Duisburg: Stadtplaner in der Kritik
VON SANDRA KAISER - zuletzt aktualisiert: 20.02.2009Duisburg (RPO). Seit 23 Jahren gibt es den Sachtleben-Tag bereits. Das Homberger Chemieunternehmen lädt Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Vereinen und Verbänden zum Meinungsaustausch ein. Diesmal gab es aber auch Grund zur Klage.
18 neue Produkte
Eines der 18 neuen Produkte, die Sachtleben 2009 auf den Markt bringen will, ist ein Markierungssystem gegen Fälschungen. Entwickelt wurden spezielle Partikel, so genannte "Tracer", die in unterschiedlichste Materialien (etwa Zigaretten oder Flugzeugteile) eingebaut werden können. Besonders bei Regressforderungen kann dies nun Nutzen sein. Der Besitzer kann anhand dieser Tracer eindeutig nachweisen, dass es sich tatsächlich um sein Produkt handelt.
Homberg Wer sich von den rund 50 geladenen Gästen auf ausschließlich nette Plaudereien eingestellt hatte, der wurde enttäuscht. Die diesjährige Auflage des Sachtleben-Tags nutzte das Unternehmen auch dazu, Kritik zu äußern, und zwar an dem Vorhaben der Stadtplaner, einen Teil der Bruchstraße zu einer Einbahnstraße zu machen.
"Wir sind hier an diesem Standort, weil wir eine gute Anbindung an die Autobahn haben." Wenn die Bruchstraße zur Einbahnstraße werde, könnten die Lkw nicht mehr auf direktem Wege von der Bruch- auf die Duisburger Straße zur Auffahrt auf die A 40 nehmen, sondern müssten einen Umweg von sechs Kilometern in Kauf nehmen. "Das ist teuer, belastet die Umwelt und kostet Zeit. So können wir nicht erfolgreich arbeiten. Statt Applaus für unsere Investitionen am Standort Homberg wird uns hier der Fehde-Handschuh hingelegt", betonte Teba-Geschäftsführer Frank Tovornik, dessen Unternehmen von der Neuregelung ebenso betroffen wäre wie das von Sachtleben-Chef Prof. Wolf-Dieter Griebler. Deshalb haben sich die beiden dazu entschlossen, in dieser Angelegenheit an einem Strang zu ziehen.
Die beiden appellierten an Oberbürgermeister Adolf Sauerland, der sich ebenfalls unter den Gästen befand, statt der Einbahnstraßenregelung eine Ampel am Einmündungsbereich der Bruch- in die Duisburger Straße aufzustellen, so wie es bereits ein Gutachter empfohlen hat, der sich im Auftrag der Stadt mit dem Ausbau der Eisenbahnstraße beschäftigte hatte.
"Das ist eine schwierige Situation", gab OB Sauerland zu. Er habe sich das schon mehrfach vor Ort angesehen. Sowohl die Argumente der Anwohner als auch die der Unternehmen seien nachzuvollziehen. Hier müsse "die am wenigsten schlechte Lösung gewählt werden", sagte er und verwies darauf, dass dies in den Zuständigkeitbereich der Bezirksvertretung Homberg / Ruhrort / Baerl falle. Die wird sich nun in ihrer nächsten regulären Sitzung am 19. März mit dem Thema befassen.
In den roten Zahlen
Ein weiteres Thema des Abends war die Wirtschaftskrise. "Unsere Verkäufe haben sich 2008 quasi halbiert", sagte Sachtleben-Chef Griebler. Erstmals seit 20 Jahren habe das Unternehmen rote Zahlen geschrieben. Konkrete Zahlen dürfe er noch nicht nennen, da der US-Mutterkonzern Rockwood seine Bilanz noch nicht veröffentlicht habe, "aber wir sind im einstelligen Millionenbereich rot", umschrieb er die Misere. Zum Glück habe man mit dem "Solidarpakt zur Standortsicherung" früh reagiert.
Wie berichtet, verzichten sowohl Mitarbeiter als auch Führungskräfte bis auf Weiteres auf einen Teil ihres Gehalts. Zehn Millionen Euro Personalkosten sollen so allein in Homberg eingespart werden. "Betriebsbedingte Kündigungen wird es dafür keine geben", betonte Griebler noch einmal. Als Ziel für 2009 nannte er einen Umsatz von 580 Millionen Euro. Allein 50 Millionen sollen 18 neue Produkte einbringen, die Sachtleben dieses Jahr auf den Markt bringen wolle.
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