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Panorama Loveparade Jäger Wehe
  Foto: ddp, ddp
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Innenminister erhebt Vorwürfe nach Loveparade: Veranstalter: Konzept war abgesprochen

zuletzt aktualisiert: 28.07.2010 - 19:52

Der Veranstalter der Loveparade und die Stadt Duisburg  stehen nun im Zugzwang: Die nordrhein-westfälische Landesregierung erhebt heftige Vorwürfe gegen die Verantwortlichen. Rainer Schaller und seine Lopavent-GmbH hätten die Vorgaben ihres eigenen Sicherheitskonzeptes nicht eingehalten, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger am Mittwoch in Düsseldorf. Der Organisator betont, dass sein Sicherheitskonzept abgesprochen und genehmigt worden sei.

Dadurch habe sich die Lage am Tag der Veranstaltung zugespitzt. Der Veranstalter habe dann die Polizei zu Hilfe gerufen. Unerträglich sei die Tatsache, "dass Verantwortung von Seiten des Veranstalters der Love-Parade und der Stadt als Genehmigungsbehörde abgeschoben wird und zwar bevor alle Fakten bekannt sind", sagte der SPD-Politiker. Hier finden Sie die Rede des Innenministers.

Die Pressekonferenz am Mittwochnachmittag unterschied sich sehr von der Veranstaltung am Sonntag, als Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland  die Öffentlichkeit informierte. Es lief sehr viel ruhiger und professioneller ab - zudem konnten der Innenminister und der Polizei-Inspekteur einige Antworten geben. Sie rekonstruierten den Hergang des furchtbaren Geschehens, machten aber auch deutlich, wo die Grenzen der bisherigen gesicherten Kenntnisse liegen. Grafiken, Fotos und weitere Unterlagen aus den Ermittlungen der Polizei finden Sie hier.

Ordner schlossen Zugänge trotz Anweisung nicht

Nach Angaben des Polizei-Inspekteurs Dieter Wehe bildete sich im einzigen Zugang zum Festgelände - einem Tunnel - ein Stau. Es seien immer mehr Menschen in dieses Nadelöhr geströmt. Als die Lage kritisch wurde, seien die Ordner des Veranstalters angewiesen worden, die Zugänge vor dem Tunnel zu schließen. Dies sei jedoch nicht geschehen. Gleichzeitig sei der Weg aus dem Tunnel auf das Festgelände blockiert gewesen, da dort eine Menschenmenge den Weg aus dem Tunnel nicht frei machte. Nach dem Sicherheitskonzept der Veranstalter hätten aber Ordner - sogenannte Pusher - die Menschen dazu bringen sollen, auf die Freifläche zu gehen.

Bereits das Konzept des Loveparade-Veranstalters Lopavent habe vorgesehen, dass mögliche Rückstaus im Eingangsbereich durch ein Schließen der Eingangsschleusen sowie Ordner, die mögliche Menschenmengen im Eingangsbereich weiterführen sollten, verhindert werden. Dies sei "wahrnehmbar nicht erfüllt" worden, sagte Wehe.

Es sei zum aktuellen Zeitpunkt unklar, ob die vom Veranstalter zugesagte Zahl der privaten Sicherheitskräfte eingehalten wurde. Die Polizei selbst sei im gesamten Stadtgebiet mit 4000 Beamten im Einsatz gewesen.

Als die Situation außer Kontrolle geriet, habe der Veranstalter gegen 15.30 Uhr die Polizei zu Hilfe gerufen, betonte Wehe. Daraufhin habe es die Anweisung gegeben, den Zulauf auf das Gelände durch Schließen der Eingangsschleusen zu stoppen. Diese Anweisung sei nicht umgesetzt worden. Zu dieser Zeit sei der Druck der Massen im Bereich des Übergangs vom Tunnel auf eine Rampe zum Festgelände unerträglich geworden.

Menschen wurden in der Masse erdrückt

Viele Menschen hätten über eine Treppe am Tunnelausgang zu fliehen versucht. "Ausschließlich am Fuß der Treppe erhöhte sich der Druck so stark, dass es zu den Todesopfern kam." Um 17.02 Uhr seien die ersten Opfer auf der Eingangsrampe gemeldet worden, sagte Wehe.  Diese seien nach derzeitigen Erkenntnissen in der Menschenmenge erstickt, sagte der Polizeibeamte mit Tränen in den Augen und stockender Stimme.

Innenminister Jäger betonte, die Verantwortung für die Geschehnisse auf dem Festgelände und damit für die Todesopfer trage allein der Veranstalter. Dies verhalte sich ähnlich wie die Aufsicht in Stadien bei Fußballspielen. Die Verantwortung für die Genehmigung der Loveparade habe die Stadt. Wehe wies darauf hin, dass der Veranstalter und die Stadt von der Polizei im Vorfeld auf Sicherheitsbedenken im Bereich des Tunnels hingewiesen worden seien.

Der Polizei sei erst am Tag der Love-Parade auf Nachfrage die Erlaubnis für die Veranstaltung ausgehändigt worden, sagte Wehe. Demnach seien höchsten 250.000 Besucher zulässig gewesen. Außerdem werde in der Genehmigung eine Unterschreitung der gesetzlich vorgegebenen Breite und Länge der Rettungswege gestattet. "Eine vertrauensvolle Arbeit zwischen der Stadt und der Polizei stelle ich mir anders vor", erklärte Jäger betont kritisch.

Veranstalter Rainer Schaller reagiert auf Vorwürfe

Der Veranstalter der Loveparade, Rainer Schaller, hat sich nach der Pressekonferenz zu den Erkenntnissen des Innenministers und der Polizei geäußert. Er betont in einem Schreiben, dass  es für die Veranstaltung ein detailliertes Planungskonzept gegeben hat, das gemeinsam mit der Polizei, der Bundespolizei, der Feuerwehr mit der Stadt und der Loveparade-Organisation entwickelt und abgestimmt wurde. Dieses Konzept, einschließlich aller sicherheitsrelevanten Aspekte, sei behördlich genehmigt, heißt es.

Auf detailierte Fragen der vorläufigen Ermittlungsergebnisse will Schaller nicht öffentlich eingehen, sie müssten genau überprüft werden. Er und sein Unternehmen Lopavent stünden der Staatsanwaltschaft jederzeit zur Verfügung, man habe sämtliche Unterlagen und auch Videomaterial aus sechs Kameras im Tunnel- und im Eingangsbereich an die Ermittler übergeben.  

Aus dem Schreiben Schallers geht hervor, dass der Veranstalter offenbar eine mögliche Verantwortung des Polizei an den chaotischen Verhältnissen nicht ausschließt: "Wir haben heute verstanden, dass auf der Aufgangsrampe und im Tunnel Polizeiketten gebildet und dass die Schleusen auf der Westseite auf Veranlassung der Polizei geöffnet wurden. Inwieweit dies mit einer Pfropfenbildung auf der Aufgangsrampe und Unglücksstelle zusammenhängt, wird die Staatsanwaltschaft herausfinden", schreibt Schaller. 

 Nach der Massenpanik bei der Love-Parade war die Zahl der Toten am Mittwoch auf 21 gestiegen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung.

Quelle: top/RTR/ddp

 
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