Protokoll: Tag fünf nach der Loveparade-Tragödie
zuletzt aktualisiert: 29.07.2010 - 13:22Am Tag fünf nach der Massenpanik auf der Loveparade haben sich am Vormittag in Duisburg Dutzende Menschen zu einer Demonstration versammelt. Derweil wurde bekannt, dass die Trauerfeier am Samstag für die Opfer des Unglücks auch in das Duisburger Fußballstadion übertragen wird. Noch immer ist nicht genau geklärt, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Wir berichten fortlaufend aus Duisburg.
+++18.05 Uhr: Die Städte und Kreise in Nordrhein-Westfalen bieten ab sofort Hilfsangebote für Menschen, die die Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg miterlebt haben. Die Gesundheitsämter in den Kommunen verfügten über Ansprechpartner, die als Experten für alle zur Verfügung stünden, die psychologische Hilfe benötigten, teilte das NRW-Gesundheitsministerium am Donnerstag in Düsseldorf mit.
+++17.06 Uhr: Die veröffentlichten Zahlen der Loveparade-Teilnehmer im Ruhrgebiet sind nach Recherchen der Zeitungen der Essener WAZ-Mediengruppe von Beginn an gefälscht worden. So hieß es, in Essen seien vor drei Jahren 1,2 Millionen Menschen auf dem Techno-Event gewesen. Nach Dortmund sollen vor zwei Jahren 1,6 Millionen gekommen sein, in Duisburg war von 1,4 Millionen Menschen die Rede. Keine dieser Zahlen ist korrekt, alle sind maßlos übertrieben, wie aus einem "streng vertraulichen" Dokument des Loveparade-Veranstalters Lopavent hervorgeht.
+++15.12 Uhr: Der Innenausschuss des Landtags kommt am nächsten Mittwoch (4. August) zu einer Sondersitzung wegen der Katastrophe bei der Loveparade zusammen. Die Sondersitzung ist von der CDU beantragt worden, wie unserer Redaktion erfahren hat. Deren Innenexperte Peter Biesenbach will unter anderem klären, welche Meldungen der Polizei-Einsatzleitung in der letzten halben Stunde vor dem Unglück vorlagen. Die wechselseitigen Schuldzuweisungen stellten insbesondere die Gefühle der Angehörigen auf eine harte Probe, so Biesenbach. Ihnen gegenüber sei auch die Politik im besonderen Maße verpflichtet, nun baldmöglichst für Klarheit zu sorgen.
Tödliches Chaos auf der Loveparade - ein Überblick
+++13.23 Uhr: Am Tag der Trauerfeier für die Opfer der Loveparade-Tragödie wehen bundesweit die Flaggen auf halbmast. Für Samstag hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière die bundesweite Trauerbeflaggung angeordnet. Dies betrifft die Flaggen der obersten Bundesbehörden und ihrer Einrichtungen. Das gab das Ministerium am Donnerstag bekannt.
+++12.50 Uhr: Zur Erinnerung an die Opfer wollen mehrere bürgerschaftliche Institutionen sowie der Stadtsportbund Duisburg eine Gedenktafel am Ort den Unglücks aufstellen. Um Geld zu sammeln, haben sie für Sonntag, den 1. August, zu einem Spendentrauermarsch aufgerufen. Start ist um 11 Uhr an der MSV Arena. Um 10.45 Uhr soll Alt-OB Josef Krings dort eine Ansprache halten.
+++12.30 Uhr: Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), hat dem Stadtoberhaupt einen Rücktritt nahegelegt. Er sagte im SWR, die politische Verantwortung für die Tragödie liege bei der Behörde, die die Veranstaltung genehmigt hat, also der Stadt. Deshalb sei es "natürlich", dass Sauerland zurücktreten müsse. "Je schneller, um so besser", sagte der Unionspolitiker.
