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Loveparade-Abschlussbericht: Stadt Duisburg entlastet sich selbst

VON HILDEGARD CHUDOBBA - zuletzt aktualisiert: 01.09.2010 - 06:56

Loveparade-Abschlussbericht (RPO). Laut dem Abschlussbericht der Stadt Duisburg, der heute vorgestellt werden soll, hat die Verwaltung keine Fehler gemacht, die ursächlich für die Katastrophe bei der Loveparade waren. Der Bericht dient als Grundlage für die morgige Sitzung des NRW-Innenausschusses.

Heute wird die Duisburger Stadtspitze den Abschlussbericht vorstellen, den die Rechtsanwaltskanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek im Auftrag der Stadt nach Durchsicht aller Unterlagen zur Vorbereitung und Durchführung der Loveparade erstellt hat. Er ist morgen eine der Grundlagen für die Sitzung des Innenausschusses, an der auch Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland teilnehmen wird.

Wie schon der Zwischenbericht kommt auch die Abschlussbilanz zu dem Ergebnis, dass die Stadt keine Fehler gemacht hat, die ursächlich für die Katastrophe gewesen sind. Am 24. Juli kamen bei der Loveparade in dem Zugangs-Tunnel zum Festivalgelände 21 Menschen ums Leben. Aufgabe der Kanzlei war es nicht, die Ursache für die Katastrophe herauszuarbeiten und Schuldige zu benennen.

Abwahl von OB Sauerland beantragt

Mehr als die Hälfte der 74 Ratsvertreter hat inzwischen die Abwahl von Oberbürgermeister Adolf Sauerland beantragt. Abgewählt werden kann er nur mit mindestens einer Zweidrittelmehrheit. Die CDU-Ratsfraktion hat bereits erklärt, in der aktuell für den 13. September terminierten Sondersitzung mit ihren 25 Mitgliedern gegen die Abwahl zu stimmen.

Neben dem von der Stadt in Auftrag gegebenen Abschlussbericht hat die FDP im Innenausschuss bereits angekündigt, dass sie über die Rolle der Polizei bei der Loveparade reden will. In einem Gespräch mit unserer Zeitung schilderten jetzt drei Polizeibeamte, die am 24. Juli bei der Loveparade im Einsatz waren, ihre Eindrücke. Sie wollten ihren Namen nicht nennen. Öffentliche Kritik am Dienstherrn habe berufliche Konsequenzen, sagen sie.

Die Loveparade band am 24. Juli das komplette Duisburger Polizeipersonal. Keiner der drei war am Unglücksort eingesetzt. Alle drei sind fest davon überzeugt, dass ihre Kollegen auf der Straße an diesem verhängnisvollen Tag beste Arbeit geleistet haben. Sie sind alle auch sicher, "dass unsere oberste Heeresleitung eklatante Fehler bei der Vorbereitung und Durchführung gemacht hat." Welche Fehler? "Jeder Polizist in Duisburg kennt die Funkstörungen, die auftreten, wenn man in den Karl-Lehr-Tunnel fährt", sagte einer der drei. Die Behauptung des Sicherheitskoordinators von Lopavent, der Polizist neben ihm im Container-Büro am Unglücksort sei nicht mit einem Funkgerät ausgestattet gewesen, "ist Quatsch. Aber die Dinger nutzten ihm vermutlich nichts, und darum hat er das Gerät wahrscheinlich in der Tasche gelassen."

Polizisten nicht auf Einsatz vorbereitet

Während des gesamten Tages bekamen alle drei Beamten immer wieder mit, wenn auf der Strecke Polizeikräfte benötigt, ein Abschleppwagen oder ein Rettungsfahrzeug geordert wurden. "Nur aus dem Tunnel hörten wir nichts, auch nicht, als dort die Situation eskalierte." Dass die Einsatzkräfte auf der Rampe und die an den Tunneleingängen keinen Funkkontakt gehabt haben könnten, "da sind wir sicher." Anders ließe sich nicht erklären, warum der Zugang zum Gelände gesperrt wurde, ohne gleichzeitig die Sperren an den Tunneleingängen zu schließen. Von der Katastrophe hätten sie erst nur durch die Rettungskräfte erfahren, die über ein digitales Funknetz verfügen. Das funktioniere im Tunnel.

Dass die auswärtigen Polizisten nicht auf den Einsatz vorbereitet gewesen waren, hätten sie selber erlebt. "Die Kollegen wussten zum Teil nicht einmal, wo sie sind." Immer wieder seien sie von den ortsfremden Polizisten angesprochen worden, weil sie ihren Einsatzort suchten. Sie hätten sogar Zuschauer nach dem Weg gefragt.

Unterdessen äußerte sich Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck gegenüber unserer Zeitung zur Frage der Verantwortung für die schrecklichen Ereignisse: "Das kann meines Erachtens erst nach einer sorgfältigen und umfassenden Untersuchung benannt werden. Sonst läuft man Gefahr, zwar gewissen öffentlichen Erwartungen zu genügen, die Verantwortungsfrage aber nicht wirklich geklärt zu haben. Verantwortung hat an dieser Stelle sehr viel mit Klarheit und Transparenz zu tun. Was ich überhaupt nicht mag, ist das laute Rufen nach einer Person, die schnell die Verantwortung zu übernehmen hat – und dann ist es kein Thema mehr."

Quelle: RP

 
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