Duisburg: Umweltzone umstritten
VON CLEMENS HENLE - zuletzt aktualisiert: 11.02.2011Duisburg (RPO). Die Stadt Duisburg und andere Kommunen im Ruhrgebiet fordern die Einführung einer Revier-weiten Umweltzone. Doch der Verkehr ist nur zweitrangig für die Feinstaubbelastung verantwortlich.
Die Ruhrgebiets-Kommunen machen Dampf: In einem Schreiben an das nordrhein-westfälische Umweltministerium fordern sie größere Umweltzonen und die Einfahrt ausschließlich mit grüner Plakette ab 2013. Die Stadt Duisburg will die Umweltzone auf das gesamte Stadtgebiet ausweiten. Zusätzlich fordern die Ruhrgebietskommunen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen auf 100 Stundenkilometer. Hintergrund für die Ausweitung der Umweltzone ist die EU-weit festgeschriebene Einhaltung der Feinstaubwerte.
In Duisburg ist Feinstaub seit jeher ein Problem: An der Messstation in Bruckhausen beispielsweise wurde im vergangenen Jahr 39 Mal der Grenzwert überschritten. Auch im Hafen mit seinen vielen Umschlagplätzen ist die Feinstaubbelastung hoch, ebenso an stark befahrenen Straßen im gesamten Stadtgebiet. Ab Juni dieses Jahres muss die Höchstzahl der Überschreitungstage von 35 Tagen pro Jahr eingehalten werden – bis dahin gelten noch Ausnahmeregeln.
Im NRW-Umweltministerium begrüßt man den Maßnahmen-Katalog. "Feinstaub und Stickstoffdioxid sind zwei Luftschadstoffe, die weitreichende gesundheitliche Folgen für die Menschen haben. Die vorgeschlagenen Maßnahmen können hier helfen", meint Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). "In vielen Kommunen des Ruhrgebiets liegen die Belastungszahlen über den Grenzwerten der EU, daher ist die Politik in der Pflicht, weitere Maßnahmen zu ergreifen."
Doch gegen die Pläne regt sich Widerstand aufseiten der Industrie- und Handelskammer (IHK). "Der Verkehr ist nicht der Verursacher der überhöhten Werte. Hauptverursacher in Duisburg ist die Industrie und die Schifffahrt", erklärt Werner Kühlkamp-Winkelmann, Abteilungsleiter für Verkehr und Logistik bei der IHK Niederrhein. Daher sei die Umweltzone auch das falsche Instrument zur Bekämpfung der Feinstaubbelastung.
Die Zahlen geben ihm recht: Vor fünf Jahren beispielsweise entfielen in Duisburg 240 Tonnen Feinstaub auf den Verkehr, 148 Tonnen auf den Schiffsverkehr und satte 5666 Tonnen auf die Stahlindustrie. ThyssenKrupp hat allein am Standort in Bruckhausen 30 Millionen Euro in zusätzliche Filter für die Entstaubung der Sinteranlagen investiert. Die Anlage, die im Oktober dieses Jahres fertiggestellt werden soll, wird die Duisburger Umwelt voraussichtlich um fast 450 Millionen Tonnen Feinstaub pro Jahr entlasten. Laut dem Unternehmen verbessere sich die Belastung durch Feinstaub in der direkten Nachbarschaft in Bruckhausen erheblich.
Auf eine endgültige Entscheidung zur Einführung einer Revier-weiten Umweltzone müssen die Duisburger allerdings noch warten. Zurzeit wird ein neuer Luftreinhalteplan bei der Bezirksregierung Düsseldorf erarbeitet, in den auch die Vorschläge der Kommunen eingearbeitet werden. Wann dieser fertig ist, steht allerdings noch nicht fest.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







