Duisburg: Überzeugen und gestalten
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 09.01.2010Duisburg (RPO). Seit dem 1. Januar 1985 leitet Prof. Dr. Christoph Brockhaus das Wilhelm-Lehmbruck-Museum. Am 1. Februar gibt er die Leitung des Zentrums internationaler Skulptur an Prof. Raimund Stecker ab.
Er habe nie nur verwalten wollen, sondern stets auch gestalten. Und deshalb blicke er "mit Dankbarkeit" auf die 25 Jahre, in denen er als Direktor des Wilhelm Lehmbruck Museums "viel bewegen" konnte. Das sagte gestern Prof. Dr. Christoph Brockhaus, der zum 1. Februar in Pension geht und die Leitung des Hauses an Prof. Raimund Stecker abgibt.
"Sanfter Übergang"
Es sei ein "sanfter Übergang", sagte Brockhaus, da er noch einige Monate am wissenschaftlichen Bestandskatalog des Lehmbruck-Museums zu arbeiten habe und außerdem die Chronik der vergangenen zehn Jahre für den Freundeskreis des Museums schreibe. Dennoch sei es natürlich ein Einschnitt.
Von einem "sanften" Ausklang des Berufslebens kann man bei Brockhaus allerdings nicht sprechen. Zwar gibt es am 16. Januar eine Abschiedsfeier in geschlossener, wenn auch großer Gesellschaft, doch werde er bis zum 31. Januar noch vollauf beschäftigt sein. Da muss die Vantongerloo-Ausstellung, die am Sonntag endet, abgebaut und nach Den Haag weitergereicht werden; zugleich beginnt der Aufbau der Giacometti-Schau, die von Dr. Gottlieb Leinz, dem stellvertretenden Museumsdirektor kuratiert wird, der übrigens wenige Monate nach Brockhaus in den Ruhestand gehen wird. (Auch Dr. Katharina Lepper, die viele als Betreuerin und Vermittlerin der Wilhelm-Lehmbruck-Werke kennen, geht 2010 in den Ruhestand.)
Fast hat Brockhaus keine Zeit, Bilanz zu ziehen. Helfen wir ihm dabei: Brockhaus war Leiter der Grafik- und Fotosammlung des Museums Ludwig und Sonderbeauftragter für den Neubau des Wallraff-Richartz-Museums/ Museum Ludwig in Köln, als er Nachfolger von Dr. Siegfried Salzmann wurde. Unter Brockhaus geschah nicht nur der Erweiterungsbau des Museums und die Sanierung des Altbaus, Brockhaus gab dem Museum vor allem ein unverwechselbares Profil: Er machte aus dem Museum ein Zentrum der modernen europäischen Skulptur. Nur in Duisburg kann man einen so umfassenden und qualitativ hochstehenden Überblick über die bildhauerischen Werke von Lehmbruck bis zur Gegenwart bekommen. Brockhaus war es auch, der den Blick viel früher als andere auf die Kunst in Osteuropa lenkte. Sein Engagement und guter Ruf führten dazu, dass er die international bedeutsame Schau "Europa, Europa", ein Gegengewicht zur "Westkunst"-Ausstellung, maßgeblich mitgestaltete.
1000 Wege zum Kunsterlebnis
Brockhaus war nie ein elitärer Museumsmann. Geprägt von demokratischen 68er-Idealen, versuchte er stets, Kunst "allen" Menschen zu vermitteln. Mittlerweile verstehe er seine Mittlertätigkeit zwischen Kunst und Kunstbetrachter nicht nur als "kunsthistorischen Bildungsauftrag". Es gebe "tausend Wege zum Kunsterlebnis".
Fest steht, dass Brockhaus zu den ersten Museumsdirektoren gehört, die systematisch eine Museumspädagogik aufgebaut haben. Ein Jahr kämpfte er um eine feste Stelle. Als es endlich soweit war, hat Klöckner die Stelle von Cornelia Brüninghaus-Knubel für ein Jahr finanziert. Mittlerweile gilt die museumspädagogische Arbeit des Lehmbruck-Museums als vorbildlich.
Brockhaus wirkte nicht nur im Museum, sondern auch im "öffentlichen Raum". Er nutzte den Kantpark als erweitertes Museum, er setzte sich für Kunst in Grünanlagen, in den neuen U-Bahnhöfen und auf der Straße ein. Und ohne seine Überzeugungskraft wäre die Riesenskulptur von Lutz Fritsch "Rheinorange" an der Mündung von Ruhr und Rhein gewiss nie errichtet worden.
Die Umwandlung des Lehmbruck-Museums in eine Stiftung und die Sicherung des Lehmbruck-Nachlasses waren die Herausforderungen der vergangenen Jahre. Nebenbei rettete er nach akribischen Recherchen über die Hintergründe des Erwerbs Noldes "Buchsbaumgarten" für die Sammlung.
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