Duisburg: Verschüttetes entdecken
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 18.12.2009Duisburg (RPO). "Neues zum Mittelalter an Rhein und Ruhr" ist der neue, 224 Seiten starke Band der Schriftenreihe Archäologie und Denkmalpflege in Duisburg überschrieben, der ab heute im Buchhandel erhältlich ist.
Gräberfeld entdeckt
Zurzeit werten die Archäologen ein Gräberfeld aus der Eisenzeit aus, das im vergangenen Monat in Bergheim entdeckt wurde und das zeigt, dass auch das linksrheinische Duisburg archäologische Schätze zu bieten hat. Auch über diese archäologischen Funde ist eine Publikation geplant. Kuriosum am Rande: Eine im Neubaugebiet Julius-Leber-Straße entdeckte, etwa 2500 Jahre alte Urne wurde in einem Duisburger Krankenhaus durchleuchtet, um den Inhalt zu identifizieren.
Auf den Tag genau vor einem Jahr wurde im Stadthaus Band 8 der städtischen Schriftenreihe "Archäologie und Denkmalpflege in Duisburg" vorgestellt. Gestern nun stellte Duisburgs Stadtarchäologe Dr. Volker Herrmann am selben Ort Band 9 dieser Reihe vor. Der 224 Seite starke, reich bebilderte Band ist wie sein Vorgänger aufwändig gestaltet und im Verlag Dr. Faustus erschienen. Mit 29 Euro blieb der Preis unverändert.
Für Laien und Fachleute
Er sehe es als eine Aufgabe und Herausforderung an, so sagte es Dr. Herrmann gestern bei der Buchpräsentation, zeitnah über die aktuellen Ausgrabungen in der Stadt zu berichten. Und dies auf eine Weise, dass sowohl die Fachwelt als auch der interessierte Laie davon etwas haben, fügte Herrmann hinzu. Stadtentwicklungsdezernent Jürgen Dressler nannte die Beschäftigung mit der lokalen Geschichte "elementar für das öffentliche Bewusstsein". Dieses Bewusstsein sei, wie ein archäologischer Fund, bisweilen "verschüttet" und müsse entdeckt und geweckt werden. "Neues zum Mittelalter an Rhein und Ruhr" heißt der neue Band, der ab heute im Duisburger Buchhandel vorrätig sein sollte. Dr. Volker Herrmann und Gastautor Dr. Mathias Hensch richten ihren Blick nicht nur auf die Duisburger Altstadt, sondern auch auf die Stadtteile Mittelmeiderich und Huckingen. Herrmann fasst im ersten Teil des Bandes die neuen Forschungsansätze zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des alten Stadtkerns zusammen und bindet diese in die überregionale Geschichtsforschung zum Mittelalter ein. Er schreibt beispielsweise über die Duisburger Befestigungsanlagen im 10. bis 14. Jahrhundert. Auch der Salvatorkirche ist ein Kapitel gewidmet.
Die Ausgrabungen in der evangelischen Kirche in Mittelmeiderich, die 2008 nicht nur in der Fachwelt für Aufsehen sorgten (die RP berichtete), hat Herrmann für die Publikation ausgewertet. Es sind, wenn man so will, frühe Spuren des Christentums in dem heutigen Stadtteil von Duisburg.
Auf mehr als 100 Seiten geht es um die aktuellen archäologischen Arbeiten und Forschungen in Huckingen. Spuren gehen da – wie im Duisburger Stadtkern – bis ins frühe fünfte Jahrhundert zurück. Kennzeichnend für Huckingen ist das gut erschlossene Wegenetz, das die beiden ehemaligen königlichen Zentren Duisburg und Kaiserswerth verbindet – bis heute.
Ausführlich werden die Untersuchungen im Steinhof und im dortigen Steinturm geschildert. Dr. Herrmann, der seit drei Jahren in Duisburg als Archäologe arbeitet, hob gestern das "erstaunlich große historische Potenzial und die hohe Denkmaldichte in der Region" hervor. Die Stadtarchäologie brauche aber Unterstützer und Freunde "in allen Teilen der Gesellschaft und des öffentlichen Lebens, um ihre Aufgaben zu bewältigen", sagte er.
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