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Duisburg: TKS in der Talsohle

VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 05.06.2009

Duisburg (RPO). Bei ThyssenKrupp Steel fallen in Duisburg weitaus mehr Stellen weg als ursprünglich geplant Weil der Abbau sozialverträglich abgewickelt wird, bleibt die Stimmung allerdings eher gelassen.

Die Proteste der Beschäftigten, wie hier in Beeck vor einigen Monaten, waren nicht vergeblich, meinen Betriebsrat und IG Metall. Nicht zuletzt unter dem Eindruck der Demonstrationen sei es zu dem Kompromiss gekommen, der nun sozialverträgliche Lösungen möglich gemacht habe.  Foto: RPO
Die Proteste der Beschäftigten, wie hier in Beeck vor einigen Monaten, waren nicht vergeblich, meinen Betriebsrat und IG Metall. Nicht zuletzt unter dem Eindruck der Demonstrationen sei es zu dem Kompromiss gekommen, der nun sozialverträgliche Lösungen möglich gemacht habe. Foto: RPO

Der Sozialplan ist ausverhandelt. Die jetzt noch fehlenden Unterschriften sollen Anfang nächster Woche dazukommen. "Die Stimmung war erstaunlich ruhig", sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Holger Hollnack. Es sei mehr eine "Routine-Sommersitzung" gewesen. Insgesamt sollen in der Stahlsparte bekanntlich bis zu 2000 Arbeitsplätze wegfallen.

"In Verwaltung und Vertrieb trifft es jeden Vierten", so Hollnack. Da der größte Teil der Stahl-Verwaltung in Duisburg sitzt, könnten allein hier 1000 Jobs abgebaut werden. Das soll möglich werden durch die Einrichtung sogenannter "shared services"-Bereiche, in denen Verwaltungseinheiten zentralisiert werden sollen, so dass sie konzernübergreifende Aufgaben übernehmen können.

Info

Strukturwandel

Die Zahlen der vergangenen 20 Jahre belegen den Strukturwandel, den Duisburg durchgemacht hat. 1988 verzeichnete die Industrie- und Handelskammer noch 97 011 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im produzierenden Gewerbe, 2008 waren es noch 51 231. Das entspricht einem Rückgang von fast 46 000 Beschäftigten.

Unklar ist noch, ob diese Einheiten in Essen oder in Duisburg arbeiten sollen. In zwei Monaten soll dazu ein Konzept vorgelegt werden. Gewürdigt wurde von den Belegschaften in der Rhein-Ruhr-Halle einmal mehr die "Essener Erklärung" als Basis des Konzernumbaus. Die Kernpunkte: keine betriebsbedingten Kündigungen, keine Einkommenseinbußen, Erhalt der Mitbestimmung. Das ist auch der Grund dafür, dass es nach den Protestaktionen der vergangenen Wochen vergleichsweise ruhig geworden ist. Betriebsbedingte Kündungen gibt es nicht. Niemand werde gezwungen, in die Altersteilzeit zu gehen, so der Betriebsrat "Der Kompromiss ist ein voller Erfolg für Betriebsrat und IG Metall", sagte Hollnack. Wer sich Altersteilzeit wegen der Rente nicht leisten kann, dürfe auch bis 65 arbeiten, so der Betriebsrat.

Bei der Auslastung der Anlagen am Betriebsstandort Duisburg gehen Hollnack und Betriebsrats-Geschäftsführer Günter Back davon aus, dass die Talsohle zurzeit erreicht ist. "Schlimmer kann es nicht werden", so Hollnack. Die Anlagen seien durchschnittlich nur zu 50 bis 60 Prozent ausgelastet. Manche Betriebsteile liefen sogar nur noch mit einer Auslastung von 30 Prozent.

Kurzarbeit bis September

Die Folge: bis zu 85 Prozent der Belegschaft haben Kurzarbeit. "Daran wird sich auch bis September nichts ändern", so Hollnack. Die Auswirkungen seien individuell sehr verschieden. "Einige Kollegen haben drei Freischichten im Monat, andere bis zu 14", erklärte Back. Dies sei aber die Ausnahme. In Duisburg beschäftigt ThyssenKrupp Steel rund 14000 Menschen, etwa 12 500 davon im Duisburger Norden am Standort Hamborn / Beeckerwerth.

Quelle: RP

 
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