gestern begeistert von seinen Tengenenge-Eindrücken. Sechs Skulpturen habe er damals gekauft, die mit Lastwagen und per Schiff nach Rotterdam und von da aus in seine Privatwohnung gebracht wurden.
Nach 1998 sei er noch mehrmals nach Tengenenge gereist und habe Skulpturen gekauft, zuletzt vor vier Jahren. Zurzeit sei es kaum noch möglich, in das von Mugabe geknechtete Zimbabwe zu reisen, sagte Roever gestern bedauernd. Er habe aber vor, sobald wie möglich wieder die Künstlerkolonie zu besuchen, in der jene ausdrucksvollen Skulpturen entstehen, die nun in der Salvatorkirche zu besichtigen sind.
Die Künstler gehören meist dem afrikanischen Shona-Volk an. Sie seien, so berichtete Roever gestern, meist Christen, hätten aber ihre kulturelle Tradition nicht aufgegeben. Dazu gehöre beispielsweise der Glaube, dass auch Materie "beseelt" sei. Diese pantheistische Überzeugung führe zu einem besonders behutsamen Umgang mit dem Serpentinstein, das Material, aus dem die Skulpturen gehauen werden. "Kettensägen sind tabu", so Roever.
Den unvorbelasteten Betrachter fasziniert die reduzierte Formfindung. Großartig, wie zum Beispiel die Darstellung eines Elefanten gelingt, der mit wenigen bildhauerischen Attributen nur skizziert wird.
Trotz diese Reduktion wirken die Steinskulpturen überaus lebendig. Themen wie "Blindheit", "Familie", "Liebe" werden kitschfrei gestaltet. Überzeugend auch die Umsetzung des Alltags in die Kunst: "Der Träger" zeigt Respekt vor einer konkreten Arbeit. Und die Skulptur "Swinging Baby" lässt jeden Betrachter schmunzeln.
Die Skulpturen können auch gekauft werden. Ihre Preise liegen zwischen 300 und 2000 Euro.
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