Duisburg: Tumor-OP in zehn Minuten
VON JULIA HAGENACKER - zuletzt aktualisiert: 20.07.2007Duisburg (RPO). Als einzige Klinik in Nordrhein-Westfalen bietet das Klinikum Duisburg ab sofort eine neue, hochmoderne Methode der so genannte Vakuum-Biopsie zur Entfernung von gutartigen Brustgeschwulste an. Der Eingriff geht schnell und hinterlässt kaum Spuren.
Vier Millimeter. So groß war der Knoten, der bis vor wenigen Tagen in Marlies Urbanczyks Brust wucherte. Mittlerweile ist die 64-Jährige die Geschwulst los – ohne Operation, ohne Vollnarkose und ohne Schmerzen. Allein ein kleiner Schnitt in die Haut war dafür nötig. Dazu ein wenig Ausharren unter lokaler Betäubung. Nach zehn Minuten war alles vorbei.
Nur ein winziger Schnitt
Die so genannte Vakuum-Biopsie verschafft Ärzten die Möglichkeit, gutartige Brust-Tumore mit einem minimalen Eingriff sicher und gezielt zu entfernen. Ab sofort bietet die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum Duisburg dieses moderne Diagnostik- und Behandlungsverfahren an – bislang als einzige in ganz Nordrhein-Westfalen. Deutschlandweit haben Frauen nur noch in Wiesbaden die Möglichkeit, sich mit dem neu entwickelten und gerade erst zugelassenen „Operations-Instrument“ kurieren zu lassen. Marlies Urbanczyk war eine der ersten Patientinnen, die es ausprobiert hat. Mit dem Ergebnis ist sie sehr zufrieden. Gespürt, sagt die 64-Jährige, habe sie kaum etwas. „Einen leichten leichten Druck vielleicht, als die Nadel eingeführt wurde.“
Gut zu wissen
Wichtig für eine erfolgreiche Anwendung der Vakuum-Biopsie ist die ständige Beobachtung des Operationsfelds per Ultraschall. Aus diesem Grund ist der Einsatz des neuen Geräts nur Ärzten gestattet, die die Anforderungen der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) erfüllen.
Dr. Jens Pagels, seit April neben Dr. Matthias Korell zweiter Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum, ist bei der DEGUM Leiter der Sektion Geburtshilfe und Mamasonografie für die Region West.
Zuvor war er bereits an drei Brustzentren tätig, zuletzt als Leiter im Bethanien-Krankenhaus in Moers.
Die „Nadel“ ist eigentlich die Spitze eines feinen aber sehr scharfen Messers, das während der Behandlung innerhalb eines Stahl-Röhrchens (Hohlnadel) hin und her läuft. „Ein Vakuum saugt das Tumor-Gewebe ein, und die Klinge schneidet es ab“, erklärt Dr. Jens Pagels, seit April Chefarzt für Perinatalmedizin und Senologie am Klinikum. Die gutartige Wucherung wird so nach und nach, quasi scheibchenweise, entfernt. Sein „Operationsfeld“ beobachtet der Arzt dabei ununterbrochen per Ultraschall, um den Tumor komplett zu entfernen. Zurück bleibt nichts als eine winzige, punktförmige Narbe.
„Gerade für junge Frauen“, sagt Pagels, „ist diese Behandlungsmethode optimal. Die Nadel verdrängt das Gewebe, zerstört es aber nicht. So besteht nicht die Gefahr, dass Milchkanäle durchtrennt werden. Im Hinblick auf eine geplante Schwangerschaft ist das ein enormer Vorteil.“ Angewandt werden kann die Vakuum-Biopsie nichts desto trotz bei Frauen jeden Alters. Grundsätzlich jedenfalls. „Ob womöglich doch eine Operation nötig ist, hängt vom Einzelfall ab“, sagt der Chefarzt. Die Art und die Konsistenz des Tumors sei dabei entscheidend. „Im Grunde ist es sogar möglich, bis zu fünf Zentimeter große Geschwulste per Biopsie abzutragen.“ Aber – gutartig müssten sie sein. „Einen bösartigen Tumor darf man keinesfalls zerschneiden.“
Zwei Tag musste Marlies Urbanczyk nach der Behandlung zur Beobachtung im Klinikum bleiben. Eine reine Vorsichtsmaßnahme. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die neue Behandlung derzeit noch nicht.
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