Duisburg: Stolz auf unser Duisburg
VON HILDEGARD CHUDOBBA - zuletzt aktualisiert: 18.07.2011Duisburg (RP). In den vergangenen zwölf Monaten waren positive Signale aus Duisburg absolut selten. Dabei sah es bis zum 24. Juli 2010 so aus, als würde die Stadt den Strukturwandel erfolgreich hinter sich lassen.
Bis zum 24. Juli vorigen Jahres galt Duisburg in der öffentlichen Wahrnehmung bis etwa 17 Uhr als aufstrebende Ruhrgebietsstadt, wenig später als Ort der größten Katastrophe, die sich seit dem Kriegsende in NRW ereignet hat. Stadtspitze wie Stadtrat in Duisburg hatten sich fast zwei Jahre lang immer wieder mit der Loveparade, mit dem Veranstaltungsgelände, mit den Verkehrsplanungen, vor allem aber mit der Finanzierung befasst.
Einstimmig hatte der Stadtrat beschlossen, dass die Party stattfinden soll. Sie passte so gut in das lebensfrohe Programm des Kulturhauptstadtjahres 2011, zu dessen lokalem Höhepunkt das Volksfest auf der A 40 eine Woche vor der Katastrophe gehörte.
Volksverbunden
Das positive Klima war damals noch in engen Zusammenhang mit Oberbürgermeister Sauerland gesetzt worden. Sieben Jahre vorher hatte er die Wahl gegen die Herausforderin und Amtsinhaberin Bärbel Zieling von der SPD gewonnen. Volksverbunden, bürgernah, für alle Probleme ein offenes Ohr, ein bisschen schlitzohrig und zupackend – so erlebten die Bürger ihr Stadtoberhaupt.
Vor- und nachher
Das Thema Loveparade polarisiert: Ein großer Teil der Duisburger tut alles, um das furchtbare Unglück nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, ein anderer will darüber am liebsten gar nicht mehr reden.
Dass die Katastrophe in der Stadt tiefgreifende Veränderungen herbeigeführt hat, wird keiner ernsthaft bestreiten können.
Wenige Tage vor dem Jahrestag erinnern wir in einer Serie daran, was Duisburg kurz vor dem 24. Juli 2010 bewegte und welche Konsequenzen das Unglück bis heute nach sich zieht.
Er sprach zu ihnen in ihrer Sprache, auch wenn die nicht immer nach hoher Diplomatie klang. Doch genau das kam an, bis zum Juli 2010, als noch nicht jedes seiner Worte auf die Goldwaage gelegt oder gegen ihn verwendet wurde.
Hoffnungsprojekte
Mit einer CDU/Grünen-Ratsmehrheit im Rücken war ihm fünf Jahre lang scheinbar alles gelungen. Die Haupteinkaufsstraße bekam ein bis heute hoch-frequentiertes Einkaufszentrum, und davor einen Platz mit viel Grün, Wasser und hoher Aufenthaltsqualität.
Und mit dem City-Palais verhinderte er direkt nach seinem Amtsantritt quasi in allerletzter Sekunde, dass an die Stelle der bereits abgerissenen Mercatorhalle auf Dauer eine klaffende Lücke trat. Genau das drohte vor der Wahl. Ihm gelang es, den Weltkonzern Hitachi für den Innenhafen zu begeistern und andere Investoren in die Stadt zu holen. Und mit dem Masterplan Innenstadt zeichnete Sauerland den Weg vor, der die Innenstadt zu einem Schmuckstück werden lassen soll(te).
Viel Beifall gab es für den Entwurf aus dem Büro des Stararchitekten Lord Norman Foster. Vor allem die "Duisburger Freiheit" ließ die Hoffnung wachsen, dass auf der Güterbahnhofsbrache ein Gegenstück zum Innenhafen entsteht: ein attraktiver Ort zum Leben, Arbeiten und Wohnen, der neue Investoren anlockt und die so dringend benötigten Arbeitsplätze bringt. Auf diesem Grundstück, an dessen Zugang die Katastrophe geschah, will jetzt bekanntlich der Möbelkonzern Krieger bauen.
Beifall für die Moschee
Nicht nur die großen "Würfe", sondern vor allem viele "Kleinigkeiten" trugen dazu bei, dass die Duisburger mit ihrem Oberbürgermeister zufrieden waren. Sauerland öffnete regelmäßig einmal im Jahr die Rathaustüren. Er nahm ihre Einladungen zu Festen und Feiern an. Er setzte Akzente bei der Integrationspolitik der Stadt, die mit der Einweihung von Deutschlands größter Moschee einen viel beachteten und hochgelobten Höhepunkt erlebte. – Duisburger zu sein, das war plötzlich richtig schön.
Doch hinter den Kulissen gingen nach seiner Wiederwahl vor zwei Jahren die Heckenschützen schon in Stellung. Sauerland habe seine Verwaltung nicht im Griff, im Rathaus gehe es drunter und drüber. Seine Hemdsärmeligkeit komme bei der Landesregierung gar nach nicht gut an – so hieß es aus den Lagern der politischen Gegner.
Im Rat hatten zudem inzwischen SPD, Linke und Grüne ein Bündnis gebildet und bremsten Sauerland ein ums andere Mal aus. Auch die Loveparade versuchte Rot-Rot-Grün zu verhindern. Grund waren allerdings nicht irgendwelche Sicherheitsbedenken, sondern eine wackelig anmutende Finanzierung.
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