Duisburg: Tierische Rentner
VON DIRK GRUPE - zuletzt aktualisiert: 16.05.2007Duisburg (RPO). Alter schützt vor Torheit nicht – diese Weisheit gilt auch im Zoo. Die Tiere werden immer älter, das stellt besondere Herausforderungen an Pflege und medizinische Versorgung.
Auf seine alten Tage lässt es Anton noch mal richtig krachen. Eigentlich kam der in Würde ergraute Pony-Hengst in den Duisburger Zoo, um dort einen ruhigen Lebensabend zu verbringen. Denkste! Anton, stolze 29 Jahre alt, hat sich verknallt. In Nicolette, sündige neun Jahre alt. Das Ergebnis der ungleichen Liebe stakst mittlerweile zwischen Eseln und Schafen im Streichelgehege: Samson, 14 Tage jung. Mit kastanienbraunem Fell und Kräuselmähne kommt das kniehohe Shetland-Pony eindeutig nach Papa Anton.
Die tierische Liebe zwischen jung und alt ist kein Zufall, denn der demografische Wandel macht auch vor dem Duisburger Zoo keinen Halt. „Unsere Tiere werden immer älter“, sagt Zooarzt Manuel Hartmann. Fehlende Fressfeinde, hochwertige Ernährung, bessere medizinische Versorgung – was ein Menschenleben verlängert, verhilft auch manchem Zootier zu biblischem Alter.
Beispiel Siam: Der Orang Utan feiert demnächst seinen 50. Geburtstag. Gut, der Senior ist nicht mehr der Flinkeste, auch zittern seine Hände. „Eine Parkinson-Erkrankung“, diagnostiziert Leibarzt Hartmann. Der krankheitstypische Dadderich hindert Siam aber nicht an der Brautschau – Cili, drei Monate (wir berichten regelmäßig) ist seine jüngste Tochter.
Sex ja, Kinder nein; dies gilt vor allem für Weibchen im fortgeschrittenem Alter, weshalb Hartmann verliebten Frauchen beizeiten die Anti-Baby-Pille verschreibt.
Ganz andere Sorgen haben „Oma“ und „Opa“, wie die Pfleger zwei Pinguine liebevoll nennen. Damit die beiden Zoo-Rentner ihr Federkleid in der Mauser wechseln, schlucken sie einen Vitamincocktail vom Doc.
Das Alter – der Mensch kann ein Lied davon singen – bringt Zipperlein und Krankheit. Ob Rheuma, Arthrose oder schlechte Zähne – Tierarzt Hartman hat alle Hände voll zu tun, die alten Herrschaften in Schuss zu halten. So bekommen alternde Kamele bei Arthritis Aufbaupräparate, auch ein warmes Bad kann bei Gelenschmerzen Wunder wirken.
Irgendwann hilft bekanntlich keine Pille oder Wundersalbe mehr, dann neigt sich auch ein Zooleben dem Ende. Kein Tier muss allerdings ein beschleunigtes Ableben fürchten, „Einschläferungen, das machen wir heute nur noch selten“, versichert Hartmann
Die Pfleger begleiten vielmehr die Tiere in ihren letzten Stunden – der Zoo, auch eine Art Hospiz.
Die sterblichen Überreste gelangen schließlich in die Pathologie und Veterinärmedizin. Zu Forschungszwecken – damit auch die Nachkommen noch lange die Lust am Leben verspüren.
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