Duisburg: Studenten streiken in Duisburg
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 17.11.2009 - 17:00In Duisburg sind am Dienstagmorgen hunderte Studenten und Schüler auf die Straße gegangen, um für ein gerechteres Bildungssystem zu demonstrieren. Am Campus in Essen hat zeitgleich eine Großkundgebung stattgefunden. Die Protestler wurden in Duisburg von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet.
Es ist kurz nach 9 Uhr, als Edgar (15) und Carla (13) mit roten Fähnchen und einem blauen Transparent mit der Aufschrift "Bildung für alle" am Duisburger Hauptbahnhof eintreffen. Seit 5 Uhr sind die beiden Schüler bereits auf den Beinen. Sie sind aus Dortmund mit dem Zug angereist, um an dem "Bildungsstreik" teilzunehmen. Sie wollen die Studenten in ihrem Protest gegen die Hochschulpolitik unterstützen. Schulfrei haben sie nicht bekommen. "Wir schwänzen für mehr Bildung", sagen die beiden.
Mehrere hundert Studenten und Schüler haben sich am Hauptbahnhof in Duisburg versammelt. Die Polizei ist mit mehr als 25 Einsatzwagen vor Ort. Hundertschaften der Polizei halten die Demonstranten im Zaum. Wie in 35 anderen Städten in Deutschland fordern die Studenten auch in Duisburg die Abschaffung der Studiengebühren (an der Universität Duisburg-Essen zahlen Studenten jedes insgesamt Semster 680 Euro), eine Modifizierung des Bachelor- und Masterstudiengangs und mehr Mitspracherecht an der Hochschulpolitik.
An der Duisburger Uni ist die Studentenschaft aber in sich zerstritten. Viele lehnen den Bildungsstreik ab, insbesondere die Wirtschaftswissenschaftler. Zudem hat sich auch der AStA, Allgemeiner Studierendenausschuss, gegen die Protestler gestellt. In der vergangenen Woche ist der Streit eskaliert, als wütende Wirtschaftswissenschafler versuchten, einen besetzten Hörsaal "zurückzuerobern" kam es zu Handgreiflichkeiten und wilden Wortgefechten unter den Studenten.
Vom Duisburger Hauptbahnhof ziehen die Studenten und Schüler mit Trillerpfeifen und Sprechchören lautstark durch die Innenstadt bis zum Rathausvorplatz. Unterwegs stoppt der Tross immer wieder für kleinere Kundgebungen. Mit Sitzstreiks blockieren sie die Straßen. Die Polizei schaut zu, die Autofahrer sind verärgert. Die Studenten gröhlen: "Wir sind hier, wir sind laut, wir wollen nicht, dass man uns die Bildung klaut."
Auch Ellen Ronniek läuft mit. Die 26-Jährige studiert Soziologie im 5. Semster an der Uni Duisburg-Essen. Sie marschiert mit, weil sie sich ein praxisorientierteres Studium wünscht. Sie muss bis zu sechs Klausuren im Semester schreiben. "Und hinzu kommen noch die Hausarbeiten", sagt sie. "Im Bachelor-Studiengang müssen wir nur lernen. Es ist viel zu viel Stoff, wissenschaftliches Arbeiten ist nicht möglich."
Zudem kritisiert sie die die Zulassungsbeschränkung für das Master-Studium. "Dafür braucht man sehr gute Noten. Die sind aber wegen des viel zu straffen Lehrplans im Bachelor kaum möglich. Zudem gibt es noch eine Zulassungsbeschränkung, weil Lehrpersonal fehlt." Nur bis zu 30 Prozent der Studenten, die mit dem Bachelor fertig sind und sich für ein Master-Studium interessieren, können zugelassen werden - auch wenn die Noten stimmen.
Um 11.15 Uhr ist die Demonstration in Duisburg zu Ende. Viele Studenten und Schüler wollen weiter zur Kundgebung nach Essen fahren.
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