Duisburg: Virtuoser Schlagabtausch
VON SONJA BROWATZKI - zuletzt aktualisiert: 20.11.2008Duisburg (RPO). Jochen Busse und Henning Venske amüsierten die „Provinz Homberg“ (Originalzitat) mit einem humoristischen Feuerwerk quer durch alle Lebensbereiche. Dabei machten sie vor nichts halt. Der Menge stockte vielfach der Atem.
Eintrag ins Gästebuch
„Wohl ist dem, der an einem kalten Novembertag in der Glückauf-Halle zu Gast sein darf“. Diese positiven Worte hinterließen die zwei Kabarettisten im Gästebuch der Organisatorin. Anscheinend hat ihnen das anfänglich scherzhaft kritisierte „Köpi-Niveau“ der Homberger doch zugesagt. . .
Homberg Kaum ein Themenkomplex des aktuellen gesellschaftlichen Lebens blieb unangetastet – von Aufstieg und Fall unterschiedlicher Politiker über Bildung, Fernsehen und Arbeitsmarkt bis zu den allgemein schlechten Zukunftsaussichten für „unser geliebtes Heimatland“. Das Duo schreibt sich auf die Fahne, „kein sozialdemokratisches Weichspülkabarett“ zu betreiben, und bewies das Talent, den 200 Zuschauern in der Glückauf-Halle mehr als einmal ein erschrockenes Raunen zu entlocken.
Hiebe gegen die Politiker
Besonders Parodien im SS-Ton und die Bezeichnung des neuen US-Präsidenten als „verdammter Nigger“ (in Zusammenhang mit einer Kritik des scheinheiligen Wertewandels in den Staaten) ließen vielfach den Atem stocken. Doch Kabarett soll schockieren und zum Nachdenken anregen. Diesen Anspruch erfüllen Venske und Busse.
Die Kabarettisten der alten Schule rechnen sich auch den ein oder anderen Sieg oder Rücktritt namenhafter Politiker an: „Wen ich in den vergangenen zwanzig Jahren auf der Bühne nicht erwähnt habe, der hat es beruflich einfach nicht geschafft!“, erklärte Busse. Und ohne seine jahrelangen Humorattacken gegen Frau Merkel wäre diese niemals Kanzlerin geworden, behauptete Venske.
Auf weitere Hiebe gegen Landes- und Bundespolitik folgte die Abwägung, ob nun Vernunft oder Unvernunft unser Land aus der desolaten Situation befreien könne. Venske argumentierte mit der Vernunft des Alters, die aufgrund des unaufhaltsamen demographischen Wandels zwangsläufig bald eintreten werde. Doch für Busse war klar: Große Entscheidungen brauchen mutige Verrückte: „Schon die Ehe ist die größte Unvernunft, die zwei Menschen eingehen können. Das ganze Leben mit einem einzigen Partner – und wenn man Pech hat, sogar in derselben Wohnung!“
Und dass es an diesen Verrückten fehlt, die Kinder zeugen und das Aussterben der Deutschen verhindern, zeige ein besonders bezeichnendes Beispiel aus dem Pauschalurlaub: „Die Engländer waren die ersten, die es zu spüren bekommen haben. Die konnten plötzlich ganz ungestört um vier Uhr morgens ihre Handtücher auf die Liegen am Pool legen.“ In Anbetracht dieser Aussicht verteilte das Duo schon mal hypothetisch unser „deutsches Erbe“, wie die chronisch verspätete Bahn oder den Ärger mit endlosen Warteschleifen, an den Rest der Welt.
Leider ohne Zugabe („Denn niemand bekommt etwas geschenkt“, so Venske) beendeten die Kabarettisten unter anhaltendem Applaus ihren knapp zweieinhalb-stündigen virtuosen Schlagabtausch.
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