Duisburg: "Stille Revolution" geplant
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 11.07.2009Duisburg (RPO). Die Metro-Gruppe plant eine Mikro-Windkraftanlage für das Meidericher Mercator-Center. Windmessungen sollen nun zeigen, ob damit eine Wende bei der klassischen Energieerzeugung in Duisburg eingeläutet werden kann.
"Quiet revolution" (stille Revolution) heißt das englische Unternehmen, das die neuen Mikro-Anlagen entworfen hat. Eine Duisburger Delegation unter Leitung von Oberbürgermeister Adolf Sauerland mit Energieexperten, Fachleuten der Metro und von RWE Innogy nahm in dieser Woche eine solche Windanlage im englischen Liverpool unter die Lupe – und war begeistert. "Ob wir diese Technologie mit einer Pilotanlage am Mercator-Center für uns nutzbar machen können, sollen Windmessungen ergeben", erklärte gestern Prof. Michael Cesarz, Chef der Metro Group Asset Management. Das Unternehmen betreut die Immobilien des Metro-Konzerns (Metro Cash & Carry, Galeria Kaufhof, Real, Media Markt und Saturn)und hat in Istanbul und Düsseldorf in Einkaufscentern mit Geothermie und Photovoltaik bereits einschlägige Erfahrungen im Bereich regenerativer Enerigen gemacht.
Mercator-Center
Das Mercator-Center an der Berliner Straße eignet sich schon wegen seiner Größe von rund 30 000 Quadratmetern für eine Windkraftanlage. Die Verkaufsfläche beträgt etwa 20 000 Quadratmeter. Dazu kommen 1300 Parkplätze. Die wichtigsten Mieter sind real, Roller, und Toys 'r'us. Mit der Frequenz von rund 10 000 Kunden pro Tag sei die Metro-Gruppe ausgesprochen zufrieden, erklärte Cesarz gestern.
"Die neuen Anlagen laufen fast geräuschlos", berichtete Sauerland von seinen Eindrücken aus Liverpool. Die Schwächen herkömmlicher Windräder wie Geräuschentwicklung und Schlagschatten spielen bei "quiet revolution" eine eher untergeordnete Rolle, so dass hier auch an einen Einsatz in Wohngebieten wie am Mercator-Center gedacht werden kann. "Die einzelnen Rotoren könnten wie Laternenpfosten jeweils am Schnittpunkt von vier Parkplätzen stehen", erklärte Cesarz. Die Leistung der fünf Meter hohen und 3,10 Meter breiten Rotoren, die zwischen zehn und 20 Meter hoch über dem Boden installiert werden, erlaubt eine Stromerzeugung zwischen 5000 und 10 000 Kilowattstunden im Jahr. Ob sich eine solche Anlage rentiert, hängt von den Windverhältnissen ab.
Frage der Standfestigkeit
Ob es an diesem Standort windig genug ist, sollen die Messungen in den nächsten drei Monaten ergeben. Dr. Hermann Janning, Chef der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsbetriebe (DVV), sieht hier gute Chancen, die klassische Energieerzeugung zu ergänzen. "In den nächsten 20, 30 Jahren werden Kraftwerke aber weiter nötig sein. Es bietet uns aber die Chance, den Anteil der regenerativen Energien in den nächsten 20 Jahren zu verdoppeln", so Janning. Die neuen Rotoren seien auch "ästhetisch etwas ganz anderes". Sie könnten die Wende bei der klassischen Energieerzeugung einleiten. Auch für OB Sauerland bieten die Anlagen Perspektiven: "Am Alsumer Berg haben herkömmliche Windräder nicht genügend Standfestigkeit. Das könnte mit der neuen Technik anders sein."
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