+++11.45 Uhr: Inzwischen hat die Sprecherin der Staatskanzlei in Düsseldorf auf ddp-Anfrage mitgeteilt, dass die Trauerfeier für die Opfer der Loveparade-Tragödie am Samstag wie vorgesehen in der Duisburger Salvatorkirche stattfindet. Sie dementierte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung, die unter Berufung auf Regierungskreise berichtet hatte, dass die Trauerfeier von der Salvatorkirche ins Duisburger Fußballstadion MSV Arena verlegt werde. Die Sprecherin sagte, der Gottesdienst werde jedoch in die MSV Arena übertragen. Auch vor dem Stadion seien Leinwände aufgebaut.
+++11.30 Uhr: Wegen des Unglücks bei der Loveparade hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière für Samstag die bundesweite Trauerbeflaggung angeordnet. Dies betrifft die Flaggen der obersten Bundesbehörden und der Einrichtungen, die der Aufsicht von Bundesbehörden unterstehen. Das gab das Bundesinnenministerium am Donnerstagvormittag bekannt.
+++10.41 Uhr: Nun ziehen die Menschen in Richtung Innenstadt zum Livesaverbrunnen (bunter Vogel). Dort wird die Kundgebung fortgesetzt. Die Stimmung ist weiter sehr aggressiv, alle fordern Sauerlands Rücktritt. Das Stadtoberhaupt hat sich aber weiter nicht blicken lassen.
+++10.38 Uhr: Einer der Redner bittet die Demonstranten, friedlich zu bleiben. "Wir wollen kein Chaos hier haben."
+++10.37 Uhr: Vorwürfe an die Polizei, sie habe nicht geholfen, werden von einem Teilnehmer geäußert, der selbst vor Ort war.
+++10.36 Uhr: Nach der Schweigeminute brandet kurzer Applaus auf.
+++10.34 Uhr: Nun findet eine Schweigeminute für die Opfer statt.
+++10.33 Uhr: "Wer trägt Schuld?" steht auf einem Plakat der Demonstranten, auf einem anderen: "Schluss mit der Schuldzuweiserei". Auch wird auf Schildern zum Boykott von McFit aufgerufen, die Fitnesskette, die Organisator Rainer Schaller gegründet hatte.
+++10.26 Uhr: Nach der Kundgebung wollen die Menschen in einem Protestzug durch die Duisburger Innenstadt ziehen.
+++10.25 Uhr: Yvonne Schröder (20) und ihr Freund Dominik Pavone (26) erlebten die Katastrophe im Tunnel mit, sie konnten sich über den Container retten. Yvonne Schröder weint, ringt um Worte. "Die Polizei hat uns nicht geholfen", sagt sie. "Stattdessen haben sie uns nur von oben gefilmt."
Bisher hat sich niemand von den Stadtoberen gezeigt. Polizei und Sicherheitskräfte stehen vor dem Eingang und riegeln das Rathaus ab.
+++10.23 Uhr: Rund 150 zumeist jüngere Menschen sind bei der Demonstration anwesend´, heißt es zunächst. Später sollen es rund 500 gewesen sein. "Sauerland, Sie tragen die Verantwortung", sagte Timo Tasche, einer der Redner, und forderte seinen Rücktritt. Es dürfe keine "heuschlerischen Entschuldigungen" mehr geben, vielmehr seien Antworten auf die Frage "warum?" nötig. Weitere Teilnehmer kritisierten, der Oberbürgermeister verstecke sich feige. Augenzeugen beschrieben die Stimmung als aufgeheizt.
+++10.22 Uhr: "Komm raus, komm raus" rufen die verärgerten Menschen an Oberbürgermeister Sauerland gerichtet. Man weiß nicht, ob er sich im Rathaus befindet.
+++10.21 Uhr: Organisiert hat den Protest Markus Schröder (40), ein Maler aus Duisburg. Er war während des Unglücks oben auf dem Loveparade-Gelände, seine 20-jährige Nichte kämpfte am Tunnel ums Überleben. "Hauptverantwortlich sind Sauerland und Schaller", sagt er. "Die Polizei trägt ebenfalls Verantwortung, aber auch die Partybesucher, die Absperrungen eingerissen haben, um schneller aufs Gelände zu kommen."
+++10.15 Uhr: Vor dem Rathaus von Duisburg haben sich Dutzende Menschen versammelt. "Sauerland raus", "Wir haben die Nase voll" rufen sie.
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