Duisburg: „Taxi-Entführer“ vor Gericht
VON JULIA HAGENACKER - zuletzt aktualisiert: 28.03.2008Duisburg (RPO). Er konnte nicht anders, er musste es tun, immer wieder zurückkehren hinters Steuer, den ersten Gang einlegen, aufs Gas treten und losfahren, über die Autobahn, über rote Ampeln, schneller, viel schneller, als die Polizei es erlaubt.
Der Vorsitzende im Strafprozess vor dem Landgericht formulierte es so: „Das Taxifahren war dem Angeklagten eine Herzensangelegenheit.“ Das Problem: Dem ehemaligen „Berufschauffeur“ fehlte der Führerschein (18 Punkte in Flensburg) und ihm fehlte das Taxi (ohne Führerschein kein Job). Also nahm er sich, was er brauchte. Die Masche war immer dieselbe: Den jeweiligen Taxifahrer bei steckendem Zündschlüssel unter einem Vorwand aus dem Auto locken und mit dem Objekt der Begierde schnellstmöglich verschwinden; GPS (Global Positioning System, satellitengestütztes Navigationssystem zur Positionsbestimmung) aus, Unrechtsbewusstsein aus, für ein paar Stunden jedenfalls; danach das Taxi wieder unbeschädigt abstellen. Deshalb stand der 38-Jährige jetzt in Duisburg und vier Wochen zuvor in Bottrop vor Gericht.
Ein Jahr und acht Monate Haft auf Bewährung, wegen unbefugten Gebrauchs eines Fahrzeugs, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Unterschlagung lautete gestern das Urteil, das die Entscheidung der Bottroper Richter (ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung) mit einbezog. Auch sie hatten den Angeklagten für Taten bestraft, die er im November vergangenen Jahres zur Befriedung seiner, naja, Taxi-Leidenschaft begangen hatte.
Damals war der gebürtige Türke, der seit 1997 einen Taxischein hat und sich mittlerweile in psychiatrischer Behandlung befindet, mit gleich zwei entwendeten „Mietwagen“ erst durch Oberhausen und dann Bottrop gerast, hatte sich mit der Polizei eine wilde Verfolgungsjagd geliefert, einen Auffahrunfall versucht und sich schließlich handfest gegen die Festnahme gewehrt.
Zuvor, im Januar 2007, in Duisburg dasselbe Spiel: Taxifahrer Nihad C. (29) wird vom Angeklagten zur Kaiser-Friedrich-Straße in Meiderich gerufen, danach geht es in Richtung Am Beeckbach. Angeblich will der 38-Jährige dort einen Kollegen abholen. Nihad C. soll klingeln gehen. „Ich stieg aus und merkte, dass der Zündschlüssel steckte“, sagte er gestern im Zeugenstand. „Im selben Moment hat der Angeklagte die Türen von innen verriegelt. Dann fuhr er los.“ Direkt auf die Autobahn, raus aus der Stadt, nach Dortmund, dort wird er geblitzt. Nihad C.: „Er hat gewusst, dass ein gestohlenes Taxi von den Kollegen innerhalb kürzester Zeit in ganz Duisburg gesucht wird. Er war ja selber Taxifahrer, er kannte die Tricks.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






