Duisburg: Trauerspiel Glückauf-Halle
VON KLAUS THIEL-KLENNER - zuletzt aktualisiert: 24.10.2008Duisburg (RPO). Der Wirtschaftsplan für die Glückauf-Halle erregte jetzt die Gemüter der Homberger Bezirksvertreter. Fehlende Stühle sollen durch alte Kinosessel ersetzt werden und der verschlissene Hallenboden soll lediglich notdürftig geflickt werden.
„Glückauf“ ist hierzulande ein geläufiger, frommer Wunsch aus der Bergbautradition und heißt ursprünglich soviel wie „Komm gesund wieder nach oben“. Gleiches möchte man auch der gleichnamigen Halle in Homberg wünschen, aber mit der Erfüllung sieht es eher finster aus. Die Vertreter aller Fraktionen in der Bezirksvertretung Homberg / Ruhrort / Baerl waren sich einig, dass es so nicht weitergehen kann.
36 Stühle fehlen
Seit rund fünf Jahren kann beispielsweise die Stirntribüne wegen mangelhafter Bestuhlung nicht mehr genutzt werden. Hier fehlen 36 Stühle. Den Vorschlag, diese durch Restbestände aus dem „Comödchen“ aufzufüllen, stieß auf breite Ablehnung. Abgesehen davon, dass es sich hierbei ursprünglich um alte Kinosessel handele, die nicht ins Bild und auf die Tribüne passten, seien auch bei diesen Vandalismusschäden und ähnliches nicht auszuschließen. Somit sei fraglich, ob man die fehlende Bestuhlung überhaupt zusammen bekäme, so die einhellige Meinung.
Glückauf-Halle
Die Glückauf-Halle an der Doktor-Kolb-Straße 2 ist eine Sport- und Veranstaltungshalle ohne eignem Restaurant oder gastronomischer Bewirtung. Sie fasst – je nach Bestuhlung – bis zu 1620 Besucher. Rund um die Halle stehen 200 kostenfreie Parkplätze zur Verfügung. Die Halle wird alljährlich vom Kulturring-Homberg, Konzertverantaltern und lokalen Vereinen genutzt. Von Tanztheater und Ballett bis ihn zu Kleinkunst oder Karnevals-Prunksitzungen sowie Rockkonzerten reicht das Verwendungsspektrum.
Völlig neue Stühle soll es laut Immobilienmanagement Duisburg (IMD) nicht geben. Laut Bezirksamtsleiter Scherhag sei auch bereits abgelehnt worden, den maroden Boden in der Halle komplett zu erneuern. Das IMD ziehe es stattdessen vor, schadhafte Stellen zu reparieren. Ein Flickwerk, das nicht nur aus ästhetischen Gründen abzulehnen sei, sondern auch nur eine kurzfristige Lösung biete, urteilte Scherhag. Denn die geflickten Stellen brächen immer wieder auf. Diese Lösung scheint dennoch billiger zu sein. „Das IMD macht nur das Nötigste, damit die Halle nicht zusammen bricht und der Sportbetrieb aufrecht erhalten werden kann“, klagte Jürgen Scherhag.
Schleichender Substanzverlust
Wenn etwas getan werde, dann nur, um Brandschutzauflagen zu erfüllen. Der schleichende Substanzverlust der Halle mache es leider auch immer schwieriger, die Halle zu vermarkten. Ähnliches beobachtete auch SPD-Fraktionschef Hermann Grindberg, der mit etlichen Vereinsvertretern gesprochen hatte: „Immer mehr Interessenten sehen sich nach Alternativen für ihre Großveranstaltungen um, weil sie sich in der ,möblierten Turnhalle’ nicht mehr wohl fühlen.“ Grindberg verwies auf das Versprechen von Oberbürgermeister Adolf Sauerland, die Glückauf-Halle zu erhalten. „Aber dann muss man auch etwas investieren!“, so Grindberg weiter.
Folgerichtig stimmte die Bezirksvertretung Homberg / Ruhrort / Baerl dem Wirtschaftsplan 2009 des Immobilienmanagements Duisburg nur bedingt zu und forderte zudem eine zumindest „adäquate Bestuhlung“ der Glückauf-Halle.
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