Duisburg: Stimmungen per Scheinwerfer
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 04.02.2012Duisburg (RP). Franz-Xaver Schaffer sorgt als Chefbeleuchter im Theater dafür, dass Sänger, Tänzer, Schauspieler und Requisiten stets im richtigen Licht erscheinen. Mit Scheinwerfern, Farben und neuerdings auch Videotechnik kann er zaubern.
Als "Oberinspektor" ist Franz-Xaver Schaffer verantwortlich für den Einsatz und die Dienstpläne eines fast 30-köpfigen Teams von Beleuchtern und Stellwerkern. Vor allem aber ist er als Chefbeleuchter Herr von 500 Scheinwerfern im Theater der Stadt Duisburg. Seine Aufgabe ist es, Sänger, Tänzer, Schauspieler und Requisiten stets ins richtige Rampenlicht zu setzen. Dabei bleibt Schaffer selber stets im Hintergrund. Als Theatergänger muss man schon sorgfältig das Programmheft studieren, um unter dem Titel "Beleuchtungseinrichtung" auf Schaffers Namen zu stoßen.
Dabei ist jedem Theaterfreund klar, wie wichtig Beleuchtung beziehungsweise Lichtregie sind. Ganze Szenerien können durch den geschickten Einsatz von Scheinwerfern und Farbfiltern von einer zu anderen Sekunde vollkommen anders erscheinen. Auch Menschen lassen sich so beleuchten, dass sie mal gesund, mal krank, mal natürlich, mal furchterregend aussehen. "Mit der richtigen Beleuchtung kann die Arbeit des Maskenbildners sehr gut unterstützt werden", verrät Franz-Xaver Schaffer (55), der seit 1982 am Duisburger Stadttheater arbeitet.
Überwältigt gewesen
"Ich habe meinen Traumberuf gefunden", sagt der gelernte Elektriker. Nach seiner Lehre hatte Schaffer zunächst bei einem kleinen Elektrobetrieb in Rumeln gearbeitet. Ein Freund, der als Techniker im Theater beschäftigt war, hatte Schaffer auf eine freie Stelle als Beleuchter hingewiesen, die er nach dem Vorstellungsgespräch auch bekam. Er selber hatte zuvor "überhaupt keinen Kontakt zum Theaterleben". Als er seinen neuen Arbeitsplatz antrat, sei er regelrecht überwältigt gewesen.
Zunächst habe er nach einer Anlernzeit als "normaler Beleuchter" gearbeitet, der anhand genauer schriftlicher Anweisungen die Scheinwerfer bedient. Der Umgang mit den sogenannten Verfolger-Scheinwerfern, bei denen sich beispielsweise Tänzer in einem Lichtkegel auf der Bühne bewegen, sei nach einiger Übung übrigens nicht so schwer, wie es sich Zuschauer vorstellen. Schmunzelnd fügt Schaffer hinzu, dass natürlich der Lichtkegel dem Tänzer folgt und nicht umgekehrt...
Mit dem Einzug der Computertechnik habe sich auch die Tätigkeit des Beleuchters geändert. Da er sich aber schon früh für Computer interessiert habe, seien die neuen technischen Möglichkeiten für ihn kein Problem gewesen. Beleuchtungstechnisch sei auf der Bühne heute mehr möglich als früher. Die Zahl der Scheinwerfer habe sich im Vergleich zu seinen beruflichen Anfängen mehr als verdoppelt, berichtet er. Heute könne man auch mal mit vorprogrammierten Lichtsequenzen oder auch Videofilmen arbeiten. Bei einer normalen Vorstellung sind sechs Beleuchter im Einsatz.
Mit den Lichtfiltern, den Helligkeitsstufen und den Anstrahlwinkeln können Beleuchter auf der Bühne regelrecht zaubern. Warme Farben bewegen sich beispielsweise im Gelb-Orange-Spektrum, während kühle Farben im Violett-Blau-Bereich zu finden sind. Dunkelhäutige Menschen bräuchten eine andere Beleuchtung als hellhäutige. Und wenn es auf der Bühne unheimlich zugehen soll, dann wird meist von unten Licht gegeben, ähnlich wie beim Taschenlampenspiel von Kindern, die sich das Licht unter die Nase halten.
Seit neun Jahren hat Franz-Xaver Schaffer im Beleuchterteam des Stadttheaters die Funktion des Oberinspektors. Das heißt, er arbeitet eng mit den Regisseuren beziehungsweise mit dem Ballettdirektor Martin Schläpfer zusammen. Diese künstlerische Arbeit sei ungemein bereichernd, zumal er im Stellwerkraum auf dem (wie er schwärmt) "besten Platz im Theater" sitzt, weil er von dort aus den großen Überblick hat.
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