Duisburg: Voller Einsatz für die legendäre Schnulze
VON CHRISTINA HOETZEL - zuletzt aktualisiert: 06.02.2010Duisburg (RPO). Rheinhausen Den Kassenknüller "Vom Winde Verweht" kennt jeder, doch auch seine Entstehungsgeschichte birgt Stoff für eine irrwitzige Komödie. "Mondlicht und Magnolien" sorgte Donnerstagabend für Lachsalven in der gut besuchten Rheinhausenhalle. Regisseur Robert Klatt hat das Stück temporeich und mit viel Wortwitz inszeniert.
Die Ausgangslage ist schon kompliziert: Der Produzent David O. Selznick (Michael Lesch) hat der unbekannten Autorin Margaret Mitchell 50 000 Dollar für ihren unveröffentlichten Roman angeboten und sitzt deshalb auf heißen Kohlen. Den Regisseur und den x-ten Drehbuchautor hat er gerade gefeuert, der Dreh muss trotz Weltstars abgebrochen werden.
Diät aus Erdnüssen und Bananen
Der despotische Selznick sieht nur einen Ausweg und kassiert den erfahrenen Victor Fleming (Marten Sand) vom "Zauberer von Oz" ein. Darüber hinaus setzt er den bärbeißigen Schnellschreiber Ben Hecht (Markus Völlenklee) einfach im Büro fest, obwohl der nur eine Seite des Südstaatenepos gelesen hat und glaubt, aus der Schnulze würde nie ein Film.
Die Zeit rennt, nur eine Woche hat das Trio Zeit, um, eingesperrt, mit einer Diät aus Erdnüssen und Bananen, das Ruder herumzureißen. Produzent und Regisseur spielen dem Drehbuchautor die Handlung vor, und der hackt die Dialoge in seine Schreibmaschine. Die Laiendarsteller wälzen sich als schwangere Melanie in den Wehen, becircen als kokette Scarlett und schwingen das Röckchen als naive Prissy. Lesch bettelt, droht, geht in die Luft als Produzent Selznick und kippt vor Erschöpfung um.
Thema Sklaverei am Rande
Völlenklee gibt den zweifelnden Hecht: Bürgerkriegsfilme waren noch nie erfolgreich, die Moral der Heldin lässt zu wünschen übrig, und der Held würde seine eigene Großmutter erschießen. Durch die Szene, in der Scarlett die Sklavin Prissy ohrfeigt, kommt es fast zum Eklat. So schafft es dass Stück, am Rande Sklaverei, Nord-Süd-Unterschiede und die Judenverfolgung durch Hitler zu thematisieren.
Das Bühnenbild zeigt das Büro des Produzenten um 1939 mit mahagonigetäfelten Wänden, Ledersesseln und einem Schreibtisch, auf dem drei Telefone heißlaufen.
In diesem Ambiente werfen die Darsteller Schuhe und Jacketts ab und spielen ausdrucksstark, mit vollem Körpereinsatz die so unterschiedlichen Charaktere, bis selbst die mustergültige Sekretärin Miss Poppenghul (Renée Zalusky) im hochgeschlossenen roten Kleid mit biederer Hochsteckfrisur schlussendlich ihre Contenance verliert.
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