Duisburg: Tollität auf Krücken
VON DIETER KRÜSSMANN - zuletzt aktualisiert: 12.01.2009Duisburg (RPO). Der Gala-Abend zur Prinzenkürung in der Mercatorhalle überzeugte die Besucher mit viel Show, Tanz, Comedy. Bis auf den missglückten Auftritt des TV-bekannten Comedians Kalle Pohl kamen die Narren voll auf ihre Kosten.
So etwas hat es im Duisburger Karneval noch nicht gegeben: Der auf einem Gala-Abend in der Mercatorhalle im CityPalais frisch gekürte Prinz Karneval, Seine Tollität Prinz Stefan I. marschierte mit zwei Krücken auf die Bühne. Während der Generalprobe hatte sich der beliebte Karnevalist verletzt (man munkelt von einem Verdacht auf Bänderzerrung). Nichts desto trotz – er zog sein Programm durch. Und das gefiel den Narren.
Viel Zeit für die Narretei
Heute jeckes Oberhaupt zu sein, bedeutet nicht nur, für einige Wochen viel Zeit für die Narretei zu investieren. Das Volk will den Obernarr glänzen sehen. Stefan tat es. Er mühte sich unheimlich, sang stolz mit seinem Hofstaat sein Prinzenlied und ließ es sich nicht nehmen, auch so gut er konnte, einen Tanz vorzuführen, immer mit einem Krückstock gestützt, getreu dem Motto des diesjährigen Duisburger Karnevals: „Wat soll et denn – et kömmt wie et kömmt“. Allein dies brachte ihm Riesenjubel. Die Proklamation wurde dieses Mal mit dem Publikum gemeinsam gesungen (Gesangbücher waren ausgeteilt worden) und traditionell erhielt Oberbürgermeister Adolf Sauerland den ersten Prinzenorden überreicht. Stefans Vorgänger Theo I. wurde von HDK-Präsident Wolfgang Lamerz gebührend verabschiedet.
Crew mit Erfahrungen
Prinz Stefan I. mit bürgerlichem Namen Wilken ist mit seinen 30 Jahren der wohl jüngste Prinz aller Zeiten in Duisburg. Er erwähnt dies in seinem Prinzenlied. Seit 1995 ist er Mitglied in der Ehrengarde der Stadt Duisburg Blau Weiß 1929 und auch der Prinzengarde sowie Senator im Prinzenclub. Er unterstützt neben seinem bürgerlichen Beruf im Controlling einer großen Einzelhandelskette seinen elterlichen Betrieb Fisch-Feinkost Wilken. Seine Crew mit seinem Bruder Markus und Stefan Kurs sowie den liebreizenden Paginnen Martina Borowski, Luci Cuesta, Jessica Kramp und Natascha Wichert hat bereits einige Erfahrungen mit dem Duisburger Karneval.
Er habe seine Sache gut gemacht, meinte er, und sein Nachfolger werde sicherlich auch wieder die Herzen der Duisburger Narren erfreuen, trotz seines augenblicklichen Handicaps. Das Programm zur Gala konnte sich sehen lassen. Als „Eisbrecher“ betätigten sich die Parodisten „Et Zweijestirn“ mit herrlichen Parodien zum Zeitgeschehen. Da wurde über die Wirtschaftskrise gesungen, ebenso eine Lobeshymne über Angela Merkel sowie über das politische Geschehen in Bayern und Hessen und über die Olympiade. Nicht ganz so gelungen war der Auftritt von Kalle Pohl, den man als Witzbold aus der RTL-Serie „Sieben Tage – Sieben Köpfe“ kennt. Seine Wortspielchen kamen nicht so gut beim Publikum an. Besser dagegen war die Dolls-Company, eine total verrückte Tanz-Show. Das Dellbröcker Boore-Schnäuzer-Ballett lieferte mit seinen Regenschirmen und einem „Zebra“ Anmut und Grazie einen Hauch Kölner Karnevalsgeschichte.
Den meisten Beifall und zahlreiche „Zugabe“-Rufe erhielten zunächst der Hamburger Liftboy „Der Dingo“, der mit seiner Stimme berühmte Sänger der Show-Szene wie beispielsweise Michael Jackson, Stevie Wonder, Udo Jürgens und Elvis imitierte.
Einmal Prinz zu sein
Den Abschluss bildeten die Kölner Ratsbläser, ein traditionsreiches Trompetenkorps mit zahlreichen Kölner Stimmungsliedern. Nicht fehlen durfte dabei das Lied „Einmal Prinz zu sein“, das dann in Gebärdensprache vorgetragen wurde, wobei es sich Prinz Stefan I. nicht nehmen ließ, mitzumachen.
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