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  Foto: ddp, ddp
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Kommentar zur Loveparade-Katastrophe: Trauerspiel nach der Tragödie

VON SVEN GÖSMANN - zuletzt aktualisiert: 25.07.2010 - 21:45

Kommentar zur Loveparade-Katastrophe (RPO). Selbst eine Katastrophe solchen Ausmaßes wie der Tod von 19 jungen Menschen auf der Duisburger Loveparade vermag es nicht, die ritualisierten Abläufe unserer Gesellschaft für einen oder zwei Tage aufzuhalten.

Während Experten noch an der Identifizierung der letzten Opfer arbeiten, entbrennt die Diskussion um Ursache und Verantwortung für die Katastrophe.

Zeit für Trauer? Unsere Gesellschaft nimmt sie sich nicht mehr. Die Angehörigen, die Freunde, auch die vielen Tausende, die lange mit dem in Duisburg Erlebten hadern werden – sie müssen ihren eigenen Weg finden, abseits der öffentlichen Debatte.

Immerhin könnte es Trost spenden, wenn diejenigen, denen unsere Gesellschaft durch Wahl oder Berufung Verantwortung zuweist, diese annehmen würden. Davon sind Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland, sein Sicherheitsdezernent Wolfgang Rabe und Vizepolizeipräsident Detlef von Schmeling aber weit entfernt.

Natürlich stehen diese drei unter ungeheurem Druck, dennoch wirft ihr Verhalten nach der Katastrophe viele Fragen zu ihrem Verhalten vor der Katastrophe auf. Niemand ist schuld, niemand hat etwas vorhergesehen, das „Sicherheitskonzept war stichhaltig“, wird Sauerland nicht müde zu betonen.

Bliebe also die Unvernunft der Loveparade-Besucher, die sich nicht wie vorgesehen gesittet in einen Tunnel pferchen ließen, sondern in Panik gerieten? Nein: 19 Tote, 342 Verletzte – da ist ein Konzept gerade nicht stichhaltig gewesen.

Die Überforderung, die Sauerland und sein Sicherheitsdezernent Rabe ausstrahlen, hat wahrscheinlich nicht erst mit der Katastrophe vom Samstag begonnen. Sie muss schon bei der Vorbereitung der Parade eine Rolle gespielt haben. Wie anders ist es zu erklären, dass verlässliche Quellen aus Duisburger Stadtverwaltung wie Sicherheitsapparat berichten, ihre intern geäußerten Bedenken seien von der Stadtspitze vom Tisch gewischt worden, weil man sich nicht mit einer Absage blamieren wollte?

Eine Unbedenklichkeitsbescheinigung besorgten sich die Stadtoberen und der Veranstalter bei ihrem Gutachter Michael Schreckenberg, der Gelände und Sicherheitskonzept für ausreichend erklärte. Am Sonntag räumte er ein, nach Papierlage geurteilt zu haben. Auf dem Gelände war er dafür nie. Wenn der Essener Professor Schreckenberg, wie er über sich gern verbreitet, Deutschlands führender Panikforscher ist, muss unsere Hochschulen Panik über die Qualität ihres wissenschaftlichen Personals ergreifen.

Quelle: RP

 
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