Duisburg: Über Umwege zum Traumjob
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 05.02.2010Duisburg (RPO). Alexandra Heß (41) ist Lokführerin. Das hätte sich die gelernte Mechatronikerin eigentlich nie vorstellen können. Doch mit Hilfe einer von der Duisburger ARGE finanzierten Umschulung hat sie nun einen neuen Traumberuf.
Ihr Arbeitsplatz ist der Führerstand im blau-gelben Zug der NordWest-Bahn (NWB) vom Typ "Lint". Dort sitzt sie in einem vergleichsweise übersichtlichen Cockpit, schiebt behutsam einen kleinen Joystick nach vorn – und los geht's. Ihr Blick durch das große Panoramafenster ist nach vorn gerichtet. Was für den Laien so aussieht, ist allerdings nicht so leicht zu lernen. "Die achtmonatige Umschulung ist recht umfangreich und beinhaltet viel Praxis", sagt Duisburgs ARGE-Chef Norbert Maul. Insgesamt elf ehemalige Arbeitslose absolvierten die Umschulung zum "Triebfahrzeugführer". "Als ich hörte, dass die NordWestBahn die Strecke übernimmt und Lokführer sucht, bin ich sofort nach Osnabrück und habe mit dem Vorstand darüber gesprochen. So brauchte die NWB nicht selbst Personal zu rekrutieren – das übernahm der Arbeitgeberservice der ARGE: "Ich habe einen Anruf bekommen, ob ich mir vorstellen könnte, Lokführerin zu werden. Da hab' ich erst mal nein gesagt", erklärt Alexandra Heß. Nach einem Tag Bedenkzeit sagte sie dann doch zu. Bereut hat sie es nie.
Der Niederrheiner
Die NordWestBahn fährt seit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2009 unter anderem den "Niederrheiner". Das ist die Regionalbahn 31 von Xanten nach Duisburg. Sie hält unter anderem am Hauptbahnhof, in Rheinhausen, in Rumeln und Trompet.
Mit technischer Ausbildung
"Wir haben gezielt Kunden mit einer technischen Berufsausbildung angesprochen", erklärt Norbert Maul. Die ARGE übernahm die Kosten für die Umschulung, Lohn- und Fahrtkosten. Inzwischen haben die elf Umschüler eine feste Anstellung bei der NWB. NWB-Sprecherin Katrin Hofmann und Projektleiterin Silvia Werny zeigten sich sehr zufrieden mit den neuen Kollegen im Führerstand. Der Start der privaten Bahn, die bei der Ausschreibung der Strecken als Wettbewerbssieger hervorging, verlief alles in allem reibungslos. "Anfangs hatte ich Bedenken, ob man von den Kollegen der Deutschen Bahn AG auch akzeptiert wird. Doch das klappt eigentlich ganz gut." Ende des Jahres kommen mit der "Ruhrort-Bahn" und dem "Dorstener" zwei weitere Strecken für die NWB dazu. "Auch hier möchten wir gerne wieder mit der ARGE Duisburg zusammenarbeiten", so Silvia Werny.
Alexandra Heß hat so ihren Traumberuf gefunden. "Technik hat mich immer interessiert, aber als Frau in einem Männerberuf wie Mechatroniker hat man es sehr, sehr schwer. Da ist es als Lokführerin weitaus einfacher." Dass der Traumberuf auch Schattenseiten hat, ist ihr bewusst: "Schon dreimal hätte es an unbeschrankten Bahnübergängen beinahe gekracht, obwohl die Autofahrer Rotlicht hatten. Außerdem sind die Arbeitszeiten ungewöhnlich – heute musste ich um Viertel vor drei aufstehen. Aber ich tue es trotzdem gerne."
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