Duisburg: Vergnügliches über den Stau
VON CHRISTINA HÖTZEL - zuletzt aktualisiert: 21.04.2008Duisburg (RPO). Aggression, Depression und Neugeburt, das sind die Phasen, die wir im Stau durchlaufen. Das neurotische Verhalten der Großstädter im Berufsverkehr beleuchtete am Samstagabend Prof. Dr. Michael Schreckenberg. „Wer lenkt sie eigentlich?“ fragte er seine Zuhörer bei der dritten „Stahl trifft Kultur“ Benefiz-Veranstaltung von ThyssenKrupp Steel und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK). Das Großhirn oft nicht. Das schalten viele Fahrer bei ihrer gewohnten Route – Versuchen zufolge – nämlich teils ab.
Dafür ging Schreckenberg bei der Vermittlung seiner Forschungsergebnisse ungewöhnlich vergnügliche Wege. „Dass Physik von Transport und Verkehr so unterhaltsam sein kann, hätte ich nicht gedacht. Wir haben tiefe Einblicke in die Psyche gewonnen, in einigen Verhaltensmustern haben Sie sich bestimmt wiedererkannt“, kommentierte Dr. Wolfgang May, Vorstandsvorsitzender des DRK Duisburg, den Vortrag. Obwohl „Professor Stau“, der sich an der Universität Duisburg-Essen in der Hauptsache mit der Modellierung, Simulation und Optimierung von Transportsystemen in großen Netzwerken beschäftigt, vor seiner 170 Folien starken Powerpoint Präsentation gewarnt hatte, amüsierten sich die Zuhörer köstlich.
Er zeigte skurrile Verkehrszeichen, die etwa auf ein Nottelefon in 174 Kilometern hinweisen und verkehrsregelnde Maßnahmen, die in Deutschland erst recht zum Chaos führen würden. „Der achtspurige Kreisverkehr um den Arc de Triumphe würde uns total überfordern.“ Technische Hilfsmittel sind dabei auch nicht immer hilfreich. „Dank den Navigationsgeräten haben wir mehr Stau, als früher. Die einzelnen Staus sind zwar kürzer, aber die Leute treffen sich dann irgendwo auf dem Land“, so Schreckenberg.
Oliver Hirschegger rundete den Abend mit seinem virtuosen Saxophonspiel ab. „Jazz zwischen urbaner Komposition und Improvisation“ passte gut in das moderne, sachliche Ambiente des Seminarzentrums von ThyssenKrupp. Der „Delta City Blues“, wäre sicher auch ein gutes Stück für den Staugeplagten. Mit „Beat me“, entließ der renommierte Orchestermusiker und Saxophondozent an der Niederrheinischen Kunst- und Musikschule die zahlreichen Gäste stimmungsvoll in einen geselligen Abend am Buffet.
Erlös fließt in soziale Arbeit
Der Erlös der Veranstaltung fließt ausschließlich in die soziale Arbeit des DRK Duisburg. Er geht zum Beispiel an das Sterntalerprojekt zum Bau eines Kinder- und Jugendzentrums. Beim hoffentlich staufreien Heimweg mussten die Verkehrsazubis nur noch beachten, dass bei einem Wildwechselschild das Tier nicht zwangsläufig von rechts kommt.
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