Duisburg: Sturm legt Duisburg lahm
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 01.03.2010Duisburg (RPO). Sturm "Xynthia" hatte gestern auch Duisburg fest im Griff. Die Feuerwehr war pausenlos im Einsatz. Bäume stürzten um, eine Absperrung drohte, auf die A 59 zu fallen. Am Abend ging am Hauptbahnhof gar nichts mehr.
60 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr und 149 Retter der Freiwilligen Feuerwehr erlebten gestern einen alles andere als ruhigen Sonntag. Gemeinsam mit 25 Rettern des Technischen Hilfswerks (THW) rückten sie zu zahlreichen Einsätzen aus. Bis zum Abend zählte die Leitstelle der Feuerwehr bereits 144 Einsätze. Zunächst handelte es sich lediglich um abgebrochene Äste oder umgewehte Absperrungen. Ab etwa 15.30 Uhr wurde Sturmtief "Xynthia" dann aber immer heftiger. "Der Wetterdienst hat uns Böen mit einer Stärke von bis zu 120 Stundenkilometern vorhergesagt", erklärte ein Sprecher der Feuerwehr gestern.
Baum fiel auf Auto
Trotz der zahlreichen Einsätze, die bis in die Nacht hinein andauerten, gab es bis zum Abend nur einen Verletzten: Auf der Uhlenhorststraße in Neudorf war ein Baum auf ein Auto gefallen. Die Rettungskräfte mussten den Verunglückten erst aus dem Wagen befreien, bevor er ins Krankenhaus gebracht werden können.
Weil die Absperrung der Baustelle auf dem Bahnhofsvorplatz drohte, auf die A 59 herunter zu fallen, musste die Autobahn zwischenzeitlich gesperrt werden. Die Feuerwehr sicherte die Baustelle mit vereinten Kräften. Ebenfalls gesperrt werden musste am Nachmittag die Schweizer Straße in Duissern. Von Gebäuden gegenüber des "Kartoffelhauses" fielen Dachpfannen auf die Straße. In Huckingen wurde auch die Zufahrt zum XXL-Sportcenter zwischenzeitlich dicht gemacht. Hier waren es umgestürzte Bäume, die zunächst ein Durchkommen unmöglich machten. Beim Kammerkonzert des Kölner Ensembles "Trio Cascades" fiel in der Baerler Dorfkirche plötzlich der Strom aus. Ob die Ursache der Sturm war, blieb zunächst unklar. In Baerl wusste man sich jedenfalls zu helfen: Das Konzert wurde bei Kerzenschein zu Ende gebracht.
Chaos am Hauptbahnhof
Abgebrochen werden musste dagegen die Partie zwischen dem FSV Duisburg und Glückauf Möllen in der Fußball-Bezirksliga. Nach 20 Minuten Spielzeit kippte plötzlich ein Baum vom Spielfeldrand auf den Platz an der Warbruckstraße in Marxloh. Zum Glück wurde dabei niemand verletzt. Andere Spiele waren von vornherein abgesagt worden.
Als die Bahn am Abend den Zugverkehr einstellte, brach am Hauptbahnhof das Chaos aus. Während Reisende im Regional- und Nahverkehr auf Busse und Taxen ausweichen konnten, hatten andere nicht so viel Glück. Nur ganz vereinzelt fuhren Fernzüge noch an ihren Bestimmungsort. Viele Fahrgäste kamen von weiter her und strandeten erst einmal in Duisburg.
Der Infoschalter in der Passage war auch am Abend noch dicht von Reisenden umlagert. "Nein, heute geht nichts mehr. Nein, ich weiß nicht, wann es weitergeht", erklärte der Bahnmitarbeiter unablässig. Fragen nach Entschädigung, Hotelgutscheinen oder ähnlichem gingen ins Leere: "Das ist hier höhere Gewalt, da zahlt die Bahn nichts." Ein Reisender zog bereits vor 21 Uhr seine ganz persönlichen Konsequenzen, breitete seine Isomatte aus und kroch in seinen Schlafsack. Weiterfahren konnte er an diesem Abend sowieso nicht mehr.
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