Duisburg: Telegene Hochhaus-Tristesse
zuletzt aktualisiert: 12.09.2008Duisburg (RPO). Wie lange dauert es wohl, eine 84 Quadratmeter große, völlig verkommene Wohnung tip top zu renovieren und neu einzurichten? Die Berliner Filmproduktion Badlands brauchte dafür nur zwei Tage! „Die hatten aber auch genug Leute dafür“, sagt Beate Schwegmann, Verwalterin des Hochhauses Ottostraße 58-62. Zwei Tage lang haben die Berliner Filmemacher in dem Weißen Riesen Szenen des Streifens „This is Love“ gedreht. Mit dabei: Kino- und TV-Star Jürgen Vogel.
2009 im Kino
„This is Love“ ist die erste Arbeit der Filmproduktion „Badlands“. Jürgen Vogel ist Mitbegründer und -eigentümer der Firma. Der Film schildert die Flucht von Chris (Jens Albinus) und der kleinen Jenjira (Duyen Pham) vor der Mafia. Gemeinsam mit Holger (Jürgen Vogel) hatte Chris die neunjährige Vietnamesin von Menschenhändlern freigekauft – ohne sie jedoch bezahlen zu können. Zu den Darstellern gehört auch Corinna Harfouch, die eine, so Badlands, „ebenso verschlossene wie trinkfeste Kommissarin spielt“. Der Film soll im nächsten Jahr in die Kinos kommen.
„Die Filmleute waren vom Haus und dem Umfeld total begeistert“, schildert Beate Schwegmann die Kontaktaufnahme mit den Berlinern. Für eine Wohnung im „katastrophalen Zustand“ habe man sich interessiert, um diese dann nach den eigenen Vorstellungen herzurichten.
Die Berliner waren auf der Suche nach einer „Location“, die an die Tristesse früherer Ostberliner Plattenbau-Siedlungen erinnert. Dass da filmisch Vorurteile gegen die Hochheider Hochhaussiedlung festgezimmert werden könnten, mit denen Beate Schwegmann und andere in Hochheide eigentlich aufräumen wollen, stört die Verwalterin aber nicht. „Wir sind nun mal ein Plattenbau“, sagt sie. „Ich sehe da nicht unbedingt etwas Negatives dran.“
Tatort und Liebesromanze
Auf jeden Fall profitiert die Eigentümergemeinschaft finanziell von der Telegenität ihres Hauses. Eine „schöne vierstellige Summe“ bekommt sie vom Filmteam für die Nutzung der Wohnung. Und weiterer Eurosegen steht bereits ins Haus: Ende des Jahres sollen laut Schwegmann Szenen für den Berliner „Tatort“ mit Dominic Raacke und Boris Aljinovic an der Ottostraße 58-62 gedreht werden. Anfang 2009 folgen dann Aufnahmen für einen Liebesfilm. „Die Adresse hat sich wohl in der Branche herum gesprochen“, vermutet Beate Schwegmann.
Die Gage für den Filmkomparsen Weißer Riese ist bereits verplant: Die Eigentümergemeinschaft der Otostraße 58-62 will einen großen Spielplatz vor dem Haus anlegen, mit besonders stabilen Geräten, von der Buddelkiste für Kleinkinder bis zur Kletterwand für Jugendliche.
Rund 45.000 Euro soll der Spielplatz kosten. Davon könne die Eigentümergemeinschaft aber nur 25.000 Euro selbst aufbringen. Da sind Sponsoren – und weitere Filmteams, die nebenbei auch noch in Nullkommanix Wohnungen renovieren – natürlich willkommen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






