Duisburg nach der Wahl: Vertrauen in Politik verloren
VON HILDEGARD CHUDOBBA - zuletzt aktualisiert: 10.05.2010 - 17:38Die prozentualen Einbußen von SPD und vor allem von der CDU offenbaren, dass sich die beiden Parteien immer mehr von ihren Wählern entfernen. In den freien Raum stoßen erfolgreich Linke und Rechte.
Auch wenn alle vier Landtagskandidaten der SPD Wahlkreissieger waren, so täuscht dies darüber hinweg, dass in dieser Stadt die Linken im Vormarsch sind. Sie schaffte im Dellviertel beziehungsweise im nördlichen Teil von Hochfeld eine Verbesserung des Erststimmenergebnisses um 11,7 Prozent und ähnlich viel auch in Marxloh. Bei den Zweitstimmen waren es sogar 12,6 bzw. 10,3 Prozent.
Und fast überall dort, wo die Linken Erfolge feierten, konnten auch die um Zweitstimmen werbenden Rechten von Pro NRW punkten. Dass die Extremisten vor allem in sozialen Brennpunkten und Gebieten, in denen mehr als anderswo Bürger mit niedriger Schulbildung leben, gute Ergebnisse einsammelten, gibt Hinweise auf die Wählerstruktur. Das Ergebnis der Linken hätte sogar noch besser sein können, wenn sie ihr Wählerpotenzial in der Stadt besser ausgenutzt hätten, so das Amt für Wahlen.
Wie der CDU, so bescheinigen die Fachleute vom städtischen Wahlamt auch der SPD, einen wenig erfreulichen Trend fortgeführt zu haben: Beide schafften es nicht optimal, ihre treuen Wähler in ihren Hochburgen an die Wahlurnen zu holen. Zum Mobilisierungsproblem der CDU kam am Sonntag nach Erkenntnissen der Wahlforscher Unzufriedenheit mit der Landes- und Bundespolitik hinzu.
Wie die Linken, so legten auch die Grünen in ihren Hochburgen zu, rund 5,4 in den eignen, rund drei Prozent in denen der SPD. Bei den Grünen fällt zudem auf, dass ihre Erststimmenergebnisse bis zu drei Prozent unter dem der Zweitstimmen liegen. Bei SPD und CDU ist das umgekehrt.
Junge sind wahlmüde
Hingeschaut haben die Statistiker auch beim Wahlverhalten nach Alter. Ergebnis: Die Älteren haben quantitativ größeren Einfluss auf die Ergebnisse als die Gruppe der Jüngeren. Sprich: Wahlmüde sind vor allem die Jüngeren. Dass CDU und SPD bei der älteren Generation gut punkteten, ist nicht überraschend. Wohl aber, dass die Parolen der Pro NRW vor allem bei jungen Männern auf fruchtbaren Boden fallen. Die CDU hingegen hat bei älteren Frauen mehr Rückhalt als bei jungen Damen, während die SPD bei Männern wie Frauen ähnlich gut ankommt.
Stabile Liberale
Bei den Duisburger Liberalen hätte der leichte Stimmenzuwachs (Zweitstimmen plus 0,2) eigentlich Zufriedenheit auslösen können, wenn es nicht den bisherigen Abgeordneten und Parteichef Holger Ellerbrock „erwischt“ hätte. 13 FDP-Abgeordnete werden im neuen Landtag sitzen. Holger Ellerbrock hat auf der Liste Platz 14. Für die Zukunftsplanung der Partei ist es nicht unwichtig zu wissen, dass sie eher seltener von Älteren und Jungwählern Unterstützung bekommen hat als vom sogenannten „Mittelalter“.
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