Duisburg: Visionen mit Kompetenz und viel Leidenschaft durchgesetzt
VON SEBASTIAN KAPP - zuletzt aktualisiert: 20.02.2009Duisburg (RPO). Reiner Calmund ist kein Mensch, der lediglich aus einem Buch, in diesem Falle seiner Autobiographie "Fußball bekloppt", vorliest. In seiner typischen rheinischen Art erzählte der ehemalige Manager von Bayer Leverkusen im Gertrud-Bäumler-Berufskolleg in Neudorf jetzt aus seinem Leben, beruflich wie privat. Mehrheitlich waren junge Menschen gekommen – und hierbei wiederum unerwartet viele Frauen.
Nachdem sein Vater in Vietnam gefallen war – Reiner war damals fünf Jahre alt – wurde sein Ziehvater sein Vorbild. "Er war ein Malocher. Ein toller Mann", so der heute 60-Jährige. "Deshalb mag ich die Gegend der Malocher."
Betriebsunfall Aufstieg
Seine Autobiographie geriet fast zur Nebensache, denn immer wieder ging Calmund auf Aktuelles ein, zum Beispiel auf den MSV und die Stadt Duisburg. Doch kritische Töne fehlten nicht. "Mir gefällt hier nicht, dass die Kritik am Verein größer ist als zum Beispiel in Dortmund oder gar auf Schalke. Die Düsseldorfer würden sich 25 Mal im Schlaf umdrehen, wenn sie in der 2. Liga spielen könnten." Dabei könnte, "wenn es gut läuft, der MSV sogar noch um den Aufstieg mitspielen", so der gebürtige Brühler.
Hauptsächlich sprach der Ex-Manager jedoch von seiner Zeit in Leverkusen. Vom "Betriebsunfall Aufstieg in die erste Liga" bis hin zum Finale der Champions-League erzählte "Calli" nicht nur von den Erfolgen, sondern auch von den Kuriositäten und Aktionen am Rande der Legalität, die ihm widerfahren sind, und die er teilweise selbst veranlasst hatte. Sein Erfolgskonzept lautet jedoch nicht Klüngel, sondern "eine Vision mit Kompetenz und sehr viel Leidenschaft durchzusetzen."
Pokalspiel mit Verlängerung
Auch über Privates sprach der Vater von fünf Kindern und dreifache Großvater. So sagte er, seit er Sylvia, die er 2003 einen Tag nach seiner Scheidung geheiratet hatte, kenne, habe er sich wesentlich mehr um die Familie gekümmert. "Ich habe als Vater sehr viele Fehler gemacht und meine Kinder zu stark vernachlässigt, doch seit Sylvia da ist, weiss ich, warum aus Brotschimmel Penicillin entsteht." In seinem Leben käme Fußball auf Platz 7, hinter seiner Familie und den wichtigsten Ereignissen der vergangenen 60 Jahre wie dem Fall der Mauer. Reiner Calmund sagt von sich selbst, er sei in der "60. Spielminute", dies sei ihm voriges Jahr am Grab seines Vaters in Vietnam klar geworden. Es sei zu hoffen, dass, wie er sagt, "Ich mich nicht verletze, keine rote Karte sehe, und es sich um ein Pokalspiel mit Verlängerung handelt."
Nach Ende der Veranstaltung ging "der Calli" durch die applaudierende Menge, um seine Bücher zu signieren.
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