kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Duisburg: Trauerfeier ohne Adolf Sauerland

VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 07.07.2011 - 08:13

Duisburg (RPO). Ein Jahr nach der Loveparade-Katastrophe warten die Hinterbliebenen weiter vergeblich auf eine Entschuldigung und die Übernahme moralischer Verantwortung durch den Duisburger Oberbürgermeister. Der räumt inzwischen Fehler ein - aber die entscheidenden Worte sagt er nicht.

Es sind die denkwürdigsten Sekunden des Films „Die letzte Loveparade“, den die ARD am 13. Juli um 23.30 Uhr ausstrahlt. Nach 40 Minuten sagt Adolf Sauerland: „Noch mal, das, was dann Fritz Pleitgen als Erster getan hat, hätte von mir kommen müssen.“ Die Interviewerin hakt nach. „Nämlich?“ Der Duisburger Oberbürgermeister sitzt in den schweren Eichenmöbeln seines Büros im historischen Duisburger Rathaus und kaut an der entscheidenden Frage. Er schluckt. „Die Übernahme moralischer Verantwortung und sich bei den Angehörigen der Opfer zu entschuldigen.“

Das sei so, sagt er. Im Nachgang wisse er es. „Es tut mir auch unendlich leid, dass ich es nicht getan habe, sofort. Sondern dass soviel Zeit vergangenen ist, bis es dann passieren konnte.“ Doch „es“ passiert gar nicht. Mit keinem Wort. Keine Entschuldigung. Keine Übernahme moralischer Verantwortung. Adolf Sauerland wird auch die Chance nicht nutzen, den Fehler bei der Trauerfeier am 24. Juli im Duisburger Stadion zu korrigieren. Sauerland geht nicht hin, wie er auch zur Trauerfeier unmittelbar nach der Katastrophe nicht gegangen ist. Und nicht zur Einweihung des Mahnmals, das vor den Tunneln an der Karl-Lehr-Straße an die Opfer erinnern soll. Er weiß, dass es Hinterbliebene gibt, die seine Anwesenheit nicht wünschen. Aus Respekt gegenüber ihren Gefühlen bleibt er fern - und damit gegenüber den Opfern auch nach einem Jahr öffentlich weiter sprachlos.

Eva Müller, Mitautorin des WDR-Films, hat im heute erscheinenden Magazin der Wochenzeitung „Zeit“ einen Bericht über den Film mit dem Titel „Ein Mann, kein Wort“ überschrieben. Auf ihre Frage, warum es ihm nach der Katastrophe mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten so schwer fiel, moralische Verantwortung zu übernehmen, weiß Sauerland letztlich keine Antwort. Hatte er Angst, er würde automatisch verantwortlich gemacht, wenn er sich entschuldige? „Ja, bis hin zur juristischen Verantwortung, die man daraus ableiten wollte“, erklärt Sauerland im Film mit dünner Stimme und sagt dann weiter wie über einen anderen: „Und das hat dann dazu geführt, dass man sprachlos wird.“ Oder sich selbst dazu macht: „Er führt ja Gespräche mit Hinterbliebenen, aber er hat mit ihnen Stillschweigen darüber vereinbart“, sagt sein Pressereferent Josip Sosic.

Der WDR-Film zeigt, wie weit der Weg dahin war. Erst Anfang 2011, mehr als ein halbes Jahr nach der Katastrophe, ernannte Sauerland einen pensionierten Amtsleiter zum „Beauftragten der Stadt Duisburg für die Betroffenen der Loveparade“. Der Job des Pensionärs: Kontakte zur Gruppe der Hinterbliebenen knüpfen, Gespräche anbahnen. Doch anders als mit Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller wollen die Hinterbliebenen nicht mit Sauerland reden. Auch mit Schaller redeten sie erst, nachdem er sich in einer Talkshow entschloss, moralische Verantwortung zu zeigen. Von der Nachricht, dass die Hinterbliebenen mit Schaller reden, nicht aber mit ihm, wird Sauerland während der Dreharbeiten überrascht: „Wenigstens den Versuch zu unternehmen, mit den Angehörigen zu sprechen, würde ich gerne wagen“, sagt er.

Den Kontakt stellt schließlich Duisburgs Stadtdirektor Peter Greulich (Grüne) her, der mit Sauerland befreundet ist. Dass die Wut vieler Betroffener nicht Schaller, sondern Sauerland getroffen hat, erklärt Greulich seinem Freund auch damit, „dass du du selbst warst und dass dieses erschütterte Häufchen Elend nicht die Kraft vermitteln konnte, die viele gesucht haben“. Es sei ein kleiner Trost, sagt Sauerland gegen Ende des Films, dass vielleicht die Aufarbeitung der Katastrophe zeigen könne, „unter welchen Bedingungen ich damals stand und was ich selbst rational dort leisten konnte und was schwierig war“. Die Staatsanwaltschaft ist bei der Aufarbeitung von einer Anklageerhebung noch weit entfernt. Von den 16 Beschuldigten, gegen die ermittelt wird, stammen vier aus Schallers Firma, einer ist Polizist, aber elf sind Mitarbeiter des Rathauses. Adolf Sauerland könnte von einem Schweigen in das nächste rutschen.

