Duisburg: Tröten und Trillerpfeifen im Sitzungssaal
VON SONJA BROWATZKI UND SINA ZEHRFELD - zuletzt aktualisiert: 20.02.2010Duisburg (RPO). Rheinhausen Beinahe tumultartige Szenen spielten sich im Bezirksrathaus ab. Demonstranten füllten die Zuschauertribüne und warteten im hinteren Teil des Saales, schwenkten Banner und Plakate mit Aufschriften wie: "Soll der Kruppsee baden gehen?" Es gab Applaus und Pfiffe, manche hatten sogar Tröten und Trillerpfeifen dabei. Bei der Sitzung der Bezirksvertretung am Donnerstag ging es um die geplante Schließung des Freibades am Kruppsee. Die Vertreter sämtlicher Parteien positionierten sich klar gegen das Vorhaben.
Der Vertrag mit dem Schwimmverein Rheinhausen, der das Bad betreibt, sei "ein gutes Geschäft für die Stadt und eine gute Sache für die Bürger", sagte Hans-Joachim Klein (SPD). Karsten Vüllings (BL) erklärte, er habe "zähneknirschend" mitgetragen, das Freibad am Toeppersee zu schließen, weil es ja noch das am Kruppsee gab. Er forderte, Geld, das im Haushalt für repräsentative Zwecke vorgesehen ist, ins Bad zu stecken. "Hände weg von diesem Becken", sagte Ferdi Seidelt (CDU). Und Philipp Hummel (Grüne) stellte fest, bei einer Schließung gehe "soziales Engagement den Bach runter". Die Bezirksvertreter, auch die von Die Linke und FDP, waren sich also einig. Allerdings liegt die Entscheidung nicht bei ihnen, sondern beim Rat.
Westvereine zeigen Widerstand
Das Kruppsee-Freibad war kurz vor der BV-Sitzung Schauplatz eines Pressegesprächs gewesen, das die Vereine des Duisburger Westens anberaumt hatten. Durch das Sparpaket der Stadt würden Hallenkosten auf über das Doppelte steigen, hieß es. Beim Schwimmverein sei "die ganze Einrichtung bedroht", so der zweite Vorsitzende Karl Otto Liebisch: Mitglieder fragten sich, "Warum noch Beitrag zahlen?".
Paul Hoffmann vom Stadtsportbund rechnete vor, dass Ausgaben im Bereich Sport im Jahr 2008 nur 1,7 Prozent des Duisburger Haushalts ausgemacht hätten: "Peanuts!" Die Sportvereine ihrerseits hätten mit Mehrkosten von 10 000 Euro (im Falle des VFL) jährlich oder sogar über 11 000 Euro (Homberger TV) zu tun, wenn die verdoppelt würden.
Wer darunter zu leiden habe: "Wir haben über 50 Prozent Kinder im Verein", sagte Hans-Willi Wiesen vom TV Homberg. Darunter seien auch viele Kinder mit Migrationshintergrund. Sport sei also auch wichtig für die Integration. Angeblich wolle die Stadt das Ehrenamt unterstützen, "doch was hier geplant wird macht Arbeit von Jahrzehnten zunichte". Und das Knall auf Fall.
Hätte man sich früher an die Vereine gewandt, "dann hätten wir konstruktive Vorschläge machen können und wären nicht aus allen Wolken gefallen", so VFL-Vorstand Hubert Schneider.
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