Duisburg: Überraschende Einsichten
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 03.04.2010Duisburg (RPO). 24 RP-Leser bekamen die Chance, an einer Exklusivführung mit dem neuen Direktor des Lehmbruck-Museums, Prof. Dr. Raimund Stecker, teilzunehmen. Stecker sprach über Kunst, deren Aufgabe und seine Umgestaltungspläne.
Mit Vorurteilen haben Museumsleute täglich zu tun. "Und wir kümmern uns gerne darum", fügte Prof. Dr. Raimund Stecker hinzu. Die 24 Leser, die als Gewinner einer RP-Aktion das Glück hatten, an einer Exklusivführung mit dem neuen Direktor des Wilhelm-Lehmbruck-Museums teilzunehmen, waren offensichtlich sehr angetan von der lockeren Art Steckers, der überhaupt keinen Wert darauf legt, mit Doktor- oder Professor angeredet zu werden.
Demokratische Architektur
Der in Duisburg geborene 53-jährige Kunsthistoriker, der vor seinem Studium eine Buchhändlerlehre absolviert hatte, mag das Autoritäre nicht. Und gerade deshalb ist in seinen Augen das Wilhelm-Lehmbruck-Museum eines der schönsten Museen, die weltweit nach 1945 gebaut wurden. Das sagt Raimund Stecker, der international erfahren ist, nicht einfach so dahin. Vielmehr macht er auf die herausragende Qualität des Museums mit einprägsamen Hinweisen aufmerksam. Manfred Lehmbruck, der Sohn des Namengebers des Museums, habe mit geradezu "demokratischer" Konsequenz einen Bau konzipiert, der den Bedürfnissen der Kunst und der Kunstbetrachtung gerecht wird. Die Sichtachsen, die Tageslichtschächte, die verschiedenen Ebenen, die in der Decke verankerten Leuchtelemente und die Ausblicke nach draußen: all das mache das Museum zu einem herausragenden Bau. "Demokratisch" sei die Architektur, weil das Museum keine Richtung vorschreibe. Das Hin und Her, das sich Selber-Orientieren-Müssen und Selber-Erkunden sei von Manfred Lehmbruck gewissermaßen konzipiert worden.
Zu Raimund Steckers ersten Taten gehörte eine veränderte Platzierung einiger Werke. Besucher treffen beim Geradeausgehen mal auf die Front-, mal auf die Rückenansichten von Skulpturen, die zum Teil weiter von den Wänden weggerückt werden, damit man sie besser umschreiten kann.
Duane Hansons (1925–1996) einst höchst umstrittene Installation zum Vietnamkrieg findet sich nun im Lehmbruck-Trakt, in Nachbarschaft zum "Gestürzten" und zu Lehmbrucks Kreuzigungsgemälde. "Möchten Sie damit ein bisschen provozieren?", wurde Stecker gefragt. "Nein, kein bisschen, sondern stark!" antwortete Stecker. Kunst habe bisweilen auch die Aufgabe, für "Reibung" zu sorgen. Deshalb habe im Lehmbruck-Museum sowohl das Schöne als auch das Provokante seinen Platz.
In der Kunstgeschichte habe sich, so Stecker, gezeigt, dass Künstler ihrer Zeit voraus sein können. Was Jahre später von der Allgemeinheit akzeptiert oder als richtig empfunden wird, haben Künstler vorweggenommen.
Über Lehmbrucks Kniende zum Beispiel wurde einst gespöttelt. Heute fragten sich Kunsthistoriker, wie Lehmbruck zu jener Pose fand, die als Sinnbild der Anmut gilt. Die Kniende, 1911 entstanden, soll im kommenden Jahr Angelpunkt einer Ausstellung werden, die an den großen Erfolg der gegenwärtigen Giacometti-Ausstellung anknüpft.
Teich und Gastronomie
Stecker verriet der RP-Gruppe, dass er das Museum barrierefrei machen möchte. Der bisherige Haupteingang soll verlegt werden, im Museum sollen Stellwände entfernt werden, Hauptwerke, wie die "Versuchung des Heiligen Antonius" von Max Ernst, werden schon jetzt auffälliger präsentiert. Und Stecker möchte den Kantpark mit Kunst, Teichen und Gastronomie zu einem attraktiven Stadtpark umgestalten. Bei der RP-Gruppe stießen Steckers Pläne auf viel Beifall.
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