Duisburg: Straße der Hoffnung freigegeben
VON NILS HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 18.10.2008Duisburg (RPO). Gestern wurde die Osttangente mit einem Festakt für den Verkehr freigegeben. Insbesondere Lkw mit Fahrtziel Logport sollen künftig nicht mehr durch Wohngebiete zum Logistikzentrum fahren, sondern die neue Umgehungsstraße nutzen.
Ob die neue Ostangente die gewünschte Verkehrsentlastung für Rheinhausen bringt? Oberbürgermeister Adolf Sauerland ließ daran bei der Eröffnung der Verbindungsstraße zwischen Logport und dem Kreisverkehr an der Brücke der Solidarität keine Zweifel aufkommen.
„Die Verkehrsströme fließen jetzt so, dass sie weniger stören“, konstatierte das Stadtoberhaupt. Bis zu 13 000 Fahrzeuge pro Tag (darunter 1700 Lkw) sollen das auf dem Gelände der ehemaligen Krupp-Hütte gelegene Logistikzentrum von nun an über die Umgehungsstraße ansteuern.
L 473n
Die Südumgehung soll den Lkw-Verkehr aufnehmen, der von der Autobahn 40 in Richtung Logport unterwegs ist. Weil die Straße die Eisenbahnlinie Duisburg-Moers kreuzt, muss eine Unterquerung gebaut werden. Für die Maßnahme ist jedoch die Bahn zuständig. Diese ließ jedoch mit einer Freigabe der Gleisbauarbeiten auf sich warten. Das Projekt L 473n ist mit 40 Millionen Euro veranschlagt.
Hoffen auf Verkehrsentlastung
Sauerland stellte klar, dass die Stadt Duisburg, welche sich mehr und mehr zur Drehscheibe internationaler Warenströme entwickele, den Logport brauche. Dennoch sei ihm bewusst, welcher Belastung die Rheinhauser ausgesetzt waren. „Bereits bei meinem Amtsantritt vor vier Jahren sind viele Beschwerden über den Schwerlastverkehr an mich herangetragen worden,“ so der Oberbürgermeister. In der Osttangente sehe er eine Lösung, die die Bedürfnisse der Wirtschaft mit der Lebensqualität der Bürger vereinbare.
Auf ein Ende der Verkehrsbelästigung hoffen auch Ursula Kühn und Heinz Hallenbach aus der Margarethensiedlung. Die Rentner sind mit großen Erwartungen zur Eröffnung der neue Osttangente gekommen. Wie alle Anwohner der Durchfahrtsstraßen zum Logport hatten sie besonders unter den Auswirkungen des gestiegenen Lkw-Verkehrs zu leiden.
„Wenn die Laster an unserem Haus vorbeigefahren sind, haben die Teller im Schrank gescheppert“, berichtet Ursula Kühn. Selbst die Hängeleuchte über dem Esstisch sei durch die Erschütterungen, die von den tonnenschweren Brummis verursacht werden, in Schwingungen versetzt worden. Neben den Vibrationen vergällte auch ständiger Lärm das Leben in der Margarethensiedlung. „Im Sommer konnte man die Fenster zur Straßenseite nicht auflassen“, klagt Heinz Hallenbach. Am schlimmsten seien Lkw, die ohne Ladung unterwegs seien. „Die knallen richtig laut durch die Schlaglöcher“, so der Rentner.
Landesverkehrsminister Oliver Wittke pflichtet bei: „Die Belastung der Wohnquartiere war nicht mehr zumutbar.“ Dennoch dämpft er den Optimismus der Rheinhauser. „Die Osttangente allein wird nicht zu der gewünschten Verkehrentlastung beitragen.“
Diese werde erst mit der für Anfang 2009 geplanten Fertigstellung der L 473n erreicht. Im Hinblick auf die Zeitverzögerung beim Bau der Südumgehung frotzelte Wittke in Richtung Bahn: „Wenn DB-Netz so flexibel gearbeitet hätte wie die Beteiligten der Osttangente, dann hätten wir heute Doppeleinweihung feiern können.
Freuen konnte sich der gut gelaunte Minister trotzdem. „Dies ist die erste Straße, die ohne Landesmittel aus meinem Ressort gebaut wurde“, betont Wittke. Das Geld für die rund zwei Kilometer lange Osttangente stamme überwiegend von der Europäischen Union und dem Fördertopf des Landwirtschaftsministeriums. Mit knapp zehn Millionen Euro sei man unter den veranschlagten Kosten in Höhe von zwölf Millionen geblieben. Zudem sei in Rekordzeit von 15 Monaten gebaut worden. „Bleibt zu hoffen, dass die Lkw-Fahrer die Osttangente auch nutzen“, so Wittke.
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