Duisburg: Thyssen-Beschäftigte protestieren gegen Konzernumbau
VON WILJO KRECHTING - zuletzt aktualisiert: 06.04.2009 - 14:44Das Meer aus roten IG-Metall-Fahnen wogt langsam hin und her. Hier und da sticht ein selbstgemaltes Plakat aus der Menge heraus. Lautes Pfeifen, Rufen und Rasseln untermalt die Atmosphäre auf dem Beecker Marktplatz.
Eine Stimmungsmelange aus Angst, Unsicherheit und Wut liegt über dem von d er Polizei weiträumig abgesperrten Areal: Niemand in der Menge aus 12 000 Stahlarbeitern weiß, ob er in ein paar Monaten noch bei ThyssenKrupp arbeitet. Konzernchef Prof. Ekkehard Schulz wird laut für seine schlechte Informationspolitik kritisiert.
Peter Gerdes hat sich ein eigenes Plakat gemalt. „Konzernweit kämpfen um jeden Arbeitsplatz” steht darauf. Auch mündlich macht er seinem Ärger Luft : „Der Konzern hat jahrelang mit unserer Arbeit Millionen abgeschöpft und jetzt sollen wir die Rechnung dafür bekommen?” Der 51-Jährige ist seit 36 Jahren im Duisburger Walzwerk und versteht die Welt nicht mehr. Wenn er in seinem Alter entlassen wird, befürchtet er, nie wieder eine Stelle zu finden. Wie viele seiner Kollegen auch.
Von Thyssenstandorten in ganz Deutschland sind über 100 Busse nach Duisburg gekommen. Alle Angereisten ThyssenKruppler kennen die weltwirtschaftliche Lage und sie wissen auch, dass ihre Sorgen berechtigt sind. Die globale Stahlindustrie ist einfach zu heftig eingeknickt. „Auf Dauer wird Thyssenkrupp sicher nicht umhin können, Stellen abzubauen”, sagt André Klönner. Der 26-Jährige ist seit zehn Jahren bei seiner Firma. Klönner will jedoch nicht zehn Jahre für den Erhalt seiner Stelle gekämpft haben, um im Endeffekt doch auf der Straße zu stehen. Wie wohl alle anderen in Beeck auch, denkt er praktisch: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.”
Kündigungen sollen kommen
Bei ThyssenKrupp soll es nun offenbar doch zu betriebsbedingten Kündigungen kommen. Der Betriebsratschef des Remscheider Kurbelwellen-Werkes ThyssenKrupp Gerlach sagte gegenüber der Rheinischen Post (Dienstagsausgabe), die Geschäftsleitung habe die Kündigungen am vergangenen Freitag in Remscheid angekündigt. ThyssenKrupp Gerlach beschäftigt 150 Mitarbeiter und soll nach Konzernangaben im September geschlossen werden.
Dort erwartet der Betriebsrat im Rahmen der Werksschließung jetzt rund 100 Kündigungen. Ein Sprecher von ThyssenKrupp wollte dies vor dem Hintergrund der noch laufenden Gespräche mit dem Betriebsrat nicht kommentieren. Erst vor gut einer Woche hatte es nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung von ThyssenKrupp noch geheißen, Arbeitnehmer und Management gingen davon aus, dass der geplante Umbau des Mischkonzerns ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen könne.
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