Quelle: RP

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Mehr als 20.000 Besucher feierten mit

Unges Pengste 2012

Mehr als 20.000 Besucher feierten mit

Ausnahmezustand in Korschenbroich: Weit mehr als 20.000 Besucher drängten bei bestem Schützen-Wetter bis Sonntagabend, 27. Mai, in die Stad ... mehr 

15-Jähriger wieder auf freiem Fuß

Nach Attacke am Hauptbahnhof

15-Jähriger wieder auf freiem Fuß

Ein 15-jähriger Tatverdächtiger ist nach der brutalen Attacke auf zwei Frauen am Hauptbahnhof Mönchengladbach am Sonntagmorgen wieder auf fr ... mehr 

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Gefangen im Monster-Stau von Peking

In Chinas Hauptstadt gibt es nicht nur viele Menschen, sondern auch ziemlich viele Autos. Kein Wunder also, dass es dort immer wieder zu ... mehr 

Aus der Nachbarschaft
Meistgelesen

Ex-Trainer von Hertha BSC Berlin

Rehhagel bereut Auftritt vor DFB-Gericht

Trainer-Altmeister Otto Rehhagel hat nach seiner gescheiterten Rettungsmission das Kapitel Hertha BSC für sich abgeschlossen. "Für Hertha beginnt eine neue Zeitrechnung – ohne Otto Rehhagel , sagte der Coach in einem Interview. mehr

 

Politische Punktevergabe beim Eurovision Song Contest

Anke Engelke: "Europa beobachtet Dich"

 

Nach Attacke am Hauptbahnhof

15-Jähriger wieder auf freiem Fuß

 

Stress-Ranking der Unternehmen

Burnout belastet NRW-Wirtschaft

 

Deutsche acht Jahre als Sklavin gehalten

"Sie haben sie wie ein Pferd eingespannt"

Meistkommentiert

CSD in Düsseldorf

"We are Europe! Are we Europe?"

Das offizielle Motto des CSD Düsseldorf lautet in diesem Jahr "We are Europe! Are we Europe?". Es soll an die Unterdrückung Homosexueller in vielen, vor allem ost-europäischer Länder erinnern. Immer gilt: Möglichst bunt, möglichst schrill. mehr

 

Scharfe Kritik an Assad-Regime

UN-Sicherheitsrat verurteilt Massaker in Hula

 
 

Länderspiel-Debüt für Gladbachs Torwart

Ter Stegen ist (noch) kein Titan

 

DFB-Bundesgericht urteilt pro Fortuna

Hertha entscheidet Dienstag über Einspruch

MEHR
Auf der Sparkassenbühne sorgte die Band Punch'n'Judy am Samstagnachmittag mit Crossover-Folk-Rock für gute Stimmung unter den zahlreichen Besuchern.

Duisburg

Gelungene Premiere

Auf der Königstraße stieg am Wochenende das erste Stadt-Folk-Fest. Am Samstag regnete es zum Teil heftig, was den vielen Besuchern aber nicht die Stimmung vermieste. Es gab eine gute Mischung aus Musik und Kinderspaß. VON fabian spieß  mehr

 
Das technische Equipment hat der Bürgerverein zu großen Teilen aus eigener Tasche finanziert. Am Freitag wurde die Ausrüstung eingeweiht.

Duisburg

Bürgerverein startet Online-Fernsehen

Unter dem Motto "Neues aus Mündelheim" startet der Bürgerverein Mündelheim ein Online-Fernsehen, mit dem ortsansässige Vereine die Bürger künftig über ihre Freizeitmöglichkeiten und Veranstaltungsangebote informieren können. VON philipp frohn  mehr

 
 
 
 
 
Bilder aus Duisburg
Segelregatta  um das "Blaue Band"
Segelregatta um das "Blaue Band"
Segelregatta um das "Blaue Band" auf dem Rhein .. mehr 
 
Segelregatta  um das "Blaue Band"
Segelregatta um das "Blaue Band"
Segelregatta um das "Blaue Band" auf dem Rhein ..
mehr 
Ausflugtipps für Pfingsten in Duisburg
Ausflugtipps für Pfingsten in Duisburg
Tipps für Pfingstausflügen in und um Duisburg
mehr 
Duisburger Stadtansichten früher und heute
Duisburger Stadtansichten früher und heute
Fotos und Postkarten mit historischen Stadtansichten. Wenn möglich Geg ..
mehr 
125 Jahre Schallplatte: Die ersten Alben der Duisburger Promis
125 Jahre Schallplatte: Die ersten Alben der Duisburger Promis
Duisburger Prominente erzählen, welches ihre ..
mehr 
Landtagswahl 2012 in Duisburg: SPD feiert
Landtagswahl 2012 in Duisburg: SPD feiert
Landtagswahl: Großer Jubel im Lager der Duisburger SPD. Ernüchterung h ..
mehr 
Das sind die Kandidaten für den Wahlkreis 63 Duisburg IV
Das sind die Kandidaten für den Wahlkreis 63 Duisburg IV
Das sind die Kandidaten für den Wahlkreis 63 Duisburg IV
mehr 
 

RP ONLINE-Seminarreihe

So werden Sie bei Google gefunden

bornewasser.jpg

Unsere kompetenten Referenten zeigen Ihnen die Tricks der Suchmaschinen und sorgen dafür das Sie besser und schneller gefunden werden. mehr 

Familienanzeigen