Duisburg: Totenköpfe, Südaffen und Goetheknochen
VON ANTJE SEEMANN - zuletzt aktualisiert: 20.10.2008Duisburg (RPO). rheinhausen Licht aus – Applaus. Eine Bühne, bestückt mit drei Bildern, einem Tisch mit schlichter, weißer Tischdecke und einem Glas Wasser sowie einer grünen Motorhaube. So sieht das Equipment von Jürgen Becker aus. Im besten Kölsch begrüßt er sein Publikum „Da wollen wir uns mal einen schönen Abend machen!“ Zunächst wird erst einmal die Tischdekoration ergänzt – neben dem Glas Wasser ist ein Totenkopf mit Schillerlockenperücke aufgetaucht.
„Ja, was glauben Sie denn?“ hießt das neue Programm von Becker, mit dem er fast 900 Leute in die Rheinhausenhalle lockte. Und, was glauben Sie denn, was der Totenkopf soll? Na, Johann Wolfgang von Goethe hatte auch so einen auf seinem Schreibtisch. Den, von seinem Kollegen Friedrich Schiller.
Jürgen Becker projiziert dieses Bild in die Gegenwart: „Wie wäre das denn, wenn Peter Struck den Schädel von Roland Koch auf seinem Schreibtisch als Briefbeschwerer hätte?“ An diesem Abend kommt raus: Es ist sowieso ziemlich viel abhängig von der Zeit. Zum Beispiel bei Giordano Bruno, ein italienischer Philosoph, der auf dem ersten von den drei Bildern zu sehen ist. Er wurde um 1600 auf dem Scheiterhaufen als Ketzer verbrannt, weil er wissenschaftliche Theorien aufstellte, die der katholischen Kirche nicht gefielen.
184 Jahre später zeigt Goethe mit seiner Entdeckung des Zwischenkieferknochens die Verwandtschaft von Mensch und Tier, was ja nun auch nicht im Sinne der biblischen Schöpfungsgeschichte ist. Der Knochen wird nach ihm benannt und im Volksmund kennt man ihn gemeinhin als Goetheknochen. Goethe kommt nicht auf den Scheiterhaufen. Und dann ist da noch Charles Darwin mit seiner Evolutionslehre. Der Vorläufer des modernen Menschen ist der so genannte Südaffe und der lebte in Afrika.
Aktuelle Themen gefielen
Aus der Wüste kommt auch die christliche Religion. Deshalb hat sich der eigentlich heidnische Germane, der mit Wüste nichts am Hut hat, diesen Glauben etwas angepasst. Zeit genug dazu hatte er schließlich. Noch eine Frage ist: Was unterscheidet eigentlich den Menschen vom Tier? Becker: „Der Mensch kann lachen.“
Gelacht haben auch Helmut und Irmgard Fassmann: „Wir kennen Jürgen Becker aus dem Fernsehen. Aber das ist live schon besser, nicht so steril. Uns hat das prima gefallen, vor allem die aktuellen Themen.“
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