Duisburg: Straßenname wird Politikum
VON SANDRA KAISER - zuletzt aktualisiert: 07.05.2009Duisburg (RPO). Diskutiert wurde über die L 473 n schon viel. Jetzt geht es um den Namen. Die Verwaltung schlägt "Gazianteper Straße" vor. Die Rheinhauser Bezirksvertreter, die heute darüber abstimmen sollen, sind nicht begeistert.
Rheinhausen Viel Wirbel gab es schon um das neue Teilstück der Landesstraße 473, deren Einweihung sich mittlerweile drei Jahre über den ursprünglich geplanten Termin hinaus verzögert hat. Jetzt haben sich die Gemüter erneut erhitzt. Ausnahmsweise geht es mal nicht um den Verzug bei der Fertigstellung, sondern um die Frage, wie die L 473 n, auch Südtangente genannt, denn einmal heißen soll.
Das Dezernat für Stadtentwicklung hatte die Idee, der neuen Verbindungsstraße von der A 57 in Richtung Logport den Namen "Gazianteper Straße" zu geben – in Anlehnung an die türkische Partnerstadt. Dort wurde im November 2005 unter Anwesenheit von OB Adolf Sauerland der "Duisburg Bulvari" eröffnet – ein sechsspuriger Boulevard durch ein Neubaugebiet. Dafür will sich die Stadt nun revanchieren. Die Beschlussvorlage wird der Bezirksvertretung heute zur Abstimmung vorgelegt. Die Verwaltung rechnet fest mit einer breiten Zustimmung. Schließlich hat sich das Planungsdezernat bereits vor einem dreiviertel Jahr in einem interfraktionellen Gespräch mit den Bezirksvertretern abgestimmt. "Damals waren alle dafür", sagte Josip Sosic, Pressereferent des OB, gestern auf Anfrage. Damals. Doch die Stimmung hat sich gedreht.
SPD: Erst Bürger befragen
"Wir haben den Vorschlag zur Kenntnis genommen. Wenn man nichts sagt, heißt das nicht, dass man dafür ist", sagte SPD-Bezirksfraktionschef Reiner Friedrich gestern. Seine Fraktion werde noch beraten, wie sie heute abstimme. Er persönlich hätte es aber lieber, wenn die Bürger zunächst befragt würden. Wenn es dazu kommen soll, müsste die SPD gegen die Vorlage der Verwaltung stimmen.
Dass CDU und Grüne das tun werden, haben sie gestern bereits angekündigt. "Wir halten da nichts von", erklärte Heiner Leiße. Er stelle sich das Bild vor, wie türkische Vertreter zur Einweihung kommen – und alles, was sie vorfinden, ist eine Straße mit Lärmschutzwänden und ohne Anwohner. "Wie kommt das denn an? Das ist eine Geringschätzung unserer Partnerstadt", so der Grünen-Bezirksvertreter. Wenn etwas nach einer Partnerstadt benannt werden solle, dann etwas Repräsentativeres, findet er. Und dann solle man doch erst einmal an die Rheinhauser Partnergemeinde Sedgefield Borough denken.
Ähnlich denken auch die Christdemokraten. Den Vorschlag der Verwaltung, die L 473 n "Gazianteper Straße" zu nennen, hält Fraktionschef Ferdi Seidelt für "etwas verunglückt". Seine Fraktion wolle heute in der Sitzung der Bezirksvertretung gegen die Vorlage stimmen und einen Gegenvorschlag machen: "Europaallee klingt internationaler als der Zungenbrecher Gaziantep. Viele wissen gar nicht, wo das ist." Auf der neuen Straße werde viel Verkehr aus dem Ausland fließen. Mit "Europaallee" könne jeder etwas anfangen, so Seidelt. Außerdem würde der Begriff gut zu den Straßen auf dem Logport-Gelände passen, die alle nach großen Hafenstädten benannt sind.
Die Bürgerlich-Liberalen (BL) können mit dieser Diskussion so gar nichts anfangen. "Dass ein Straßenname zu einem solchen Politikum wird, finde ich – besonders im Vorfeld von Wahlen – einfach peinlich", sagte Bezirksfraktionschef Karsten Vüllings gestern. Seine Fraktion werde sich noch überlegen, ob sie morgen überhaupt an der Beratung und der Abstimmung zu dieser Drucksache teilnehme.
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